Diabetikern wird empfohlen, regelmäßig an Schulungen teilzunehmen.

Eines liegt auf der Hand: "In einer Schulung bekommt man kompakt und verständlich das vermittelt, was man über den Diabetes wissen sollte", betont Dr. Berthold Maier im Gespräch mit der Neuen Apotheken Illustrierten: "Eine Schulung hilft, in Zukunft allein Therapieentscheidungen zu fällen – das wird hier trainiert. Denn nur etwa in vier der über 8 700 Stunden im Jahr kann hierbei der Arzt unterstützen." Auch ganz praktische Dinge zu Ernährung und Bewegung stehen auf dem Stundenplan. "Alles in allem erfährt der Patient, wie es sich mit Diabetes gut leben lässt", betont Maier.
Niemand muss hier Dinge auswendig lernen oder gar eine Prüfung ablegen. Es geht darum, fit für den Alltag mit Diabetes zu werden. Neu Gelerntes wird eingeübt oder an praktischen Beispielen besprochen. Die Teilnehmer dürfen auch eigene Fragen mitbringen, sich austauschen oder ihr Anliegen mit der Diabetesberaterin klären.
Nein. Für Neulinge ist eine Erstschulung zwar besonders wichtig, aber auch im Verlauf der Erkrankung kann eine Schulung hilfreich sein. "Das ist beispielsweise bei einem Therapiewechsel der Fall, etwa bei der Umstellung von Medikamenten auf Insulin", so Maier. Außerdem bezahlen laut dem Experten mittlerweile viele Krankenkassen Auffrischungskurse. "Das hilft oft, sich wieder besser zu motivieren", weiß Maier. »Patienten kommen mit der Krankheit viel besser zurecht, wenn sie regelmäßig dazulernen, und sich auch mit anderen austauschen können."
Ja. Es gibt zahlreiche anerkannte Schulungsprogramme, die sich immer nach den speziellen Bedürfnissen der Patienten richten. Zunächst wird unterteilt, ob es sich um Typ-1- oder Typ-2-Diabetes handelt und ob die Behandlung beim Typ 2 mit Insulin erfolgt oder nicht. Auch abhängig von der Art des Insulins gibt es unterschiedliche Angebote. Manche Praxen bieten neben Gruppen- auch Einzelschulungen an. Schulungen, die helfen, Unterzucker besser wahrzunehmen oder mit diabetischem Fußsyndrom umzugehen, können Betroffene ebenfalls gezielt unterstützen. Sprechen Sie Ihren Hausarzt oder Diabetologen an. Sie bieten selbst Schulungen an oder kennen entsprechende Angebote in Ihrer Nähe. "Zukünftig", so Maier, "kommen sicher mehr digitale Angebote hinzu, wie Online-
Coachings zu verschiedenen Themengebieten."
Eine Grundlagenschulung – sei es für Typ-1- oder für Typ-2-Diabetes – dauert in etwa zwölf Kursstunden à 90 Minuten. Bei Nachschulungen oder solchen, die nur einzelne Themengebiete behandeln, kann man mit etwa drei bis fünf Kursstunden rechnen.
"Ich empfehle Schulungen, die den Patienten ausreichend Zeit geben – auch zwischen den Kursstunden«, betont Maier. "Also lieber Programme, die einmal in der Woche stattfinden als kompakte Wochenendkurse." So könne das Gelernte ausprobiert und anschließend besprochen werden. Generell zeichnet eine gute Schulung aus, dass sie sich am Alltag der Kursteilnehmer orientiert und nicht nur ein festes Programm abspult. Laut Maier gehört es auch dazu, mit dem Patienten Ziele zu setzen, die gegen Ende kontrolliert und gegebenenfalls neu definiert werden. "Das fällt übrigens deutlich leichter, wenn die Schulung nicht durch mehrere, sondern nur eine qualifizierte Diabetesberatung geleitet und begleitet wird."
Die Kosten für eine Schulung tragen in der Regel die Krankenkassen. Sie bieten sogenannte Disease-Management-Programme an, in die man sich als Diabetiker einschreiben kann. Im Zweifel können Patienten beim Arzt oder bei der Krankenkasse direkt nachfragen.
Katrin Faßnacht-Lee
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