Kleine Hautverletzungen bei Kindern richtig versorgen

AK Niedersachsen/NAS

Beim Toben oder Klettern ziehen sich Kinder leicht kleinere Hautverletzungen zu. Was können Eltern tun, damit die Wunden schnell abheilen, ohne sich zu entzünden? Und wann sollte man zum Arzt gehen?

Kind mit Pflastern auf den Knien.
In der Regel können kleine Wunden ganz einfach zu Hause versorgt werden.
© DmitriMaruta/iStockphoto

Schnitte, Kratzer oder Abschürfungen sind bei Kindern keine Seltenheit. Eltern sollen diese kleinen Wunden mit Wasser reinigen und anschließend mit einem Desinfektionsmittel ohne Alkohol wie Octenidin oder Chlorhexidin desinfizieren, empfiehlt die Apothekerkammer Niedersachsen. Danach wird die Wunde mit einem Pflaster oder Verband abgedeckt. Blutet die Wunde sehr stark, sehr lange oder ist sehr tief und klaffend, sollte man einen Arzt aufsuchen und abklären, ob die Verletzung genäht werden muss.

Blasen und Verbrennungen

Kleinere Verbrennungen kühlt man zunächst bis zu zehn Minuten mit handwarmem Wasser und deckt sie danach mit einem Pflaster ab. Wenn eine große Fläche betroffen ist, sollte nicht gekühlt werden, weil Unterkühlungsgefahr besteht. In diesem Fall müssen Eltern den Rettungsdienst rufen oder das Kind in ein Krankenhaus bringen. Bei Kleinkindern besteht Lebensgefahr, wenn acht Prozent der Körperoberfläche betroffen sind! Ein Prozent Hautoberfläche entspricht der Größe der Handfläche der betroffenen Person.

Blasen soll man möglichst nicht öffnen, sondern abdecken. Für beide Arten von Hautverletzungen gibt es Hydrokolloid-Pflaster, welche die Heilung durch ein optimales Wundklima fördern und nicht mit der Wunde verkleben. Sie bieten einen zuverlässigen Schutz vor Keimen, fühlen sich angenehm an und verbleiben länger auf der Haut, sodass eine unnötige Wundreizung unterbleibt. Sie sind atmungsaktiv und halten auch beim Duschen. Die Wundfeuchtigkeit von Blasen und Verbrennungen wird durch das Spezialpflaster bis zur Heilung reguliert.

Gele und Salben für die Wundpflege

Hydrokolloid-Wundgele eignen sich gut zum Auftragen auf kleine Wunden, direkt nachdem sie gereinigt wurden. In vielen Präparaten enthaltene desinfizierende Wirkstoffe schützen vor Infektionen und das Gel kühlt die Verletzung. Zusätzlich sollte die Wunde mit einem Pflaster oder Verband abgedeckt werden. Während der Abheilungsphase und zum Massieren von Narben eignen sich Dexpanthenol-haltige Salben.

Wie unterscheiden sich Pflaster?

  • Bedruckte, bunte Kinderpflaster besitzen in der Regel eine hautfreundliche Klebeschicht und sind leicht wieder abzulösen, sodass die Haut nicht unnötig gereizt wird.
  • Weiße, hautfreundliche Pflaster für Erwachsene haben ähnliche Eigenschaften und sind auch für Kinder geeignet.
  • Die klassischen meist braunen Pflaster mit einer starken Klebkraft führen eher zu Hautreizungen und sind manchmal nur unter Schmerzen und mit verbleibenden Kleberückständen auf der Haut abzulösen.
  • Pflaster zum Abschneiden in der gewünschten Größe ist vielfältig einsetzbar, aber an den offenen Schnittstellen der Wundauflage können Keime und Verunreinigungen eindringen. Für frische Wunden eignen sich daher eher Strips oder einzeln eingeschweißte, sterile Pflaster mit vollständigem Kleberand.
  • Fingerpflaster haben an einer Seite eine besonders lange Klebefläche, die man zum besseren Halt mehrmals um einen Finger wickeln kann. Für Fingerkuppen und Nagelverletzungen sind speziell geformte Pflaster erhältlich.
  • Wasserfeste Pflaster besitzen eine wasserabweisende Beschichtung.
  • Blasenpflaster sind meist innen verdickt und bieten so einen sofortigen Druckschutz.
  • Sprühpflaster bilden einen wasserabweisenden Film und sind nur für nicht infizierte Wunden geeignet.
  • Die Apotheke vor Ort berät gerne bei der richtigen Auswahl der Pflaster.

Die Grenzen der Wundversorgung zu Hause

Kopf- oder Gesichtsverletzungen und tiefe Wunden sollten von einem Kinderarzt beurteilt werden. Dabei kann man, wenn nötig, die Tetanusimpfung auffrischen lassen. Bei Tierbissen muss auch über eine vorsorgliche Antibiotika-Therapie von der Ärztin oder dem Arzt entschieden werden. Tiefe Schnitte betreffen unter Umständen nicht nur die Haut, sondern auch Sehnen oder Nerven. Auch wenn Anzeichen einer Infektion wie Schwellungen, Rötungen, großflächig werdende Schmerzen oder Eiterbildung vorliegen, ist eine ärztliche Abklärung notwendig.

Wenn eine Blutung nicht zu stillen oder man sich unsicher in der Wundversorgung ist, sollte man den Rettungsdienst rufen. Große Fremdkörper sollten vom Arzt entfernt werden.

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