Krankheitsbild
Bei dieser Erkrankung bilden sich kleine Ausstülpungen der Darmwand, sogenannte Divertikel. Sie entstehen vor allem im Dickdarm an natürlichen Schwachstellen der Darmmuskulatur. Sehr viele Menschen, insbesondere im höheren Lebensalter, haben solche Divertikel, ohne es zu bemerken. Man spricht dann von Divertikulose. Beschwerden treten erst auf, wenn die Divertikel Probleme verursachen (Divertikelkrankheit) oder sich entzünden (Divertikulitis). Die Erkrankung gehört in westlichen Ländern zu den häufigsten Darmerkrankungen.
Symptome/Verlauf
Viele Menschen mit Divertikeln bleiben beschwerdefrei. Wenn Symptome auftreten, zeigen sie sich häufig als Schmerzen im linken Unterbauch. Manche Betroffenen haben auch Blähungen sowie Veränderungen des Stuhlgangs wie Verstopfung oder Durchfall. Bei einer akuten Divertikulitis treten oft stärkere Schmerzen, Fieber und ein allgemeines Krankheitsgefühl auf. Der Verlauf kann unterschiedlich sein: Eine unkomplizierte Entzündung bleibt auf den Darmbereich begrenzt. In manchen Fällen kann sich die Entzündung jedoch ausbreiten und einen komplizierten Verlauf nehmen.
Folgen/Komplikationen
Bei einer komplizierten Divertikulitis können sich Eiteransammlungen (Abszesse) bilden oder es kann zu einem Durchbruch der Darmwand (Perforation) kommen. Dadurch kann sich das Bauchfell entzünden, was eine ernste und potenziell lebensbedrohliche Situation darstellt. Ausserdem können sich Fisteln entwickeln (unnatürliche Verbindungsgänge zu anderen Organen) oder es kann zu Verengungen des Darms kommen, die den Stuhltransport behindern.
Ursachen/Risikofaktoren
Warum Divertikel genau entstehen, ist nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich spielen ein erhöhter Druck im Darm und altersbedingte Veränderungen der Darmwand eine Rolle. Begünstigende Faktoren sind eine ballaststoffarme Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel und Rauchen. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit deutlich an.
Das kann helfen
Das macht der Arzt: Die Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung. Bei einer unkomplizierten Divertikulitis kann häufig auf eine stationäre Behandlung verzichtet werden. Wichtig sind körperliche Schonung und eine angepasste Ernährung. Schmerzmittel können eingesetzt werden. Antibiotika werden heute laut Leitlinie nicht mehr grundsätzlich bei jeder unkomplizierten Entzündung gegeben, sondern nur bei bestimmten Risikokonstellationen oder schwereren Verläufen. Bei komplizierten Verläufen - etwa bei Abszessen oder einer Perforation - ist meist eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich. In schweren Fällen oder bei wiederholten komplizierten Entzündungen kann eine Operation notwendig sein, bei der der betroffene Darmabschnitt entfernt wird.
Das kann man selbst tun: Vorbeugend kann eine ballaststoffreiche Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten helfen, den Stuhl weich zu halten und den Druck im Darm zu verringern. Ausreichendes Trinken unterstützt die Darmfunktion. Regelmässige Bewegung wirkt sich ebenfalls günstig auf die Verdauung aus. Übergewicht sollte möglichst reduziert und auf das Rauchen verzichtet werden.
Quellenangaben:
Thews, Mutschler, Vaupel, Anatomie, Physiologie und Pathophysiologie des Menschen, WVG, (2007), 5. Aufl. - Brunkhorst, Schölmerich, Differenzialdiagnostik und Differenzialtherapie, Elsevier (Urban & Fischer), (2010), 1. Auflage
Die Information liefert nur eine kurze Beschreibung des Krankheitsbildes, die keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt. Sie sollte keinesfalls eine Grundlage sein, um selbst ein Krankheitsbild zu erkennen oder zu behandeln. Sollten bei Ihnen die beschriebenen Beschwerden auftreten, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.