Viele Menschen lassen beim Lernen oder Arbeiten gerne Musik im Hintergrund laufen. Ob dies die Konzentration fördert oder eher ablenkt, haben australische Forscher untersucht.
Die Wissenschaftler von der Edith Cowan University wollten herausfinden, welche Rolle Musik beim Lesen und Lernen spielt und warum manche Studierende Musik bewusst einschalten, während andere lieber in Stille arbeiten. Dafür hatten sie mehr als 220 Studierende zu ihren Lern- und Hörgewohnheiten befragt. Zusätzlich betrachteten sie persönliche Eigenschaften, die möglicherweise beeinflussen könnten, wie stark sich Menschen durch Musik ablenken lassen. Dazu gehörten die Neigung zum Tagträumen, die Arbeitsgedächtniskapazität und die persönliche Bedeutung von Musik im Alltag.
Warum viele Studenten mit Musik lernen
Es zeigte sich, dass rund 54 Prozent der Befragten regelmäßig mit Musik im Hintergrund lernten. Fast alle davon hatten das Gefühl, dass ihnen die Musik beim Lesen hilft. Viele nutzen Musik gezielt, um Umgebungsgeräusche auszublenden oder leichter in einen konzentrierten Arbeitsmodus zu kommen. Besonders beliebt waren ruhige Musikrichtungen wie Klassik oder langsame Rockmusik. Besonders häufig hörten die Studenten langsame Instrumentalmusik ohne Gesang. Viele gaben an, dass ihnen diese Musik dabei hilft, sich besser auf das Lesen zu konzentrieren.
Musik beim Lernen wirkt nicht bei jedem gleich
Lange wurde angenommen, dass Musik beim Lernen grundsätzlich die Konzentration verschlechtert, weil das Gehirn dadurch zusätzlich belastet wird. Die Ergebnisse der Studie sprechen jedoch gegen eine pauschale Bewertung. Stattdessen zeigen sie, dass Menschen sehr unterschiedlich auf Hintergrundmusik reagieren.
Persönliche Vorlieben wichtiger als gedacht
Die Forscher fanden keinen Zusammenhang zwischen der Nutzung von Musik und der Arbeitsgedächtniskapazität oder einer stärkeren Neigung zum Gedankenwandern. Stattdessen spielte vor allem eine Rolle, wie wichtig Musik den Studierenden persönlich ist. Wer Musik als wichtigen Teil seines Alltags wahrnahm, hörte häufiger auch beim Lernen Musik und empfand sie eher als hilfreich. „Für manche Studenten unterstützt Musik tatsächlich das Lesen. Für andere steht sie im Weg. Entscheidend ist, die eigene Beziehung zur Musik zu verstehen“, erklärt Studienleiterin Dr. Lindsey Cooke.
Ging es in dieser Studie vor allem darum, wie Studierende den Einfluss von Musik beim Lernen selbst einschätzen, wollen die Forscher in einem nächsten Schritt untersuchen, wie sich unterschiedliche Musikarten tatsächlich auf das Textverständnis auswirken.
DOI: 10.1177/03057356261421209