Die geplante Lockerung des Arbeitszeitgesetzes sorgt für Kritik. Expertinnen warnen vor Überlastung, Stress und gesundheitlichen Risiken.

Die Bundesregierung will das Arbeitszeitgesetz reformieren. Künftig soll die Höchstarbeitszeit nicht mehr pro Tag, sondern pro Woche gelten. Arbeitgeberverbände begrüßen den Vorschlag als „Modernisierung“, die mehr Spielraum und Selbstbestimmung ermögliche.
Doch eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung zeigt: Schon heute erlaubt das Gesetz erhebliche Flexibilität – Arbeitgebende können die tägliche Arbeitszeit auf bis zu zehn Stunden verlängern, solange innerhalb von sechs Monaten ein Ausgleich erfolgt.
Was die geplante Reform zulassen würde, geht weit darüber hinaus: Nach Abzug der vorgeschriebenen Ruhezeiten könnten Arbeitstage von über zwölf Stunden entstehen. Aus arbeitsmedizinischer Sicht gilt das als hochriskant: Das Unfallrisiko steigt nach der achten Arbeitsstunde exponentiell, nach zwölf Stunden ist es doppelt so hoch wie bei einem Achtstundentag. Lange Arbeitstage erhöhen das Risiko für Stress, Schlafmangel und psychische Belastungen.
Eine derart weitgehende Deregulierung, warnt Dr. Amélie Sutterer-Kipping vom Hugo-Sinzheimer-Institut der Hans-Böckler-Stiftung, „würde die gesundheitlichen und sozialen Probleme in der Erwerbsbevölkerung verschärfen, statt sie zu lösen“.
Laut einer Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Böckler-Stiftung befürchten fast drei Viertel der Beschäftigten negative Folgen für ihre Erholung, Gesundheit und Familie, falls künftig Arbeitstage von über zehn Stunden erlaubt würden. Besonders Frauen äußern diese Sorge, da sie zusätzlich zur Erwerbsarbeit mehr unbezahlte Sorgearbeit leisten.
Schon jetzt arbeiten rund 12 Prozent aller Beschäftigten regelmäßig länger als zehn Stunden, fast 40 Prozent setzen ihre Arbeit am Abend fort – oft, weil sie tagsüber wegen familiärer Verpflichtungen pausieren müssen.
Für die Gleichstellung der Geschlechter wäre die Reform ein Rückschritt. „Frauen leisten im Schnitt acht Stunden mehr unbezahlte Arbeit pro Woche als Männer“, erklärt Dr. Yvonne Lott vom WSI.
Wenn Arbeitstage noch länger und unplanbarer werden, bleibt weniger Zeit für Familie, Erholung und Weiterbildung. Das erschwert beruflichen Aufstieg – besonders für Mütter.
Problematisch ist zudem, dass Überstunden steuerlich begünstigt werden sollen. Laut Lott würde diese Regelung „alte Rollenbilder verfestigen und die Gleichstellung zurückwerfen“. Wenn der vollzeitbeschäftigte Partner noch länger arbeitet, sinkt die Chance, dass Frauen ihre Arbeitszeit ausweiten können.
Hinzu kommt: Kinderbetreuung bleibt vielerorts ein Engpass. Rund 60 Prozent der Eltern berichten laut Böckler-Daten von verkürzten Öffnungszeiten oder zeitweisen Schließungen von Kitas. Jede dritte Mutter musste deshalb ihre Arbeitszeit reduzieren.
Befürworter der Reform behaupten, in Deutschland werde zu wenig gearbeitet.
Doch die Zahlen zeigen ein anderes Bild:
Dass die durchschnittliche Jahresarbeitszeit pro Kopf niedriger ist als in manchen anderen Ländern, liegt vor allem an der hohen Teilzeitquote. Fast jede zweite erwerbstätige Frau arbeitet in Teilzeit, oft unfreiwillig.
Auch die Lebensarbeitszeit ist mit durchschnittlich 40 Jahren deutlich länger als im EU-Mittel von 37,2 Jahren. Wer also fordert, die Deutschen müssten mehr arbeiten, um die Wirtschaft anzukurbeln, ignoriert diese Fakten.
Anstatt Schutzstandards zu lockern, schlagen Forschende der Hans-Böckler-Stiftung alternative Wege vor:
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Im Fokus diesmal: Wie lange man vor der Blutabnahme nüchtern bleiben muss, der Effekt von Bewegung…
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