Gesellschaft

Anne-Sophie Mutter: "Ich bin mit Begeisterung gesund"

Apotheker Rüdiger Freund  |  01.02.2024

Als Violinistin ist Anne-Sophie Mutter seit fast 50 Jahren weltweit gefragt. Daneben hat das Thema Prävention von Erkrankungen bei ihr sowohl privat als auch in der Öffentlichkeit einen besonders hohen Stellenwert.

Anne-Sophie Mutter, Violinistin
Als Violinistin ist Anne-Sophie Mutter seit fast 50 Jahren weltweit gefragt. Daneben engagiert sie sich ehrenamtlich als Präsidentin der Deutschen Krebshilfe.
© Deutsche Krebshilfe

Gehen Sie ab und zu in die Apotheke?

Anne-Sophie Mutter: Ja, das tue ich. Zum Glück jedoch seltener als Patientin, sondern eher für vorbeugende Produkte. Ich bin ein Mensch, der ein besonderes Augenmerk auf Prävention und Vorsorge legt. Dies ist mir auch in meiner Funktion als Präsidentin der Deutschen Krebshilfe sehr wichtig.

Wie kamen Sie als Künstlerin zu diesem Amt?

Anne-Sophie Mutter: Das Thema liegt mir sehr am Herzen, da die Krankheit in meinem Leben immer wieder eine große Rolle gespielt hat, so wie es leider bei vielen Bürgerinnen und Bürgern auch der Fall ist. Ich weiß, wie man sich fühlt, wenn man zu einer Früherkennungsuntersuchung geht und meint, Anlass zur allergrößten Sorge zu haben. Ich weiß auch, was es bedeutet, einen geliebten Angehörigen oder Freund zu verlieren. Dank der Deutschen Krebshilfe hat sich die Versorgung von Krebspatientinnen und -patienten in den letzten 50 Jahren deutlich verbessert. Aber es gibt weiterhin viel zu tun. Daher engagiere ich mich für diese besondere Organisation, die dank der großzügigen Spenden aus der Bevölkerung so viele wichtige Projekte auf den Weg bringen kann.

Gibt es für Sie dabei eine Art Herzensprojekt?

Anne-Sophie Mutter: Alle Projekte und Initiativen der Deutschen Krebshilfe sind wichtig. Alle haben das Ziel, die Versorgung krebskranker Menschen weiter zu verbessern. Aber es gibt Handlungsfelder, die mir auch persönlich sehr am Herzen liegen. In der Prävention und Früherkennung liegen große Potenziale für die Krebsbekämpfung. Wir führen zum Beispiel regelmäßig Informationskampagnen zur Prävention durch und sensibilisieren Bürgerinnen und Bürger für dieses wichtige Thema. Auch die Früherkennung spielt eine wichtige Rolle, denn je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen.

Auch das Thema Arzt-Patienten-Kommunikation ist mir und der Deutschen Krebshilfe ein großes Anliegen. Ich habe wahrgenommen, dass hier noch einiges im Argen liegt. Wir sind der festen Überzeugung, dass emotionale Intelligenz, die Fähigkeit zu kommunizieren und den Patienten empathisch zu leiten bereits in die Ausbildung von jungen Medizinern integriert werden muss. Die Deutsche Krebshilfe wird sich diesem Thema in den nächsten Jahren verstärkt widmen.

Sie haben sich schon immer viel für andere Menschen engagiert. Kommt diese Art von Empathie Ihnen auch als Musikerin zugute?

Anne-Sophie Mutter: Ich glaube, es ist umgekehrt: Viele von uns werden Musiker, weil sie gerne etwas teilen und gemeinsam mit anderen tun. Die Empathie ist also bereits da. Es ist ein wunderbares Gefühl, in einem Raum zu sitzen, Musik gemeinsam zu erleben und auch zu spüren, dass man ganz nah am anderen ist, auch wenn man ihn vielleicht gar nicht kennt, zu erleben, dass Musik ein Bindeglied in der Gesellschaft ist, das hilft, vieles zu überwinden. Darin liegt für mich der Zauber des Musizierens und des Musikhörens: Dass man bei aller Individualität diese Gemeinsamkeit entdeckt und feiert.

Warum hat es die klassische Musik bei jungen Leuten oft schwer? Viele spielen ein Instrument, hören aber zu Hause lieber Popmusik.

Anne-Sophie Mutter: Ich glaube, das große Problem nicht nur der klassischen Musik ist das Umfeld, in dem unsere Kinder heute groß werden. Da ist vieles verlorengegangen, zum Beispiel gibt es das Handwerk kaum noch. In meiner Kindheit in der Grundschule hatten wir das Fach Werken. Wir haben da gesägt, getöpfert, gemalt, also Dinge hergestellt. Das hat auch Berufsperspektiven eröffnet, von denen viele Kinder heute gar nichts mehr wissen. Um Dinge zu begreifen, muss ich sie anfassen, muss sie erfassen. Studieren allein reicht da nicht. Darüber hinaus findet Musik in vielen Schulen, falls überhaupt, nur noch im Mindestmaß statt. Kein Wunder, dass sie ins Hintertreffen gerät, denn was ich nicht kenne, vermisse ich nicht. Ich finde das grob fahrlässig.

Viele Musiker berichten von aufwändigen Fitnessprogrammen vor ihren Tourneen. Wie bereiten Sie sich auf die Bühne vor?

Anne-Sophie Mutter: Ab meinem 40. Lebensjahr habe ich mit Herz-Kreislauf-Training angefangen, also Laufen oder Crosstrainer. Ich bin schon immer wahnsinnig gerne in den Bergen herumgekraxelt. Daneben trainiere ich mit Gewichten, sehr zielorientiert, mit Personal Trainer. Dass man als Geiger den rechten Arm ständig waagerecht hält, beansprucht Oberkörper und Muskulatur extrem. Auch hier ist Prävention der Schlüssel. Und dadurch bin ich ein Mensch, der mit großer Begeisterung die meiste Zeit gesund ist.

Achten Sie zusätzlich auf Ihre Ernährung?

Anne-Sophie Mutter: Gesunde Ernährung hat einen großen Einfluss auf meine Fitness. Ich esse schon lange kein Fleisch mehr, aber ich liebe Kaffee. Ich muss gestehen, dass ich geradezu süchtig danach bin. Während Tourneen verzichte ich jedoch komplett darauf und auch auf Zucker. Ich bin so schon viel zu energiegeladen. Wenn ich mir an einem Konzerttag zusätzlich noch etwas Zuckerhaltiges genehmigen würde, dann wären meine Tempi noch schneller. Das kann ich niemandem zumuten.

Sie sagten einmal, dass Sie sehr rastlos sind und schlecht schlafen. Gibt es etwas, was Ihnen dagegen hilft?

Anne-Sophie Mutter: Zitronenmelissen-Tee gemischt mit Lavendel ist auf jeden Fall nicht verkehrt. Noch besser hilft mir, abends zu meditieren und dadurch das Gedankenkarussell anzuhalten. Aber wie bei anderen Musikern stören bei mir oft Zeitverschiebungen durch Reisen den Schlafrhythmus. Da nützt dann auch kein Tee mehr, wenn ich von Asien zurückkomme, gleich wieder nach Amerika fliege und anschließend nach Australien. Ansonsten bin ich ein großer Freund von Tees, überhaupt von Heilpflanzen, von Bädern, von Akupressur, Massagen oder Yoga. Man kann sehr viel tun, das jetzt nicht unbedingt schulmedizinisch ist, um den Körper zurück ins Lot zu bringen.

Mit welchen musikalischen Projekten werden Sie sich in Zukunft befassen? Vielleicht ein Crossover zur Popmusik?

Anne-Sophie Mutter: Was mich seit einiger Zeit sehr beschäftigt, sind Komponistinnen aus dem Iran. Dieses Projekt werde ich mit großer Leidenschaft langfristig unterstützen. Zuvorderst aus humanistischen Überlegungen und auch, um ein Zeichen dafür zu setzen, dass der Iran immer eine Wiege der Kultur war und dass man dieser Diktatur entgegentreten muss. Da sind diese Komponistinnen einfach wunderbare Vertreterinnen und Sprachrohre. Denen gilt dann meine ganze Aufmerksamkeit. Und somit ist ein Crossover mit der Popmusik erst mal nicht auf meiner Agenda. Ich habe Wichtigeres zu tun – meiner Meinung nach Wichtigeres wohlgemerkt. Entscheidend ist, dass man das tut, woran man glaubt. Wenn man das noch mit etwas verbinden kann, das für andere von Bedeutung ist, dann umso besser.

Vielen Dank für das Gespräch.

Die Fragen stellte Rüdiger Freund.

 

Anne-Sophie Mutter feierte kürzlich ihren 60. Geburtstag und gibt weiterhin Gastspiele in aller Welt. Demnächst in Los Angeles, aber auch bei den Mozart- Festwochen in Salzburg. Dort tritt sie zusammen mit den Wiener Philharmonikern und Stipendiaten ihrer Stiftung auf, die junge Talente fördert.

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