Typ-1-Diabetes bei Kindern: Bessere Früherkennung möglich

Wolf Löchel  |  27.05.2026 14:25 Uhr

Eine bayerische Studie zeigt, dass ein Screening auf Typ-1-Diabetes in der kinderärztlichen Routineversorgung machbar ist. Über 220.000 Kinder wurden bereits getestet – bei vielen betroffenen Kindern gab es keinen Typ-1-Diabetes in der Familie.

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Ein Screening auf Diabetes Typ-1 kann dazu beitragen, schwere Komplikationen zu verhindern und die Therapie zu verbessern.
© YakobchukOlena/iStockphoto

Typ-1-Diabetes beginnt oft Jahre, bevor erste Anzeichen sichtbar werden. In dieser Zeit lassen sich im Blut bereits sogenannte Insel-Autoantikörper nachweisen, also Antikörper gegen die insulinproduzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse. Die seit 2015 laufende Fr1da-Studie des Forschungszentrums Helmholtz Munich hat untersucht, ob ein systematisches Screening auf diese Antikörper in der allgemeinen Kinderarztpraxis möglich ist. 

3 von 1000 Kindern zeigen Anzeichen von Typ-1-Diabetes

In Bayern beteiligten sich 716 niedergelassene Kinderarztpraxen an der Studie. Bei rund 0,3 Prozent der durch Blutproben getesteten Kinder fand sich ein frühes Diabetes-Stadium. Etwa 81 Prozent der Kinder, die später einen klinisch manifesten Typ-1-Diabetes entwickelten, wurden über das Screening erfasst. 

Auffällig: Die meisten betroffenen Kinder hatten keine familiäre Vorbelastung. „Wenn wir nur Kinder mit familiärer Vorbelastung testen, übersehen wir den größten Teil der Kinder, die später einen Typ-1-Diabetes entwickeln", betont Dr. Christiane Winkler, Leiterin der Fr1da-Studie. Ein Screening solle daher allen Kindern offenstehen, nicht nur Risikogruppen.

Positives Screening – was bedeutet das für Familien?

Wird bei einem Kind ein Frühstadium festgestellt, heißt das nicht, dass es sofort Insulin benötigt. Die Familien erhalten Informationen, Schulungen und Zugang zu spezialisierten Diabeteszentren. Dort werden Stoffwechsel und Verlauf regelmäßig kontrolliert. Ziel ist es, den Übergang in einen manifesten Diabetes frühzeitig zu erkennen und schwere Komplikationen wie eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung (Ketoazidose) zu verhindern. Auch ein zweites Screening nach einigen Jahren hat sich als sinnvoll erwiesen, da manche Kinder erst später Autoantikörper entwickeln.

Bedeutung für künftige Therapien

Die Fr1da-Studie liefert auch die Grundlage für neue Behandlungsansätze. Sogenannte krankheitsmodifizierende Therapien können den Übergang in den klinischen Diabetes verzögern, setzen aber eine frühe Diagnose voraus. Langfristiges Ziel der Forschenden ist es daher, das Screening in die kinderärztliche Regelversorgung zu integrieren.

Quelle: DOI 10.1001/jama.2026.6085

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