Erfolg bei HIV – aber mehr Syphilis? Das Rätsel der US-Daten

Elisabeth Kerler  |  23.04.2026 07:57 Uhr

Erfolge bei HIV und ein Hoch bei den Syphilis-Zahlen: Eine Analyse aus den USA weist auf einen Zusammenhang hin.

Nackter Mann und Frau liegen zusammen unter einer dünnen Decke. Sie lächeln sich an, der Mann hat ein Kondom in Verpackung in der Hand.
Safer Sex: Bei Frauen sind die Syphilis-Zahlen laut einer Analyse nach der Einführung der modernen HIV-Therapie nicht angestiegen - bei Männern schon.
© Prostock-Studio/iStockphoto

Die hochaktive antiretrovirale Therapie (HAART) hat HIV grundlegend verändert: Aus einer oft tödlichen Erkrankung ist damit eine chronische, handhabbare Infektion geworden. Eine Analyse aus den USA zeigt nun Hinweise darauf, dass dieser medizinische Fortschritt mit steigenden Syphilis-Zahlen einhergehen könnte.

Analyse auf Basis von US-Gesundheitsdaten

Das Forschungsteam wertete Daten der US-Gesundheitsbehörde CDC sowie Informationen von Pharmaunternehmen aus. Im Fokus stand der Zeitraum von 1996 bis 2008 – also die Jahre nach Einführung der modernen HIV-Therapie.

Ohne HAART: 81 Prozent weniger Syphilis-Fälle

Dabei stellte das Forschungsteam fest: Wo vor HAART die AIDS-Zahlen höher waren, sind seit HAART die Syphilis-Neuerkrankungsraten höher. Auf den Zeitraum von 1996 bis 2008 bezogen ergibt die Berechnung: Ohne HAART, eine lebensrettende Therapie, wäre es so zu mehr als vier von fünf Syphilis-Erkrankungen (81 Prozent) nicht gekommen.

Diesen Grund vermutet das Forschungsteam

Das Forschungsteam vermutet: Mit HAART scheint die Furcht vor HIV gesunken zu sein. Auf dieser Grundlage haben wohl viele Menschen begonnen, ihr Sexualleben risikoreicher zu gestalten – mit der Folge von steigenden Syphilis-Zahlen bei Männern. Bei Frauen sind die Syphilis-Raten tendenziell weiterhin gesunken. 

Einschränkung berücksichtigen!

Allerdings ist dabei zu beachten: Die Datenanalyse kann keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen. Auch sind Zwischenschritte denkbar. Das Team weist in der Studie auch darauf hin, dass mit mehr HIV-Überlebenden in bestimmten Regionen mehr sexuell aktive Personen schlicht vorhanden waren. Auch das kann einen Einfluss auf den Zusammenhang in den Daten haben.

60-Jahres-Hoch bei Syphilis erreicht

Studienautor Dr. David Beheshti von der University of Texas betont in einer Mitteilung zur Studie: „Mit dem 60-Jahres-Hoch bei Syphilis bieten diese Erkenntnisse Einblick dahingehend, wie lebensrettende Innovationen das Verhalten der Bevölkerung ändern können. Sie heben auch den Bedarf an komplementären Strategien der öffentlichen Gesundheit hervor.“

Quelle: DOI 10.1002/hec.70100 

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