Die Idee klingt plausibel: Wer über längere Zeit weniger süß isst, könnte sich an einen weniger süßen Geschmack gewöhnen und dadurch auch seltener Lust auf Süßes bekommen. Genau diese Annahme haben Forscher in einer sechsmonatigen Studie überprüft.
Dafür wurden 180 Erwachsene zufällig drei Gruppen zugeteilt. Sie erhielten Lebensmittel mit niedrigem, mittlerem oder hohem Anteil an süßem Geschmack. Anschließend untersuchten die Forscher unter anderem, ob sich dadurch die Vorliebe für Süßes verändert.
Die Lust auf Süßes ließ nicht nach
Am Ende der Studie zeigten sich zwischen den Gruppen keine bedeutsamen Unterschiede bei der Vorliebe für süße Lebensmittel oder bei der Wahrnehmung von Süße. Auch wer über Monate weniger süß aß, gewöhnte sich den Geschmack für Süßes also nicht ab. Umgekehrt verstärkte eine besonders süße Ernährung die Vorliebe für süße Speisen ebenfalls nicht.
Auch bei Gewicht und Gesundheitswerten zeigte sich kein Unterschied
Die Forschenden untersuchten nicht nur die Geschmackspräferenzen. Sie erfassten auch das Körpergewicht und analysierten Blut- sowie Urinproben auf Marker, die mit Diabetes- und Herz-Kreislauf-Risiken in Verbindung stehen. Auch hier zeigte sich nach sechs Monaten kein signifikanter Unterschied zwischen den Gruppen. Weder Gewicht noch die gemessenen Gesundheitsmarker entwickelten sich unterschiedlich, obwohl die Teilnehmer verschieden viel süß schmeckende Nahrung zu sich nahmen.
Warum süßer Geschmack nicht mit Zucker gleichzusetzen ist
Die Ergebnisse stellen die verbreitete Annahme infrage, dass eine geringere Aufnahme süß schmeckender Lebensmittel automatisch dazu führt, dass Menschen weniger Süßes mögen oder verlangen. Nach Ansicht der Forschenden sollte der Fokus möglicherweise stärker auf dem tatsächlichen Zuckergehalt und auf energiereichen Lebensmitteln liegen, nicht auf dem süßen Geschmack allein.
Das ist ein wichtiger Unterschied: Ein Lebensmittel kann süß schmecken, weil es Zucker enthält, aber auch durch natürlich vorkommende Zucker oder kalorienarme Süßstoffe. Umgekehrt können manche Produkte reichlich Zucker enthalten, ohne besonders süß zu schmecken. Veröffentlicht wurde die Studie im „American Journal of Clinical Nutrition“.
Was die Studie nicht beantworten kann
Die Untersuchung hat die Studienteilnehmenden zufällig auf die drei Gruppen “viel”, “durchschnittlich” oder “wenig” Süßes aufgeteilt. Dennoch wurden die Teilnehmenden nur über sechs Monate beobachtet. Zudem zeigt die Studie lediglich, dass sich die gemessenen Werte in diesem Zeitraum nicht unterschieden. Ob andere Effekte bei längerer Beobachtungsdauer auftreten könnten, lässt sich daraus nicht ableiten.
Quelle: DOI 10.1016/j.ajcnut.2025.09.041