US-Müttersterblichkeit: Überdosis und Gewalt häufigste Todesursachen

Dr. Karen Zoufal  |  18.02.2026 07:00 Uhr

Analyse von Sterbeurkunden in den USA: Bei Schwangeren und Wöchnerinnen zählen Überdosierungen, Mord und Selbsttötung zu den häufigsten Todesursachen.

Schwangere Frau hält sich den Bauch und den Rücken. Sie blickt besorgt, der Raum hinter ihr ist dunkel.
Ein US-Arzt vermutet: Drogenkonsum und Häusliche Gewalt werde bei Schwangeren wohl weniger erkannt als medizinische Problematiken.
© dragana991/iStockphoto

Üblicherweise wird Müttersterblichkeit vor allem mit medizinischen Komplikationen wie Blutungen, Infektionen oder Bluthochdruck in Verbindung gebracht. Eine Studie aus den USA zeigt, dass tatsächlich versehentliche Überdosen von Drogen oder Medikamenten, Mord und Selbsttötung die häufigsten Todesursachen bei schwangeren Frauen und Wöchnerinnen sind. Dafür hat das Forschungsteam Sterbeurkunden von schwangeren Frauen bzw. Frauen bis 42 Tage nach der Geburt aus den Jahren 2018 bis 2023 analysiert.

Eine Auswertung ergab: Versehentliche Überdosierungen von Drogen und Medikamenten waren die häufigste Todesursache (5,2 Todesfälle pro 100.000 Geburten). Darauf folgten Mord und Suizid (zusammen 3,9 Todesfälle pro 100.000 Geburten). Mit Ausnahme eines Anstiegs während der COVID-19-Pandemie blieb die Müttersterblichkeit über den untersuchten Zeitraum konstant. 

Die Zeitpunkte der Todesursachen unterscheiden sich

Über die Hälfte der Todesfälle durch versehentliche Überdosierung und Gewalt ereigneten sich während der Schwangerschaft. Die vier nächsthäufigen Todesursachen waren medizinischen Ursprungs: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Infektionen, Bluthochdruck und Blutungen. Sie traten eher in der Zeit nach der Entbindung auf.

Aufmerksamkeit und interdisziplinäre Zusammenarbeit kann Leben retten 

„Überdosen und Gewalt stehen normalerweise nicht auf unserer Agenda, wenn es um Maßnahmen zur Senkung der Müttersterblichkeit geht. Doch diese Ereignisse sind bei schwangeren Frauen und Wöchnerinnen viel häufiger, als wir annehmen“, erklärt Hooman Azad, Facharzt für Pränatalmedizin an der Columbia University in New York, in einer Mitteilung zur Veröffentlichung. „Wir sind bei der Erkennung von Drogenkonsum und häuslicher Gewalt bei unseren Schwangeren möglicherweise nicht so effektiv wie bei der Erkennung medizinischer Komplikationen. Eine multidisziplinäre Betreuung und die Vermittlung an psychologische und soziale Dienste könnten Hunderte von Leben retten.“

Quelle: DOI 10.1056/NEJMc251207

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