Bluthochdruck: Was tägliche Achtsamkeitsübungen bewirken können

Hanke Huber  |  16.09.2026 10:43 Uhr

Tägliche Achtsamkeits- und Dankbarkeitsübungen könnten sich günstig auf Blutdruck und Entzündungswerte auswirken. Ein Review von 18 kontrollierten Studien deutet darauf hin, dass vor allem Programme über acht bis zwölf Wochen messbare Effekte erzielen. Eine medizinische Behandlung ersetzen sie jedoch nicht.

ältere Frau schreibt in ein Buch
Das regelmäßige Führen eines Dankbarkeitstagebuchs gehörte zu den untersuchten Übungen der positiven Psychologie.
© Deagreez/iStockphoto

Achtsamkeit, Dankbarkeitsübungen oder Optimismus-Training könnten sich auch auf messbare Faktoren der Herz-Kreislauf-Gesundheit auswirken. Darauf weist ein aktueller wissenschaftlicher Review hin. In mehreren Untersuchungen verbesserten sich Blutdruck, Entzündungswerte oder andere Risikofaktoren innerhalb weniger Wochen. Besonders auffällig war das Ergebnis eines zwölfwöchigen digitalen Programms mit spirituellen Elementen: Dabei sank der systolische Blutdruck am Oberarm um 7,6 mmHg, der zentrale systolische Blutdruck um 4,1 mmHg. 

Achtsamkeit, Dankbarkeit, Optimismus: Das wurde untersucht

Für den Review werteten Forscher um Prof. Rosalba Hernandez von der University of Illinois Urbana-Champaign die bisherige Forschung zu Achtsamkeit und positiver Psychologie im Hinblick auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit aus.

Ein Schwerpunkt lag auf 18 randomisierten kontrollierten Studien. Die Programme liefen meist sechs bis zwölf Wochen und umfassten unter anderem Achtsamkeitsübungen, Dankbarkeitstagebücher und Optimismus-Training. Die Teilnehmer waren häufig zwischen Ende 50 und Mitte 60 und hatten zum Teil bereits ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, etwa durch schlecht eingestellten Bluthochdruck oder Herzinsuffizienz.

In der Studie sank der Blutdruck um 7,6 mmHg

Bei Menschen mit Bluthochdruck oder nach einem akuten Koronarsyndrom gingen achtwöchige achtsamkeitsbasierte Programme mit einem niedrigeren systolischen Blutdruck und günstigeren Entzündungswerten einher. Dazu gehörten das hochsensitive C-reaktive Protein und Fibrinogen.

Eine besonders große Veränderung zeigte sich in dem zwölfwöchigen digitalen Programm: Der systolische Oberarm-Blutdruck sank dort um 7,6 mmHg und der zentrale systolische Blutdruck um 4,1 mmHg.

Wie stark solche Programme wirken, lässt sich aus den bisherigen Untersuchungen jedoch nicht allgemein ableiten. Teilnehmer, Inhalte und Dauer der Interventionen unterschieden sich zum Teil erheblich.

Tägliches Üben war am wirksamsten

Eine Gemeinsamkeit fiel den Forschern dennoch auf: „Am zuverlässigsten verbesserten sich Blutdruck, Entzündungswerte und Endothelfunktion, wenn die Teilnehmer acht bis zwölf Wochen lang täglich übten und zusätzlich einmal pro Woche begleitet wurden“, sagt Hernandez.

Der Review beschäftigt sich deshalb ausdrücklich mit der Frage, wie häufig und wie lange Übungen aus der positiven Psychologie durchgeführt werden müssten, damit gesundheitliche Veränderungen auftreten und möglichst bestehen bleiben. 

Mehr Bewegung und gesündere Ernährung könnten mitwirken

Die gemessenen Veränderungen lassen sich allerdings möglicherweise nicht allein auf Achtsamkeits- oder Dankbarkeitsübungen zurückführen. In einigen Studien änderten die Teilnehmer gleichzeitig ihr Verhalten. Sie bewegten sich beispielsweise mehr oder ernährten sich gesünder. Solche Veränderungen könnten ebenfalls dazu beigetragen haben, dass sich Herz-Kreislauf-Risikofaktoren verbesserten.

Achtsamkeit ersetzt keine Blutdruck-Behandlung

Unklar bleibt außerdem, wie lange die beobachteten Veränderungen anhalten. Die Autoren des Reviews sehen weiterhin Forschungsbedarf, unter anderem zur optimalen Dauer und Häufigkeit der Programme sowie zu langfristigen gesundheitlichen Effekten.

Achtsamkeits-, Dankbarkeits- oder Optimismusübungen lassen sich daher derzeit als möglicher ergänzender Ansatz betrachten. Aus den bisherigen Studien lässt sich nicht ableiten, dass sie Blutdruckmedikamente oder andere medizinische Behandlungen ersetzen können.

Quelle: DOI: 10.1016/j.ccl.2025.12.001

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