2022 sind in Deutschland mindestens 355 Menschen ertrunken. Auch aktuell schnellt die Zahl der Badeunfälle wieder nach oben. Umso wichtiger ist es, dass jeder weiß, wie Betroffene behandelt werden müssen, damit die Überlebenschancen so hoch wie möglich sind. Ein Experte erklärt, worauf es bei der Ersten Hilfe ankommt.

Immer wieder kommt es im Sommer zu Badeunfällen, bei denen Personen bewusstlos aus dem Wasser gezogen werden. Worauf kommt es jetzt an? „In jedem Fall prüft man zunächst, ob der Patient oder die Patientin bei Bewusstsein ist und, sollte dies nicht der Fall sein, ob er oder sie atmet“, erklärt Dr. Jan Wnent, Notarzt und Mitglied im Wissenschaftlichen Arbeitskreis Notfallmedizin der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin e.V. (DGAI). Dazu drehe man die Person auf den Rücken und überstreckt ihren Kopf, in dem man ihn leicht in den Nacken legt. „Dann beugt man sich mit dem eigenen Gesicht nahe an ihr Gesicht und blickt dabei selbst in Richtung ihrer Füße. So kann man zum einen hören, ob der Verunglückte atmet, zum anderen erkennen, ob sich der Brustkorb hebt und senkt“, erklärt der Notfallmediziner. Atme der Patient normal, ist die stabile Seitenlage die richtige Position.
Nicht normal sei hingegen eine ganz flache, oberflächliche und unregelmäßige Atmung. Ist die Person gleichzeitig bewusstlos, sei dies ein Zeichen für einen Herz-Kreislauf-Stillstand – in diesem Fall müsse sofort mit der Wiederbelebung gestartet werden. Dies gelte ebenso, wenn der Patient gar nicht mehr atmet. Rufen Sie zunächst den Notarzt oder bitten eine andere Person, dies zu tun und starten sie dann bis zum Eintreffen der Rettungskräfte mit der Herzdruckmassage. Wnent erklärt, worauf es dabei ankommt:
Auch eine Beatmung ist wegen des Sauerstoffmangels bei einem Badeunfall wichtig, erklärt Wnent. So geht es:
Jeweils zwei Beatmungen wechseln sich dann immer mit 30 Herzdruckmassagen ab. Besser ist es, wenn mehrere Personen anwesend sind, damit kann sich abwechseln kann, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Bei Kindern startet die Wiederbelebung mit fünf Beatmungen. Bei kleinen Kindern reicht es, für die Herzdruckmassage nur eine Hand zu benutzen. „Die Eindrucktiefe sollte ungefähr ein Drittel des Durchmessers des Brustkorbes sein“, erklärt Wnent. Bei Kindern wechseln sich zwei Beatmungen mit 15 Herzdruckmassagen ab.
Wichtig ist, schnell zu handeln. Das größte Risiko besteht darin, nichts zu tun – eine gebrochene Rippe durch eine Herzdruckmassage ist nicht so schlimm wie keine Wiederbelebungsmaßnahme. Wer Erste Hilfe leistet, verdoppelt oder verdreifacht die Überlebenschance.
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