Medikament statt Maske bei Schlafapnoe? Das klingt für viele Betroffene verlockend, die mit der Maske nicht gut schlafen können. Ein Forschungsteam untersucht in einer Studie den Wirkstoff Sulthiam, der bereits für Epilepsie bei Kindern zugelassen ist.
Obstruktive Schlafapnoe: Wenn der Atem nachts häufig aussetzt
Bei der obstruktiven Schlafapnoe kommt es im Schlaf immer wieder zu kurzen Atempausen. Ursache ist meist, dass die Muskulatur im Rachenbereich erschlafft. Dadurch verengen sich die oberen Atemwege oder werden zeitweise vollständig blockiert. Die Folge: Betroffene bekommen weniger Sauerstoff und wachen häufig kurz auf, ohne es bewusst zu bemerken. Viele fühlen sich am nächsten Tag müde, erschöpft oder weniger leistungsfähig. Die gängigste Therapie ist eine Atemmaske, die im Schlaf getragen wird und durch Überdruck die Atemwege offenhält. Die Behandlung ist zwar wirksam, aber viele Menschen brechen sie relativ bald ab, weil die Maske ihren Schlaf stört.
Studie untersucht Medikament gegen Atemaussetzer im Schlaf
An der Studie nahmen 298 Menschen mit mittelschwerer bis schwerer Schlafapnoe teil. Sie erhielten entweder ein Scheinmedikament (Placebo) oder Sulthiam in unterschiedlichen Dosierungen.
47 Prozent weniger Atemaussetzer, bessere Sauerstoffwerte
Die Ergebnisse zeigen Hinweise auf einen möglichen Effekt: Teilnehmende mit einer höheren Sulthiam-Dosis hatten bis zu 47 Prozent weniger Atemaussetzer im Schlaf als die Placebo-Gruppe. Auch ihre Sauerstoffwerte in der Nacht waren besser. Wenn Nebenwirkungen auftraten, waren diese laut Studie meist mild und vorübergehend.
Schlafapnoe: Keine Therapie, die an der Ursache ansetzt
Das Forschungsteam vermutet: Sulthiam scheint die Atemregulation zu stabilisieren und den Atemantrieb zu erhöhen. Dadurch verlegen sich die oberen Atemwege im Schlaf nicht so leicht. Da Sulthiam zudem ja bereits eine Zulassung für Kinder mit Epilepsie hat hat, könnte es nach weiteren erfolgreichen klinischen Studien relativ schnell zur Behandlung von Schlafapnoe eingesetzt werden. Denn obwohl Schlafapnoe weit verbreitet ist, gibt es derzeit keine Behandlung, die direkt an der Ursache ansetzt.
Quelle: DOI 10.1016/S0140-6736(25)01196-1