Die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) hat HIV grundlegend verändert: Aus einer oft tödlichen Erkrankung ist damit eine chronische, handhabbare Infektion geworden. Eine Analyse aus den USA zeigt nun Hinweise darauf, dass dieser medizinische Fortschritt mit steigenden Syphilis-Zahlen einhergehen könnte.
Analyse auf Basis von US-Gesundheitsdaten
Das Forschungsteam wertete Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC sowie Informationen von Pharmaunternehmen aus. Im Fokus stand der Zeitraum von 1996 bis 2008 – also die Jahre nach Einführung der modernen HIV-Therapie.
Ohne HAART: 81 Prozent weniger Syphilis-Fälle
Dabei stellte das Forschungsteam fest: Wo vor HAART die AIDS-Zahlen höher waren, sind seit HAART die Syphilis-Neuerkrankungsraten höher. Auf den Zeitraum von 1996 bis 2008 bezogen ergibt die Berechnung: Ohne HAART, eine lebensrettende Therapie, wäre es so zu mehr als vier von fünf Syphilis-Erkrankungen (81 Prozent) nicht gekommen.
Diesen Grund vermutet das Forschungsteam
Das Forschungsteam vermutet: Mit HAART scheint die Furcht vor HIV gesunken zu sein. Auf dieser Grundlage haben wohl viele Menschen begonnen, ihr Sexualleben risikoreicher zu gestalten – mit der Folge von steigenden Syphilis-Zahlen bei Männern. Bei Frauen sind die Syphilis-Raten tendenziell weiterhin gesunken.
Einschränkung berücksichtigen!
Allerdings ist dabei zu beachten: Die Datenanalyse kann keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Auch sind Zwischenschritte denkbar. Das Team weist in der Studie auch darauf hin, dass mit mehr HIV-Überlebenden in bestimmten Regionen mehr sexuell aktive Personen schlicht vorhanden waren. Auch das kann einen Einfluss auf den Zusammenhang in den Daten haben.
60-Jahres-Hoch bei Syphilis erreicht
Studienautor Dr. David Beheshti von der University of Texas betont in einer Mitteilung zur Studie: „Mit dem 60-Jahres-Hoch bei Syphilis bieten diese Erkenntnisse Einblick dahingehend, wie lebensrettende Innovationen das Verhalten der Bevölkerung ändern können. Sie heben auch den Bedarf an komplementären Strategien der öffentlichen Gesundheit hervor.“
Quelle: DOI 10.1002/hec.70100