Vor einer Biopsie stellen viele Patienten dieselbe Frage: Können sich dabei Tumorzellen lösen und später Metastasen bilden? Nach dem heutigen Forschungsstand ist das bei den meisten Krebsarten äußerst unwahrscheinlich. Warum das so ist und welche wenigen Ausnahmen es gibt, erklären Experten vom Krebsinformationsdienst.
Warum gelöste Krebszellen meist keine Metastasen bilden
Metastasen entstehen, wenn sich Krebszellen vom Ursprungstumor lösen, über Blut- oder Lymphbahnen wandern und sich in einem anderen Organ ansiedeln. Das gelingt allerdings nur einem sehr kleinen Teil der Tumorzellen. Dafür müssen sie mehrere biologische Hürden überwinden.
Dr. Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes, erklärt: „Über all diese Eigenschaften verfügen die bei einer Biopsie abgelösten Tumorzellen meistens nicht.“
Bei welchen Tumorarten es Ausnahmen geben kann
Nur bei sehr wenigen Tumorarten können sich Metastasen infolge einer Biopsie bilden. Studien zeigen, dass etwa bei bestimmten Weichteilsarkomen entlang des Biopsiekanals Tumorzellen verbleiben können. Deshalb planen Ärzte den Eingriff besonders sorgfältig und entfernen den Biopsiekanal bei der Operation gegebenenfalls mit. Oder es wird eine Führungskanüle verwendet, die das Entnehmen mehrerer Gewebeproben erlaubt und gleichzeitig das Risiko einer Verschleppung von Tumorzellen minimiert.
Warum Ärzte auf eine Biopsie kaum verzichten können
Bei einer Biopsie entnehmen Ärzte eine kleine Gewebeprobe aus einem verdächtigen Bereich. Erst diese Untersuchung zeigt zuverlässig, ob Krebs vorliegt und um welche Tumorart es sich handelt. Außerdem liefert sie wichtige Informationen für die Auswahl der passenden Therapie.
Die Risiken gelten als sehr gering. Nach Angaben des Krebsinformationsdienstes gibt es keine Hinweise darauf, dass eine fachgerecht durchgeführte Biopsie die Heilungschancen verschlechtert.
Für die große Mehrheit der Krebserkrankungen überwiegt der Nutzen der Biopsie das sehr geringe Risiko deutlich. Ohne Biopsie lässt sich bei vielen Tumoren weder die Krebsart noch die passende Therapie sicher bestimmen.