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Reizdarm: Sind Magen-Darm-Infekte der Auslöser?

Dr. Karen Zoufal  |  18.01.2021

Forscher haben eine Erklärung dafür gefunden, warum manche Menschen Darmbeschwerden bekommen, wenn sie bestimmte Lebensmittel essen: Sie konnten in Tierversuchen zeigen, dass eine Magen-Darm-Infektion zur Bildung von Antikörpern führen kann, die für Allergien typisch sind, aber nur im Darm vorkommen.

Junge Frau, sitzt im Pyjama in ihrem Bett und hält sich den Bauch.
Weltweit leidet vermutlich jeder Fünfte unter dem Reizdarm-Syndrom, das die Lebensqualität stark einschränken kann.
© Antonio_Diaz/iStockphoto

Menschen mit einem Reizdarm-Syndrom berichten häufig, dass ihre Symptome nach einer Magen-Darm-Infektion begannen. Deshalb haben die Forscher die Situation mit Mäusen nachgestellt: Sie haben Mäuse mit Durchfallerregern infiziert und sie gleichzeitig mit einem Nahrungsmittelallergen aus Eiern gefüttert. Nachdem die Infektion abgeklungen war, wurden sie erneut damit gefüttert und zeigten eine allergische Reaktion, die interessanterweise nur in dem Teil des Darms auftrat, der zuvor mit den Durchfallerregern infiziert war. Allgemeine Symptome einer Nahrungsmittelallergie waren dagegen nicht zu beobachten. Die Ergebnisse der Studie sind im Fachblatt „Nature“ veröffentlicht.

Die Forscher untersuchten dann, ob auch Menschen mit einem Reizdarmsyndrom so reagierten. Wenn sie Lebensmittelallergene, beispielsweise Gluten, Weizen, Soja oder Kuhmilch, in die Darmwand von zwölf erkrankten Patienten injizierten, kam es zu einer lokalen Immunreaktion ähnlich wie bei den Mäusen. Bei gesunden Freiwilligen gab es diese Reaktion dagegen nicht.

20 Prozent der Weltbevölkerung leiden unter Reizdarm

Der Gastroenterologe Professor Guy Boeckxstaens von der KU Leuven spekuliert, dass es ein ganzes Spektrum von Nahrungsmittelallergien gibt: „An einem Ende des Spektrums ist die Immunantwort auf ein Lebensmittelantigen wie beim Reizdarm sehr lokal. Am anderen Ende des Spektrums ist eine Lebensmittelallergie, die eine allgemeine Erkrankung mit starker Aktivierung der Mastzellen und Auswirkungen auf die Atmung, den Blutdruck und so weiter umfasst. Mit diesen neuen Erkenntnissen liefern wir weitere Beweise dafür, dass es sich beim Reizdarmsyndrom um eine echte Krankheit handelt.“

Bis zu 20 Prozent der Weltbevölkerung leiden unter dem Reizdarmsyndrom, das nach dem Essen Bauchschmerzen und Durchfälle verursacht. Dies beeinträchtigt ihre Lebensqualität. Oft werden diesen Patienten psychische Probleme unterstellt, wenn sich keine Allergien oder organischen Ursachen finden lassen.

Quelle: DOI 10.1038/s41586-020-03118-2

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