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Thema der Woche: Husten richtig behandeln

21.09.2016

"Liebe und Husten kann man nicht verbergen", sagt ein Sprichwort aus Griechenland. Jeder, der bei einer leisen Stelle im Konzert oder bei einem Theaterstück plötzlich husten musste, weiß ein Lied davon zu singen. Doch was lässt sich gegen die Beschwerden tun? Lesen Sie im aktuellen Thema der Woche, was die offiziellen Leitlinien der Ärzteschaft empfehlen.

Was wirklich gegen Husten hilft, lesen Sie hier.
Viel trinken hilft Hustengeplagten. Im Herbst und Winter tun warme Getränke besonders gut.
© contrastwerkstatt - Fotolia

"Husten vor dem Fernsehapparat macht nur halb so viel Spaß wie im Theater", meinte der Quizmaster Robert Lembke. Doch ob Spaß oder nicht: Husten ist sinnvoll. Der Körper schützt sich damit. Ob man sich verschluckt oder mit der Atemluft Staubpartikel oder Krankheitserreger in die Atemwege eindringen. Ein kräftiger Hustenstoß befördert die Eindringlinge rasch wieder heraus. Rutscht beim Essen ein Bissen statt in die Speiseröhre in die Luftröhre, so schlagen die empfindlichen Schleimhäute der Atemwege mithilfe ihrer Rezeptoren Alarm. Sie lösen einen Hustenanfall aus.

Aber auch Erkältungsviren können die Auslöser für Husten sein. Die in die Bronchien vorgedrungenen Viren greifen die Bronchialschleimhaut an und lösen eine Entzündung aus. Der Körper produziert mehr zähflüssigen Schleim, der die Flimmerhärchen blockiert. Mit der Zeit staut sich immer mehr zäher Schleim in den Atemwegen, was die Nerven dort reizt. Folge: Husten, mit dem sich der Körper von dem Schleim befreien möchte.

Zu Beginn ist der Erkältungshusten oft noch trocken und besonders quälend. Vor allem nachts kann er zu einem lästigen Ruhestörer werden. Der trockene Reizhusten dauert meistens nur kurz. Hält er länger an, sucht man am besten einen Arzt auf.

Vom trockenen zum festsitzenden Husten

Der trockene Reizhusten geht oft in einen festsitzenden Husten über. Dann produziert der Körper meist vermehrt Schleim. Er sitzt aber fest, ist zäh und lässt sich dadurch nicht abtransportieren. Dennoch halten die Beschwerden an, da der Körper trotzdem versucht, den Schleim loszuwerden.

Mit der Zeit verflüssigt sich der Schleim und lässt sich abhusten. Der unproduktive Husten geht in einen produktiven Husten über. Die Attacken fühlen sich nicht mehr quälend, sondern befreiend an.

Leitlinien für die Behandlung

Nehmen Sie sich Zeit
Vermeiden Sie unnötigen Stress und Hektik.

Trinken Sie viel
Der Körper braucht jetzt Flüssigkeit, um den zähen Schleim loszuwerden. Also trinken Sie viel! Das sagt die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Etwas Warmes wird Ihnen im Herbst und Winter besser bekommen als kalte Getränke. Es kommt aber im Wesentlichen darauf an, Flüssigkeit zuzuführen. Von Leitungswasser bis Hustentee ist alles erlaubt, solange es kein Alkohol ist. Übrigens: Dass Bonbon-Lutschen gegen den Reizhusten im Theater hilft, liegt vornehmlich auch daran, dass beim Lutschen Feuchtigkeit im Mund produziert wird, die den Rachen beruhigt.

Inhalieren Sie öfter!
Wasserdampf-Inhalationen tun Rachen-Bronchien-Geschädigten laut DEGAM-Leitlinie gut.

Haben Sie Fieber?
Wenn der Husten in Zusammenhang mit einer fiebrigen Erkältung steht und Sie Glieder- oder Kopfschmerzen haben, können Sie ein fiebersenkendes und schmerzstillendes Medikament wie Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen.

Verzichten Sie auf Antibiotika
"Bei gesunden Erwachsenen ist eine einfache Erkältung die häufigste Ursache von Husten. Eine Dauer bis drei Wochen ist nicht ungewöhnlich und sollte Sie nicht beunruhigen", heißt es in der Leitlinie. Oft kommt eine akute Bronchitis hinzu. Dies liegt in der Regel an einem durch Viren ausgelösten Infekt. "Oft befürchten Betroffene, dass bei Fieber oder gelblich-grünem Auswurf Bakterien beteiligt sind. Aber das sind nur Zeichen einer normalen körpereigenen Virenabwehr." Bei Viren helfen Antibiotika nicht. Erst wenn Bakterien dazukommen, können Antibiotika sinnvoll sein.

"Antibiotika können zu Allergien oder Durchfall führen. Und die Bakterien können resistent werden – Antibiotika helfen dann nicht mehr. Deswegen sollten sie nur eingesetzt werden, wenn sie auch wirklich notwendig sind."

Eine Lungenentzündung wird beispielsweise von Bakterien verursacht und ist eine schwerere Krankheit, die mit Antibiotika behandelt wird. Hohes oder anhaltendes Fieber, Krankheitsgefühl und Luftnot können darauf hindeuten. "Bitte suchen Sie sich in einem solchen Fall rasch ärztliche Hilfe", so die Experten der Leitlinie.

Nehmen Sie Hustenstiller und Schleimlöser nicht zusammen
Die Fachgesellschaften halten sich bei Empfehlungen streng mit zusätzlichen Medikamenten zurück. Für Hustenstiller gilt: nur nachts. Am Tage ist es besser, den Schleim abzuhusten. Hustenstiller und Schleimlöser sollten nicht gleichzeitig eingenommen werden.

Pflanzliche Hilfe
Wie sieht es mit pflanzlichen Mitteln aus? Präparaten mit Myrtol, Thymian/Efeu- oder Thymian/Primelwurzel bescheinigt die DEGAM-Leitlinie eine milde Linderung der Beschwerden. Bei einer akuten Bronchitits empfehlen Experten zudem Pelargonium-haltige Arzneimittel. Diese sind gut verträglich. Gelegentlich kann es unter der Einnahme zu einer Erhöhung der Leberwerte kommen, daher sollten Patienten mit schweren Lebererkrankungen keine Pelargonium-haltigen Arzneimittel einnehmen.

Die Wirkung von Hausmitteln wie Honig oder Hühnersuppe ist wissenschaftlich nicht belegt. Aber wenn Sie damit gute Erfahrungen gemacht haben, spricht nichts gegen ihre Anwendung. Pflanzliche Medikamente können Sie einfach ausprobieren, lassen Sie sich in der Apotheke beraten. Manchen pflanzlichen Mitteln fehlt es an kritikfreien Studien zur Wirksamkeit, weshalb sie nicht Eingang in die rationalen Behandlungsleitfäden gefunden haben. Ihr Apotheker kennt sich mit der Wirkung von Heilpflanzen bestens aus; fragen Sie ihn einfach.

Muss ich bei Husten-Medikamenten Nebenwirkungen fürchten? "Rezeptfreie Arzneimittel wie Schleimlöser, Hustenstiller und pflanzliche Medikamente verursachen im Allgemeinen nur seltene und milde Nebenwirkungen", so das Fazit der Leitlinie. Die Krankenkasse übernimmt bei Erwachsenen die Kosten für diese Medikamente nicht.

Achtung: Warnsignale!

Husten ist aber nicht immer harmlos. Zu den Warnsignalen zählen zum Beispiel gleichzeitig auftretende Schmerzen in der Stirn oder im Augenbereich. Beides kann etwa auf eine Beteiligung der Nebenhöhlen hinweisen. Andere Verdachtszeichen: eine gelbliche, grünliche oder rötliche Farbe des ausgehusteten Sekrets. Auch wenn das Atmen schmerzt, trockener Husten länger als zwei bis drei Wochen besteht oder Fieber über 39 Grad Celsius auftritt, kommen Erkrankte um einen Arztbesuch nicht herum. Das gilt auch, wenn plötzliches, hohes Fieber und starkes Krankheitsgefühl auftritt. Dies deutet auf eine echte Grippe hin.

Trockener Reizhusten kann auch auf eine chronische Erkrankung, zum Beispiel eine Herzmuskelschwäche, hinweisen. Manche Patienten, die rezeptpflichtige Medikamente wie bestimmte Blutdrucksenker erhalten, reagieren mit trockenem Reizhusten.

Peter Erik Felzer

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