Brandwunden: Was sind Verbrennungen Grad 1 bis 4 – was ist zu tun?

pta-ForumElisabeth Kerler  |  30.03.2026 14:18 Uhr

Erste Hilfe bei Brandwunden: Ein Dermatologe erklärt, was je nach Schweregrad der Verbrennung und betroffener Hautfläche zu tun ist.

Eine ältere Frau nimmt mithilfe eines Hitzeschutzes ein heißes Blech mit gebackenen Keksen aus einem Ofen. Ein Mädchen hält die Ofentür offen - ihre nackten Unterarme kommen dabei dem Blech gefährlich nahe.
Vorsicht mit dem heißen Blech: So kann es leicht zu Verbrennungen kommen, die zu Blasen führen.
© Ridofranz/iStockphoto

Eine Brandwunde ist schnell passiert – etwa durch Feuer, heiße Gegenstände, Chemikalien, Strom oder Sonneneinstrahlung. Dabei kann die Haut Hitze bis etwa 50°C kurzfristig kompensieren. Wird es heißer, nimmt das Gewebe Schaden. Mit zunehmender Temperatur und Einwirkungsdauer der Hitze werden die Gewebeschäden stärker und betreffen immer tiefere Hautschichten. Was ist dann zu tun? 

Verbrennungen 1. Grades: Nur Epidermis ist betroffen

Kleine, oberflächliche Verbrennungen kommen am häufigsten vor – und kann jeder selbst versorgen, so berichtet Dr. Christoph Liebich, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten und Mitglied des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen (BVDD). Diese Verbrennungen ersten Grades betreffen allein die oberste Hautschicht, die Epidermis, und entstehen beispielsweise durch übermäßiges Sonnenbaden. Die Haut schmerzt, ist druckempfindlich und gerötet. In den meisten Fällen heilen leichte Verbrennungen oder Verbrennungen ersten Grades von selbst ab und hinterlassen keine Narben auf der Hautoberfläche. Was ist dann zu tun?

  • Vorsichtig kühlen mit lauwarmem Wasser, das ohne Druck fließt: „Das Wasser sollte nicht kalt oder gar eiskalt sein, um Gewebe und Haut nicht zusätzlich zu reizen,“ so Liebich
  • Wund- und Heilsalben können unterstützen
  • Bei schwierigen Stellen, etwa dem Gesicht, zu einem weichen, mit lauwarmem Wasser getränkten Tuch greifen
  • Ist die Brandwunde größer, schmerzt stark oder betrifft Gelenke oder Genitalien, sollte eine Arztpraxis aufgesucht werden
  • Großflächige Verbrennung: Rettungsdienst alarmieren. Warum?

Vorsicht: Großflächige Verbrennungen können langzeitige Folgen haben

Großflächige Verbrennungen machen nicht nur weitere Behandlungen nötig, sondern können auch zu Kreislaufproblemen führen, zu einem Schock, zu Entzündungsreaktionen oder sogar zu Organversagen. Lebensbedrohlich wird es, wenn bei Kindern 5 bis 10 Prozent und bei Erwachsenen mehr als 15 Prozent der Körperoberfläche betroffen sind. Zur Orientierung: Eine Handfläche mit Fingern entspricht etwa 1 Prozent der Körperoberfläche.

Verbrennungen 2. Grades: Brandblasen – Epidermis und Dermis betroffen

Verbrennungen zweiten Grades reichen bis auf die direkt unter der Epidermis liegende innere Hautschicht, die Dermis, und sind äußerst schmerzhaft. In vielen Fällen bilden sich Brandblasen. Ist der Wundgrund einer Brandblase noch rosig, heilt er in der Regel von allein. Ist er dagegen weiß, zeigt das, dass an der betroffenen Stelle kein Blut mehr fließt, das Gewebe ist abgestorben – dann werden nach der Wundheilung vermutlich Narben zutage treten, eventuell muss das abgestorbene Gewebe operativ entfernt werden.

Großflächige Verbrennungen ab Grad 2: Kein lauwarmes oder kaltes Wasser und Fälle für den Arzt

Bei großflächigen Verletzungen ab Grad II sollte man deshalb auch auf keinen Fall lauwarmes oder gar kaltes Wasser über die Wunde laufen lassen, denn hier besteht die Gefahr einer Auskühlung. Wenn möglich, sollten aber eventuell vorhandener Schmuck und Kleidungsstücke entfernt werden, damit sie nicht als Hitzespeicher wirken und die Wunde so unnötig reizen. „Ist die Kleidung allerdings in die Haut eingebrannt, sollte sie auf keinen Fall durch Ersthelfer abgerissen werden“, warnt Liebich. „Das muss dann eine Ärztin oder ein Arzt machen.“ Diese legen dann ein steriles Brandtuch oder eine aluminiumbedampfte Kompresse auf, um zu verhindern, dass Schmutz oder andere Partikel an die offene Wunde gelangen.

Verbrennungen 3. Grades: Weißliche Gewebeschäden sichtbar

Bei Verbrennungen dritten Grades ist sowohl die Epidermis als auch die Dermis an der betroffenen Stelle zerstört. Auch die darunterliegende Hautschicht, die aus lockerem Binde- und Fettgewebe bestehende Subcutis, kann dabei verletzt sein. Zu sehen sind dann weißliche Gewebeschäden. Weil in diesem Fall meist auch darunterliegende Nervenzellen zerstört werden, spüren Betroffene zunächst nur wenig bis gar keinen Schmerz. Verbrennungen dritten Grades werden meist durch Hauttransplantationen behandelt.

Verbrennungen 4. Grades: Große Teile der Haut völlig zerstört

Verbrennungen vierten Grades sind ein Fall für die Intensivmedizin. Sie entstehen vor allem bei Unfällen mit offenem Feuer oder Starkstrom. Hierbei werden meist große Teile der Haut vollständig zerstört. Je nach Dauer der Hitzeeinwirkung können zusätzlich Nerven, Muskulatur und Knochen beschädigt werden. 

So gehen Ärztinnen und Ärzte bei Verbrennungen vor

Kleinere Brandwunden reinigt und versorgt der Arzt meist mit einem sterilen Spezialverband und einer antibiotischen Salbe – totes Hautgewebe und aufgeplatzte Blasen werden zuvor entfernt. Eventuell muss auch der Impfschutz gegen Tetanus aufgefrischt werden. 

Hauttransplantationen im Krankenhaus

Schwere Verbrennungen erfordern meist eine intensivmedizinische Behandlung im Krankenhaus. Oft wird dann Hautgewebe von einer anderen Körperstelle auf die betroffene Wunde verpflanzt, sodass sie besser verheilen kann. Denn Hautwunden heilen von den Rändern her nach innen – das kann lange dauern und birgt ein entsprechend hohes Risiko für Infektionen. 

Goldstandard zur Behandlung von Brandwunden ist deshalb die Eigenhauttransplantation, damit die Wunde abgedeckt ist und auch von der Mitte aus heilen kann. Doch sowohl das Entnehmen der Haut als auch das Verpflanzen ist nicht ganz unproblematisch, beispielsweise kommt es häufig zu Vernarbungen.

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