Hilfe gegen Afterjucken und Hämorrhoiden-Beschwerden

In ihrer Kolumne Haut & Haar gibt die Apothekerin Ursula Kindl ausführlich Rat.

Rückansicht Frau in Shorts und Bikini-Oberteil, im Hintergrund Meer und Himmel
Problemzone Po. Für viele ein Tabuthema. Aber auch dafür haben Apothekerinnen und Apotheker ein offenes Ohr.
© pathdoc - Fotolia

Manchmal stecken mir Kunden diskret einen Zettel oder einen Zeitungsausschnitt zu, mit dem Wunsch nach dem dort erwähnten Mittel. Aber dies rechtfertigt natürlich nicht, auf die Beratung zu verzichten. Und so hake ich in der Regel nach, um die Patienten bestmöglich zu versorgen.

Diskrete Beratung

So ging es auch dem älteren Herrn, der mir neulich eine Anzeige aus der Neuen Apotheken Illustrierten in die Hand drückte. Ein kurzer Blick zeigte mir, dass es sich um eine Salbe gegen Hämorrhoiden handelte. Ich bat ihn an einen abseits gelegenen Verkaufstisch, damit wir uns ungestört unterhalten konnten.

"Sie möchten eine Salbe gegen Hämorrhoiden-Beschwerden?", fragte ich. "Hat ein Arzt die Diagnose gestellt oder ist es eine Vermutung von Ihnen?" Er berichtete, dass er sich kürzlich beim Hausarzt hatte untersuchen lassen. Außer einer geröteten, leicht entzündeten Haut um den After herum hatte der Arzt keine Besonderheiten feststellen können und ihm eine Zinkpaste verordnet. Nach anfänglicher Besserung hatten sich die Symptome wieder verschlechtert.

Tabuleiden Analekzem

"Wie äußern sich Ihre Beschwerden?", wollte ich wissen. Er berichtete von starkem Juckreiz und Brennen, das ihn oft nachts nicht schlafen ließ. Juckreiz, Brennen und Entzündungen der Haut im und um den Afterbereich treten bei proktologischen Erkrankungen auf. Der Begriff "proktos" stammt aus dem Griechischen und bedeutet "After" oder "Enddarm".

Oft handelt es sich bei den Beschwerden nicht um vorgefallene Hämorrhoiden, sondern um ein Analekzem. Es wird durch starkes Schwitzen oder aus dem Darm austretendes Sekret verursacht. Feuchtigkeit und Wärme lassen die Haut aufquellen und begünstigen das Eindringen von krankmachenden Keimen. Stuhlreste und Kratzen führen zu Entzündungen, die sich durch Brennen und Juckreiz bemerkbar machen. Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist, die "feuchte Kammer" trockenzulegen. Am besten helfen weiche Kompressen, die man in die Pofalte legt.

Keine feuchten Reinigungstücher

Nach seinen Gepflogenheiten beim Toilettengang befragt, berichtete er, dass er nach jedem Stuhlgang die Analregion mit handelsüblichen Feuchttüchern reinigt. Hier könnte eine Ursache seiner Beschwerden liegen. Feuchte oder parfümierte Reinigungstücher können Unverträglichkeitsreaktionen, manchmal sogar Allergien, auslösen. Mein Tipp: Personen mit empfindlicher Haut meiden am besten auch gefärbtes oder raues Toilettenpapier. Ich empfehle folgende Vorgehensweise: Nach dem Stuhlgang die Analregion mit trockenem, weichen Toilettenpapier von Stuhlresten befreien. Danach mit lauwarmem Wasser und einem pH-neutralen oder schwach sauren Reinigungsmittel nachreinigen. Nach dem gründlichen Abspülen die Haut trocken tupfen.

Am besten führt man die Prozedur auf einem Bidet durch. Ansonsten genügt ein Wasserhahn in Reichweite. Frauen sollten darauf achten, die Reinigung stets von vorne nach hinten durchzuführen, damit keine Darmkeime in die Scheide oder Harnröhre gelangen können. Zur Pflege der empfindlichen Haut eignet sich Zinkpaste oder eine leichte Heilsalbe.

Salben aus der Apotheke

Ich empfahl ihm ferner, scharfe Gewürze oder schwer verdauliche Speisen zu meiden und auf einen regelmäßigen Stuhlgang zu achten. Durchfälle oder häufiger Stuhlgang reizen die Analregion durch die dabei ausgeschiedenen Enzyme zusätzlich. Um die empfindliche Haut zu schonen, möglichst scheuernde Kleidung meiden und Sportarten, wie Radfahren, reduzieren.

Mein Kunde hatte aufmerksam zugehört und stellte noch eine Frage: "Kann ich bei starkem Juckreiz noch etwas anderes tun?" Mir fiel die Anzeige ein, die er mir zu Beginn des Gesprächs hingehalten hatte. "Diese Salbe können Sie ruhig einmal ausprobieren. Und erzählen Sie mir bitte bei Gelegenheit, ob Ihnen meine Ratschläge geholfen haben."

Apothekerin Ursula Kindl

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