Schwangerschaft: Warum „alkoholfrei“ riskant sein kann

Natascha Schleif  |  16.09.2026 11:04 Uhr

In der Schwangerschaft sollte auf Alkohol verzichtet werden. Was jedoch viele nicht wissen: Als "alkoholfrei" deklarierte Getränke können bis zu 0,5 Volumenprozent Restalkohol enthalten. Für Schwangere ist deshalb ein genauer Blick auf die Kennzeichnung wichtig.

Schwangere Frau, betrachtet eine Flasche Wein.
0,0 Prozent Alkohol: Diese Angabe ist wichtig, wenn vollständig auf Alkohol verzichtet werden soll.
© GlobalStock/iStockphoto

„Alkoholfrei“ kann bis zu 0,5 Prozent Alkohol bedeuten

In Deutschland dürfen Bier, Wein und Sekt als „alkoholfrei“ bezeichnet werden, auch wenn sie bis zu 0,5 Volumenprozent Restalkohol enthalten. „Alkoholfrei“ bedeutet also nicht automatisch „ohne Alkohol“. Das ist gerade in der Schwangerschaft entscheidend, denn schon geringe Mengen Alkohol können dem ungeborenen Baby schaden. Darauf weist der Berufsverband der Frauenärztinnen und Frauenärzte (BVF) hin. „Aus wissenschaftlicher Sicht gibt es keinen Grenzwert für unbedenklichen Alkoholkonsum. Zum Schutz des ungeborenen Kindes sollten Schwangere keinen Alkohol zu sich nehmen. Das gilt für Alkohol in jeder Form, in jeder Dosierung und zu jeder Zeit der Schwangerschaft", erklärt Frauenärztin und Perinatologin Priv.-Doz. Dr. med. Manuela Tavares de Sousa, Expertin für Perinatalmedizin beim BVF.

Der Verband rät Schwangeren daher, beim Einkauf genau auf die Kennzeichnung zu achten. Wer sicher sein möchte, sollte Produkte mit ausdrücklich ausgewiesenen 0,0 Prozent Alkohol wählen. Bei unklarer Kennzeichnung kann es sinnvoll sein, im Restaurant oder beim Hersteller bzw. Erzeuger nachzufragen.

Welche Folgen kann Alkohol für das ungeborene Kind haben?

Alkohol gelangt über die Plazenta zum ungeborenen Kind. Dessen Leber ist noch nicht vollständig entwickelt und kann Alkohol nicht so abbauen wie die Leber eines Erwachsenen. Nach Angaben des BVF kann Alkohol dadurch die Entwicklung von Gehirn, Organen und Nervensystem beeinträchtigen. Das kann zu Lern- und Konzentrationsproblemen, Verhaltensauffälligkeiten sowie körperlichen und geistigen Beeinträchtigungen beim ungeborenen Kind führen. Auch ein erhöhtes Risiko für Fehl- oder Frühgeburten, Herzfehler, Nierenanomalien, Wachstumsstörungen und Entwicklungsverzögerungen sind möglich. Das fetale Alkoholsyndrom (FAS) gilt als schwerste Ausprägung der unter FASD zusammengefassten Schädigungen. Die möglichen Folgen können das betroffene Kind ein Leben lang begleiten.

Entscheidend ist: Für Alkohol in der Schwangerschaft lässt sich keine Menge angeben, die als sicher oder risikofrei gilt. Auch für eine bestimmte Phase der Schwangerschaft gibt es laut den offiziellen Leitlinien keinen unbedenklichen Zeitraum.

Das sollten Schwangere wissen

  • „Alkoholfrei“ heißt nicht zwingend 0,0 Prozent Alkohol.
  • Produkte können bis zu 0,5 ProzentRestalkohol enthalten. Auf dem Etikett kann ein Hinweis wie „<0,5 % vol.“ stehen - muss aber nicht.
  • Wer vollständig auf Alkohol verzichten möchte, wählt Produkte mit 0,0 Prozent. Dies ist auf dem Etikett angegeben.
  • Bei nicht eindeutig gekennzeichneten Getränken und Lebensmitteln gilt: lieber nachfragen oder darauf verzichten.

Quelle: S3-Leitlinie Fetale Alkoholspektrumstörungen (FASD) bei Kindern und Jugendlichen – Diagnostik & Intervention

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