Anabolika im Freizeitsport: Gesundheitsrisiken für junge Männer

Elisabeth Kerler  |  03.03.2026 15:32 Uhr

Anabolika versprechen schnellen Muskelaufbau. Ein Endokrinologe erklärt Risiken für Herz, Psyche und Fruchtbarkeit bei jungen Männern.

Ein Mann trainiert mit schmerzverrtem Gesicht in einem Fitnesstudio mit einer Hantel.
Grundsätzlich sei Sport gut. Wenn es aber zu extrem wird, kann ein Muskeldysmorphiesyndrom dahinter stecken.
© Ridofranz/iStockphoto

8 bis 15 Prozent der männlichen Fitnessstudio-Besucher nutzten Anabolika, im Bodybuilder-Bereich sogar 30 bis 50 Prozent: Das schätzt Professor Dr. Sven Dietrich, Kongresspräsident der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Dabei gingen mit der Nutzung der Hormone – in der Regel androgene Steroide, seltener Wachstumshormone – deutliche Risiken einher:

  • Bei Jugendlichen, die die Pubertät noch nicht vollständig durchlaufen haben, können sich die Wachstumsfugen zu früh schließen. Damit würden die Jugendlichen weniger wachsen und kleiner bleiben.
  • Entwicklung einer weiblichen Brust oder Akne
  • Mit dem höheren Maß an Testosteron wird das Blut dickflüssiger, damit geht ein erhöhtes Schlaganfallrisiko einher. Nach fünf Jahren der Nutzung komme es laut Kardiologen oft zu einer Verdickung des Herzmuskels. Ähnlich wie Bluthochdruck ginge damit ein erhöhtes Risiko für Herzrhythmusstörungen bis zum plötzlichen Herztod einher.
  • Unter Betroffenen sind psychische Veränderungen bekannt, etwa Aggressivität, Angststörungen oder Depression.
  • Fruchtbarkeit: „Auch die Fertilität ist unter der Nutzung gleich Null“, betont Dietrich. „Das ist wie die Pille für den Mann“. In der Regel sei die Wirkung auf die Fruchtbarkeit nach dem Absetzen wieder rückläufig; Jedoch seien Fälle von langjähriger Nutzung bekannt, bei denen auch die Fertilität langfristig betroffen sei. 

Kinderwunsch motiviert zum Absetzen

Daher kommen häufig Betroffene mit Kinderwunsch in die Endokrinologie. Das sei auch eine wirksame Motivation, um von den Anabolika wegzukommen. Denn das Absetzen ist nicht leicht: Durch den Einsatz der Anabolika sei das eigene, endogene System zur Homonausschüttung stark herunterreguliert. Bis es wieder anlaufe, dauere es eine ganze Zeit. Betroffene „kommen dann von ganz hohen Spiegeln zu ganz niedrigen, fast weiblichen. Das ist natürlich für sie ein Trauerspiel. Das muss man begleiten, sonst greifen sie immer wieder zu Spritze“, betont der Endokrinologe. Wenn man diese Zeitspanne nicht überbrücke, käme es zu Testosteronmangelsymptomen wie depressive Verstimmungen oder vermehrtes Schwitzen. Er empfiehlt eine gemeinsame Betreuung von Endokrinologen und Psychologen oder Psychiatern. 

Warum greifen männliche Jugendliche zu Anabolika? 

 „Das männliche Schönheitsideal hat sich in den letzten 25 Jahren extrem geändert“, erklärt Dietrich. Heute gelte man als junger Mann ohne Hantel zuhause und Abo im Fitnessstudio eher als Außenseiter. In diesem Zusammenhang weist er auch auf das psychiatrische Krankheitsbild „Muskeldysmorphiesyndrom“, ähnlich der Anorexie, hin.

Symptome des Muskeldymophiesyndroms

Viele Betroffene dieses Syndroms trainierten nahezu täglich mehrere Stunden im Fitnessstudio, checkten häufig ihr Spiegelbild, kontrollierten jede Nahrungsaufnahme und seien insgesamt übermäßig mit dem Gedanken beschäftigt, zu wenig muskulös zu sein. Dabei haben viele eher eine überdurchschnittliche Muskulatur. Das übrige Leben außerhalb des Fitnessstudios stehe praktisch still, fasst Dietrich bei einer Pressekonferenz zum Kongress das Krankheitsbild zusammen. 

Prävention durch Information

Wenn dann die Muskulatur nicht mehr durch Training den eigenen Ansprüchen nach genug wachse, liege der Griff zu Anabolika, Hormonen, nahe. „Das Zeug ist sehr wirksam, wir müssen sehr bei jungen Menschen davor warnen,“ erklärt Dietrich. Zur Prävention wünscht sich Dietrich daher Hinweise etwa auf Bildschirmen in den Fitnessstudios: Auch zu viele Hormone, wie Anabolika, sind ungesund und auch zu viel Sport kann das männliche Hormonsystem beeinflussen. 

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