Tipps vom Experten: Schluss mit Frustessen

Katrin Faßnacht-Lee

Eine Verhaltensänderung gehört zu den größten Stolpersteinen beim Abnehmen. Dr. Berthold Maier, Diplom-Psychologe am Diabetes Zentrum Mergentheim, erläutert, wie man den Anfang findet, und weiß, wo es Hilfe gibt.

Dicker Mann, sitzt auf einer Couch und isst Pizza, Baguette und trinkt Cola.
Ärger schlägt manchen Menschen auf den Magen, bei anderen sorgt er für regelrechte Fressattacken.
© Vadym Petrochenko/iStockphoto

Wie können Menschen es schaffen, ihr Verhalten dauerhaft zu ändern?
Maier:
Der allererste Schritt ist die Gewissheit, dass man wirklich etwas ändern möchte. Oft haben sich Menschen an ihre Lebensgewohnheiten so stark gewöhnt, dass sie gar nichts ändern wollen. Erst wenn auch Nachteile oder gesundheitliche Beschwerden hinzukommen, geraten viele ins Grübeln. Die zweite Überlegung: Traue ich mir das zu? Wenn Menschen beide Punkte mit Nein beantworten, dann werden sie wahrscheinlich gar nicht starten.

Und wenn der Entschluss steht?
Maier:
Zu Anfang ist es wichtig, dass der Mensch eine Vision hat, zum Beispiel: "Ich würde gern wieder so sein wie vor drei Jahren. Da habe ich noch in bestimmte Kleider reingepasst oder konnte noch einen bestimmten Sport ohne größere Beschwerden durchführen." Am besten klingt diese Vision verlockend und nicht nach einer Pflicht. Fragen Sie sich: Was wäre, wenn Sie morgen früh aufwachen und Sie hätten merklich abgenommen? Was würden Sie dann spüren, wie wären die Reaktionen von Menschen aus Ihrer Umgebung? Diese "Sehnsucht" kann eine große Antriebskraft entfalten.

Wo findet man Unterstützung, wenn man es nicht allein schafft, abzunehmen?
Maier:
Wenn das Essverhalten schon in Richtung Essstörung geht, was bei starkem Übergewicht häufiger vorkommt, kann man sich therapeutische Unterstützung suchen. Sprechen Sie den Hausarzt ganz offen an, wenn Sie das Gefühl haben, dass Essen zu einer Sucht geworden ist. In diesem Fall wäre eine ambulante oder auch stationäre Therapie möglich. Wenn sich das Verhalten aber ganz normal im Alltag eingeschlichen
hat, können auch Diabetesschulungen in der Diabetespraxis helfen. Dort bekommen Sie viele Tipps und Unterstützung. Außerdem bietet fast jede Krankenkasse einen Kurs zur Gewichtsabnahme an – meist übernimmt die Kasse die Kosten. Leider fielen zuletzt viele Kurse wegen der Coronavirus-Pandemie aus. Zum Teil gibt es aber auch schon Online-Angebote mit Coaching. Am besten informieren Sie sich direkt bei Ihrer Krankenkasse.

Haben Sie zum Schluss noch ein paar konkrete Tipps, was gegen Frustessen hilft?
Maier:
Zunächst: Beobachten Sie Ihr Essverhalten einmal genau und führen Sie ein Tagebuch für einige Tage. Damit entdecken Sie, in welchen Situationen Sie "Nervennahrung" brauchen und wie viel Sie davon essen. Ersetzen Sie dann das Essen durch eine andere Tätigkeit, die Ihnen hilft, sich besser zu fühlen. Man muss die Erfahrung machen, dass der Frust auch ohne Essen vorbeigeht. Das ist eine Trainingssache. Das Verlangen kommt ja wie eine Welle. Eine Möglichkeit besteht darin, sich ein bisschen Zeit zu verschaffen. Man kann von 100 rückwärts zählen, einen Artikel lesen oder die Zähne putzen. In dieser Zeit ebbt das Verlangen oft schon ab. Wenn nicht, wäre es gut, wenn man zwei, drei Alternativen kennt: Statt Schokolade beispielsweise einen Schokotee trinken, der köstlich duftet. Oder einen Espresso mit ein paar Schokostreuseln. Beides liefert deutlich weniger Kalorien als die Schokolade selbst.

Vielen Dank für das Gespräch!

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