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Thema der Woche: Pflanzenmedizin mit nachgewiesener Wirkung

21.01.2016

Der Magen-Darm-Trakt gehört zu den Haupteinsatzgebieten für pflanzliche Arzneimittel. Fast für alle Beschwerden zwischen Mundhöhle und Enddarm finden sich passende Präparate, aber nicht für alle gibt es wissenschaftliche Studien, die ihre Wirkung beweisen. Das erklärte Professor Dr. Robert Fürst vom Institut für pharmazeutische Biologie der Universität Frankfurt.

Bei Verdauungsbeschwerden helfen viele Arzneimittel aus der Natur.
Als wissenschaftlich gesichert gilt die positive Wirkung von Pfefferminze bei Magen-Darm-Beschwerden.
© daffodilred - Fotolia

Da die Pflanzenheilkunde, Phytotherapie genannt, auf der naturwissenschaftlichen Medizin basiere, müsse sie auch wissenschaftlichen Kriterien genügen. Gerade wenn es darum gehe, die Wirksamkeit nachzuweisen. Das sagte Fürst auf einem Fortbildungskongress der Bundesapothekerkammer in Schladming, Österreich. Leider gibt es für viele Mittel keine solchen Studien, allerdings erscheint bei vielen die Anwendung plausibel, weil man weiß, wie ihre Inhaltsstoffe wirken.

Als Beispiel nannte Fürst Schleimstoffe wie Isländisch Moos oder Gerbstoffe wie Hamamelisblätter oder Ratanhiawurzel gegen Entzündungen des Mund und Rachenraums. Auch Bitterstoffe zur Anregung des Appetits fallen in diese Kategorie. Es gibt zwar keine Studien zur Wirksamkeit, aber man weiß, dass auf der Zunge und im Magen-Darm-Trakt Bindungsstellen für Bitterstoffe existieren. Werden diese aktiviert, regt das die Ausschüttung von Speichel, Magensäure und Verdauungsenzymen an und fördert die Bewegung der Magen-Darm-Muskulatur. Dadurch werde Fürst zufolge eine appetitanregende Wirkung plausibel.

Wissenschaftlich gesichert: Ingwer bei Reiseübelkeit

Dagegen existieren wissenschaftliche Arbeiten, die zeigen, dass Ingwerwurzel-Pulver die Reisekrankheit lindert. Gegen Reizmagen gebe es sogar zwei verschiedene Präparate, die sich in klinischen Studien einem synthetischen Präparat als ebenbürtig erwiesen hätten: einerseits eine Mischung aus Pfefferminz- und Kümmelöl und andererseits eine feste Kombination aus neun verschiedenen Pflanzen – angeführt von der Bitteren Schleifenblume, die fachsprachlich Iberis amara heißt.

Diese Kombination hat sich ebenfalls beim Reizdarmsyndrom als erfolgreich erwiesen. Zudem kann man Pfefferminzöl in Form magensaftresistenter Kapseln einsetzen oder Indische Flohsamenschalen. In einer Studie zeigte sich, dass durch Flohsamen besonders die Schmerzen bei den Reizdarm-Patienten zurückgingen. Auch bei der chronischen Darmentzündung Colitis ulcerosa gibt es Hinweise, das Flohsamenschalen das entzündliche Geschehen dämpfen, ebenso eine feste Kombination aus Myrrhepulver, Kaffeekohlepulver und Kamillenblüten-Extrakt. Bei der entzündlichen Darmerkrankung Morbus Crohn gebe es dagegen nach den Worten von Fürst keine in Deutschland zugelassenen Pflanzenpräparate mit positivem Wirkungsnachweis.

Standardtherapie bei Verstopfung

Anders sieht es aus bei der Verstopfung. Das ist sozusagen eine Domäne der pflanzlichen Medizin. Füll- und Quellstoffe wie Weizenkleie, Leinsamen oder Flohsamenschalen gehören dort zur Standardtherapie. Arzneimittel, die sogenannte Anthranoide enthalten, wie Faulbaumrinde, Aloe oder Rhabarber, wirken ebenfalls gut. Fürst rät jedoch, diese wegen des Risikos für Nebenwirkungen nur kurzfristig zu verwenden.

Gegen Durchfall kommen gerbstoffhaltige Arzneipflanzen sowie Füll- und Quellstoffe zum Einsatz, allerdings ist hier die Datenlage eher dünn. Auch für Uzarawurzel konnte Fürst keine wissenschaftliche Studie anführen, bei denen die Wirkung mit Menschen als Versuchsteilnehmern belegt wurde. Trotzdem hält er die Wirkung dieser Pflanzen gegen Durchfall aufgrund ihrer Inhaltsstoffe für plausibel.

Apotheker Rüdiger Freund

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