Bei Nervenschmerzen hilft Ibuprofen nicht: Ärzte raten stattdessen zu diesen Medikamenten

Rüdiger Freund  |  08.07.2026 11:26 Uhr

Brennen, Kribbeln oder einschießende Schmerzattacken: Wer bei Nervenschmerzen zu Ibuprofen greift, wird meist enttäuscht. Der Grund: Neuropathische Schmerzen entstehen durch geschädigte Nerven und sprechen oft nur auf andere Medikamente an. Welche Wirkstoffe Ärzte empfehlen und wann Pflaster oder Physiotherapie helfen können.

Frau im Büro hält sich den Rücken.
Bei einem Bandscheibenvorfall kann eine Nervenquetschung zu starken Schmerzen führen.
© peopleimages/iStockphoto

Wie sich Nervenschmerzen von anderen Schmerzen unterscheiden

Auf Kopf-, Gelenk- oder Zahnschmerzen reagieren viele Menschen automatisch mit Schmerzmitteln wie Ibuprofen. Doch Nervenschmerzen, auch neuropathische Schmerzen genannt, unterscheiden sich deutlich von gewöhnlichen Schmerzen. 

Anders als bei einer Verletzung oder Entzündung entsteht der Schmerz hier nicht durch einen äußeren Reiz. Ursache sind geschädigte Nerven, die Schmerzsignale an das Gehirn weiterleiten. Die Folge: Betroffene verspüren brennende, stechende oder einschießende Schmerzen, obwohl oft kein aktueller Auslöser erkennbar ist. Deshalb brauchen Betroffene häufig andere Medikamente.

Bandscheibenvorfall, Diabetes: Die häufigsten Ursachen von Nervenschmerzen

Neuropathische Schmerzen können verschiedene Ursachen haben. Häufig entstehen sie durch:

  • Diabetes mit Schädigung der Nerven (diabetische Neuropathie)
  • Gürtelrose und deren Spätfolgen (Post-Zoster-Neuralgie)
  • Bandscheibenvorfälle mit Druck auf Nervenwurzeln
  • Verletzungen oder Durchtrennungen von Nerven, etwa nach Operationen oder Unfällen
  • Amputationen, bei denen Phantomschmerzen auftreten können

Für die Behandlung ist es wichtig, die Ursache möglichst genau zu bestimmen. Kann die Grunderkrankung erfolgreich behandelt werden, bessern sich oft auch die Beschwerden.

Deswegen helfen klassische Schmerzmittel oft nicht

Viele Menschen greifen bei Schmerzen zunächst zu Medikamenten wie Ibuprofen, Diclofenac oder Paracetamol. Bei Nervenschmerzen wirken diese Mittel jedoch häufig deutlich schlechter als bei Entzündungen, Kopf- oder Gelenkschmerzen.

Der Grund: Sie greifen an anderen Stellen des Schmerzgeschehens an. Da bei neuropathischen Schmerzen die Nerven selbst verändert sind, reichen herkömmliche Schmerzmittel oft nicht aus. Deshalb empfehlen medizinische Leitlinien bei Nervenschmerzen meist andere Wirkstoffgruppen.

Diese Medikamente setzen Ärzte bei Nervenschmerzen ein

Zur Behandlung von Nervenschmerzen kommen häufig Arzneimittel zum Einsatz, die ursprünglich für andere Erkrankungen entwickelt wurden.

Antikonvulsiva beruhigen übererregte Nerven

Antikonvulsiva werden eigentlich gegen Epilepsie eingesetzt. Einige Wirkstoffe können jedoch auch die übermäßige Erregbarkeit geschädigter Nerven dämpfen.

Dazu gehören unter anderem:

Carbamazepin wird besonders bei der Trigeminusneuralgie eingesetzt, einer schmerzhaften Erkrankung eines Gesichtsnervs.

Antidepressiva wirken auch gegen Nervenschmerzen

Bestimmte Antidepressiva können die Verarbeitung von Schmerzsignalen beeinflussen. Für die Behandlung von Nervenschmerzen werden sie oft in anderen Dosierungen eingesetzt als bei Depressionen.

Zu den häufig verwendeten Wirkstoffen zählen:

Tramadol und Oxycodon: Wann Opioide infrage kommen

Manche Patienten erhalten auch opioidhaltige Schmerzmittel wie Tramadol oder Oxycodon. Sie können bei bestimmten Formen neuropathischer Schmerzen wirksam sein.

Wegen möglicher Nebenwirkungen und des Risikos einer langfristigen Abhängigkeit werden Opioide heute meist sorgfältig abgewogen und oft erst eingesetzt, wenn andere Behandlungen nicht ausreichend helfen. Häufige Nebenwirkungen sind Verstopfung, Müdigkeit und Schwindel.

Lidocain und Capsaicin: Für wen Pflaster geeignet sind

Bei manchen Formen von Nervenschmerzen können Wirkstoffe direkt auf die schmerzende Hautstelle aufgetragen werden. Dazu gehören beispielsweise Lidocain-Pflaster oder hoch dosierte Capsaicin-Pflaster. Sie kommen vor allem bei örtlich begrenzten Beschwerden zum Einsatz, etwa nach einer Gürtelrose. Ob diese Behandlung geeignet ist, hängt von Ursache und Ausprägung der Schmerzen ab.

Physiotherapie, TENS und Bewegung: Was zusätzlich helfen kann

Medikamente sind oft nur ein Teil der Therapie. Je nach Ursache und Beschwerden können weitere Maßnahmen sinnvoll sein. Dazu gehören beispielsweise:

  • Entspannungsverfahren
  • Physiotherapie
  • Bewegungstherapie
  • TENS (Transkutane Elektrische Nervenstimulation)

Bei der TENS-Behandlung werden schwache elektrische Impulse über Elektroden auf die Haut übertragen. Ziel ist es, die Schmerzverarbeitung zu beeinflussen.

Wann sollte man mit Nervenschmerzen zum Arzt?

Nervenschmerzen sollten ärztlich abgeklärt werden, wenn sie neu auftreten, länger anhalten oder den Alltag deutlich beeinträchtigen. Typische Hinweise sind:

  • Brennen oder Kribbeln
  • Stromschlagartige Schmerzattacken
  • Taubheitsgefühle
  • Überempfindlichkeit bei Berührungen

Eine frühe Diagnose kann helfen, die Ursache zu erkennen und eine passende Behandlung einzuleiten.

WhatsApp Kanal Banner
Medikamente ohne Zuzahlung

Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.

Arzneimitteldatenbank

Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.

Podcast
Podcast-Logo "aponet in 3 Minuten"
Podcast
Gesundheitspolitik

Im Fokus diesmal: Vitaminpräparate für Kinder, Mikrobiom-Selbsttests und neue Aufgaben für…

Krankheiten von A - Z

In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern

nach oben