Jede Frau kommt früher oder später in die Wechseljahre – doch der Beginn ist oft schwer zu erkennen. Die Symptome sind vielfältig und nicht immer eindeutig. Worauf es ankommt, warum Beschwerden oft fehlgedeutet werden und welche Möglichkeiten es gibt, gut durch diese Lebensphase zu kommen, erklärte Professor Dr. Vanadin Seifert-Klauss auf dem Fortbildungskongress Pharmacon in Schladming.
Wechseljahre in medizinischer Ausbildung kaum thematisiert
Sie leitet am Klinikum rechts der Isar das Endometriose- und das Osteoporosezentrum und wies daraufhin: Obwohl die Hälfte der Bevölkerung früher oder später von den Wechseljahren betroffen seien, werde das Thema in der medizinischen Ausbildung kaum thematisiert. Erst Dank erhöhter Aufmerksamkeit von Seiten der Medien rücke es wieder in den Fokus.
Symptome werden oft falsch eingeordnet
Eine besondere Herausforderung ist, dass viele Beschwerden nicht sofort mit den Wechseljahren in Verbindung gebracht werden. Neben bekannten Symptomen wie Hitzewallungen, die sieben Jahre oder länger anhalten können, kommen auch vor:
- Brustspannen,
- Schlafstörungen,
- Rückgang der Libido,
- Herzrasen,
- Panikattacken,
- Kopf- und Gelenkschmerzen und
- Schwindel.
Besonders die letzten vier Symptome werden oft anderen Erkrankungen zugeschrieben, so Seifert-Klauss. Nach der Menopause kann zudem der Blutdruck steigen, da die Blutgefäße durch den Estrogenmangel an Elastizität verlieren. Schon leicht erhöhte Werte erhöhen bei Frauen das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.
Wechseljahre: Kein klarer Startpunkt
Hinzu kommt: Wann die Wechseljahre beginnen, ist individuell sehr unterschiedlich. Neben genetischen Faktoren spielen auch Lebensumstände eine Rolle – etwa Bildung, Beruf, Einkommen, das Körpergewicht, Rauchen oder bestehende Erkrankungen wie Diabetes.
Perimenopause und Menopause: Begriffe erklärt
Die Menopause bezeichnet den Zeitpunkt der letzten Regelblutung und tritt im Durchschnitt mit etwa 52,5 Jahren ein. Die Phase davor, die sogenannte Perimenopause, kann sich jedoch über bis zu zehn Jahre erstrecken. In der frühen Übergangsphase werden die Zyklen unregelmäßiger, in der späteren Phase bleiben Blutungen teils länger als 60 Tage aus. Jetzt treten häufig erstmals Hitzewallungen auf. In dieser Phase liegt die Wahrscheinlichkeit, dass die letzte Regelblutung innerhalb der nächsten vier Jahre eintritt, bei 95 Prozent.
Hormontherapie: wirksam, aber individuell zu entscheiden
Die Hormonersatztherapie (HRT) gilt laut Seifert-Klauss als die effektivste Behandlung von Wechseljahresbeschwerden. Sie könne Hitzewallungen um bis zu 75 Prozent senken, Schlafstörungen lindern und einer durch Estrogenmangel bedingten Scheidentrockenheit entgegenwirken. Auch das Risiko für osteoporosebedingte Knochenbrüche lasse sich reduzieren.
Welche Therapie infrage kommt, muss jedoch individuell entschieden werden – abhängig von der Stärke der Beschwerden und möglichen Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Brustkrebs. Für manche Frauen können auch nicht-hormonelle Medikamente oder pflanzliche Präparate eine Option sein.
Was Frauen selbst tun können
Neben Medikamenten können auch diese Veränderungen des Lebensstils unterstützen:
- Gewichtsabnahme,
- Einschränkungen bei Kaffee, Alkohol oder scharfen Speisen
- Stressabbau
- Atemübungen, Achtsamkeit, Yoga
- Kognitive Verhaltenstherapie