Die Keto-Diät gilt vielen als schneller Weg zum Abnehmen und als Hoffnungsträger bei Typ-2-Diabetes. Doch eine neue Langzeitstudie zeigt: Die extrem fettreiche Ernährungsform kann den Stoffwechsel stärker belasten als gedacht. Vor allem Leber und Blutzuckerregulation scheinen empfindlich zu reagieren.

Bei einer ketogenen Ernährung nimmt man sehr viel Fett, dafür aber extrem wenig Kohlenhydrate zu sich. Ursprünglich wurde die Keto-Diät zur Behandlung von Epilepsie entwickelt. In den letzten Jahren ist sie vor allem als Methode zum Abnehmen und zur Unterstützung bei Übergewicht und Typ-2-Diabetes populär geworden. Eine aktuelle Langzeitstudie macht jedoch deutlich: Die Ernährungsweise könnte auch gesundheitliche Risiken mit sich bringen.
Versuche an Mäusen deuten darauf hin, dass eine Keto-Diät den Fett- und Kohlenhydratstoffwechsel ungünstig beeinflussen kann. Im Vergleich zu Tieren, die eine typische westliche fettreiche Ernährung erhielten, nahmen die Keto-Mäuse zwar deutlich weniger zu. Allerdings zeigte sich ein wichtiger Unterschied: Das zusätzliche Gewicht bestand im Verhältnis stärker aus Fettmasse und weniger aus Muskelmasse. Das bedeutet, dass die Waage zwar weniger anzeigt, die Körperzusammensetzung aber trotzdem ungünstiger werden kann.
Die Keto-Diät schützte zwar vor starker Gewichtszunahme, führte aber schon nach wenigen Tagen zu Problemen im Stoffwechsel. Besonders auffällig war der Anstieg von Lipiden im Blut und die Belastung der Leber.
„Eines ist ganz klar: Bei einer sehr fettreichen Ernährung müssen die Lipide irgendwohin, und sie landen im Blut und in der Leber. Die ketogene Diät schützt definitiv nicht vor einer Fettlebererkrankung“, sagte Dr. Amandine Chaix von der Universität Utah. Vor allem männliche Mäuse entwickelten eine schwere Fettlebererkrankung, teils sogar mit eingeschränkter Leberfunktion.
Auch die Auswirkungen auf den Blutzucker waren überraschend. Nach zwei bis drei Monaten zeigten die Mäuse zunächst niedrige Blutzucker- und Insulinwerte. Das klingt erst einmal positiv, erwies sich aber als problematisch.
„Das Problem ist, dass die Kohlenhydratreaktion dieser Mäuse völlig aus dem Gleichgewicht gerät, wenn man ihnen dann Kohlenhydrate gibt. Ihr Blutzuckerspiegel steigt sehr lange extrem an, und das ist ziemlich gefährlich“, erklärte Chaix.
Die Bauchspeicheldrüse setzte zu wenig Insulin frei, sodass der Körper Zucker schlechter verarbeiten konnte. Immerhin: Als die Mäuse wieder normales Futter bekamen, besserte sich die Blutzuckerregulation. Das macht Hoffnung, dass sich manche Stoffwechselprobleme zumindest teilweise zurückbilden können.
Neben dem Abnehmtrend hat die ketogene Diät weiterhin einen festen Platz in der Medizin, vor allem bei Epilepsie. Durch die drastische Reduktion von Kohlenhydraten gelangt der Körper in die sogenannte Ketose. Dabei wandelt er Fett in Ketonkörper um, die dem Gehirn als alternative Energiequelle dienen. Diese Stoffwechselumstellung kann helfen, die Hirnaktivität zu stabilisieren und die Zahl von Krampfanfällen zu senken.
Quelle: DOI 10.1126/sciadv.adx2752
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