Wie vermeidet man Verletzungen bei kalten Temperaturen? Dazu hat Dr. Martin Rinio, Ärztlicher Direktor der Gelenk-Klinik Gundelfingen klare Empfehlungen.
Sicher gehen bei Glätte und Schnee
Wer unsicher auf den Beinen ist, sollte bei Glätte möglichst zu Hause bleiben. Wer dennoch unterwegs sein muss, sollte man sich bei einer Begleitperson unterzuhaken oder bewusst kleine, langsame Schritte zu machen. Auch der „Watschelgang“ gibt zusätzlichen Halt: Dabei macht man nur kleine und langsame Schritte, am besten mit leicht nach vorne geneigtem Körper und leicht nach außen gedrehten Füßen. Bei vereisten Außentreppen rät Dr. Rinio: „Hier bitte Schritt für Schritt auf die Stufen achten und sich beim Hoch- oder Runtergehen am Geländer festhalten, falls vorhanden.“ Wichtig sind zudem Schuhe mit gutem Profil.
Rückenschonend Schnee schnippen
„Auch beim Schneeschippen muten wir unserem Rücken oftmals viel zu viel zu“, warnt Dr. Rinio. Sein Rat: Besser sind kleinere Schneemengen in mehreren Durchgängen. Dabei sollte man den Oberkörper gerade halten, in Schrittstellung gehen und beim Anheben der Schaufel das Gewicht auf das vordere Bein verlagern. Wer die Schaufel nahe am Körper hält, schont den Rücken besonders. Wichtig ist auch hinsichtlich Verspannung und Rückenschmerzen warme Kleidung.
PECH-Regel bei Verstauchung und Prellung
Trotz aller Vorsicht kann man stürzen, was oft zu Verstauchungen von Handgelenken oder Füßen führen kann. Auch Prellungen, oft mit heftigen Schmerzen und Blutergüssen, sind häufig. Dann sollte man die PECH-Regel befolgen:
P – "Pause": Nach der Verletzung Arm oder Bein ruhen lassen.
E – "Eis": Eisbeutel oder andere Kühlung vermindern Entzündungsreaktionen und übermäßige Schwellungen.
C – "Compression": Ein elastischer Druckverband verhindert weiteres Einbluten und reduziert Entzündungen und Schwellungen.
H – "Hochlagern": Das wirkt weiteren Schwellungen oder Einblutungen entgegen.
Allerdings gilt bei Stürzen: „Bitte auf jeden Fall den Arzt konsultieren, wenn die Schmerzen über mehrere Tage anhalten, intensiver werden oder die Belastbarkeit abnimmt“, betont der Orthopäde.
Kälte erhöht das Risiko für Verletzungen
Sturzprophylaxe-Kurse bei Physiotherapeuten oder Sportvereinen können helfen, sicherer zu werden, so die Gelenk-Klinik. Sie empfiehlt auch ein Aufwärmtraining, um Schäden an Gelenken und Zerrungen zu vermeiden. Denn „bei Kälte verkrampfen unsere Muskeln und sind daher besonders anfällig für Verletzungen“, so Dr. Rinio. „Bitte die Dehnübungen nach dem Laufen stets drinnen vornehmen.“
Vorsicht bei Sport bei minus neun Grad
Bei sehr niedrigen Temperaturen ist die Bewegung draußen keine gute Idee: „Zeigt das Thermometer minus neun oder zehn Grad, so sollte auf den Sport draußen ganz verzichtet werden“, rät Dr. Rinio. Denn bei solchen Temperaturen würden Bänder, Sehnen und Muskeln nicht ausreichend durchblutet.