Wer regelmäßig hochverarbeitete Lebensmittel isst, nimmt oft mehr Zusatzstoffe auf als gedacht. Forscher haben nun untersucht, ob einzelne Konservierungsstoffe mit Herzkrankheiten zusammenhängen. Das Ergebnis: Bei mehreren häufig verwendeten E-Nummern zeigte sich ein bis zu 39 Prozent höheres Risiko für Bluthochdruck. Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen traten bei einigen Zusatzstoffen häufiger auf.
Bluthochdruck-Risiko bei hoher Aufnahme von Konservierungsstoffen
Für seine Studie wertete ein französisches Forschungsteam Daten von 112.395 Erwachsenen aus. Die Teilnehmer dokumentierten über mehrere Jahre hinweg regelmäßig, was sie aßen und tranken. Anschließend analysierten die Forscher die enthaltenen Zusatzstoffe und setzten sie mit späteren Erkrankungen in Beziehung.
Das Ergebnis: Menschen mit der höchsten Aufnahme bestimmter Konservierungsstoffe hatten im Durchschnitt ein um 29 Prozent erhöhtes Risiko für Bluthochdruck. Ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall oder Angina pectoris lag um 16 Prozent höher als bei den Teilnehmern mit der geringsten Aufnahme.
Diese acht Zusatzstoffe fielen besonders auf
Die Wissenschaftler untersuchten 17 häufig konsumierte Konservierungsstoffe einzeln. Bei acht Stoffen zeigte sich ein Zusammenhang mit einem höheren Bluthochdruck-Risiko:
- Kaliumsorbat (E202)
- Kaliummetabisulfit (E224)
- Natriumnitrit (E250)
- Ascorbinsäure (E300)
- Natriumascorbat (E301)
- Natrium-Isoascorbat (E316)
- Zitronensäure (E330)
- Rosmarinextrakte (E392)
Besonders überraschend: Auch Ascorbinsäure (E300), besser bekannt als Vitamin C, war in der Analyse mit einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden.
Was bedeuten die Ergebnisse für Verbraucher?
Die Arbeit erschien im Fachjournal "European Heart Journal". Sie zeigt allerdings lediglich statistische Zusammenhänge. Aus der Beobachtungsstudie lässt sich nicht beweisen, dass die Konservierungsstoffe tatsächlich die Ursache für Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind. Menschen mit hoher Aufnahme von Konservierungsstoffen essen häufig auch mehr hochverarbeitete Lebensmittel. Solche Ernährungsgewohnheiten können die Gesundheit ebenfalls beeinflussen.
Wo stecken die Zusatzstoffe?
Konservierungsstoffe sollen Lebensmittel länger haltbar machen oder vor Verderb schützen. Sie finden sich häufig in:
- Wurst- und Fleischwaren
- Fertiggerichten
- Backwaren
- Snacks
- Saucen und Dressings
- Softdrinks und anderen verarbeiteten Getränken
Laut den Forschern hatten innerhalb der ersten beiden Studienjahre 99,5 Prozent der Teilnehmer mindestens einen Konservierungsstoff aufgenommen.
Forscher sehen weiteren Klärungsbedarf
„Diese Ergebnisse sprechen für eine Neubewertung der Risiken und Vorteile dieser Lebensmittelzusatzstoffe durch die zuständigen Behörden“, sagt Studienleiterin Dr. Mathilde Touvier.
Die Wissenschaftler wollen nun genauer untersuchen, wie Zusatzstoffe Entzündungen, oxidativen Stress, Stoffwechselprozesse und die Darmflora beeinflussen. Solche Mechanismen könnten erklären, warum bestimmte Konservierungsmittel mit Herzkrankheiten und Bluthochdruck in Verbindung stehen.
Quelle: DOI 10.1093/eurheartj/ehag308