Depression und Angststörung: Wie regelmäßige Bewegung helfen könnte

Wolf Löchel  |  21.08.2026 10:41 Uhr

Wie oft, wie lange oder wie intensiv? Eine Untersuchung mit mehr als 10.000 jungen Erwachsenen zeigt, was bei Bewegung für die psychische Gesundheit besonders wichtig sein könnte.

Junger Mann und junge Frau joggen
Wie häufig sich junge Erwachsene bewegen, könnte für die psychische Gesundheit besonders wichtig sein.
© PeopleImages/iStockphoto

Depressionen und Angststörungen gehören weltweit zu den häufigsten gesundheitlichen Belastungen junger Erwachsener. Besonders der Übergang ins Erwachsenenleben gilt als anfällige Phase. Ein Forschungsteam der Western Norway University of Applied Sciences ist deshalb der Frage nachgegangen, welche Rolle Bewegung für Studierende spielt.

Von Spazierengehen bis zum intensiven Sport

Für die Untersuchung werteten Forschende Daten von mehr als 10.000 Studierenden im Alter von 18 bis 35 Jahren in Norwegen aus. Diese gaben zu Beginn an, wie oft, wie intensiv und wie lange sie sich pro Woche bewegten. Als Bewegung zählten beispielsweise Spazierengehen, Skifahren, Schwimmen oder andere sportliche Aktivitäten. Die Intensität wurde separat erfasst: von leichter Bewegung, bei der man weder schwitzte noch außer Atem kam, über Bewegung, bei der man schwitzte und außer Atem kam, bis hin zu sehr anstrengender Aktivität fast bis zur Erschöpfung. Ein Jahr später folgte eine standardisierte Befragung zu Angst und Depression.

Häufigkeit wichtiger als Trainingsintensität

Wer sich zu Beginn seltener bewegte, hatte ein Jahr später häufiger eine Depression oder generalisierte Angststörung. Am deutlichsten fiel dieser Zusammenhang für die Häufigkeit der Einheiten aus: Regelmäßige Bewegung schien wichtiger zu sein als besonders lange oder sehr anstrengende Einheiten.

Bei Intensität und Dauer zeigten sich zudem Unterschiede zwischen Männern und Frauen. Bei Frauen schnitt sehr intensive Bewegung günstiger ab als leichte Bewegung, bei Männern längere Einheiten günstiger als kürzere. Diese Ergebnisse bedeuten jedoch nicht, dass leichte oder kurze Bewegung ungünstig ist. Entscheidend schien vielmehr, sich regelmäßig zu bewegen. Mit zunehmender wöchentlicher Bewegungszeit nahm die Wahrscheinlichkeit einer psychischen Erkrankung zunächst ab. Bewegungszeiten von mehr als zehn Stunden pro Woche wurden in der Auswertung nicht gesondert betrachtet. 

So viel Bewegung empfiehlt die WHO

Die Ergebnisse passen zudem zu den Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO): Danach sollten sich Erwachsene pro Woche mindestens 150 bis 300 Minuten moderat oder 75 bis 150 Minuten intensiv bewegen. Auch eine entsprechende Kombination aus beidem ist möglich.

Was die Ergebnisse offenlassen

Bei aller Deutlichkeit der Ergebnisse bleibt eine wichtige Einschränkung: Die Untersuchung beobachtet lediglich Zusammenhänge und belegt keine Ursache. Ob Bewegung die psychische Gesundheit tatsächlich schützt oder ob umgekehrt beginnende Beschwerden die Aktivität dämpfen, lässt sich daraus nicht ableiten. 

Für die Autoren ergibt sich daraus dennoch ein praktischer Auftrag. „Unsere Ergebnisse machen deutlich, wie wichtig es ist, körperliche Aktivität zu einem zugänglichen und natürlichen Teil des Studienlebens zu machen", schreiben sie.

Quelle: DOI 10.1371/journal.pone.0353787

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