Warum ältere Menschen langsamer gehen: Studie entdeckt Schutzmechanismus gegen Stürze

Peter Erik FelzerKatrin Faßnacht-Lee  |  20.06.2026 16:08 Uhr

Mit zunehmendem Alter werden die Schritte kürzer, langsamer und oft unsicherer. Eine neue Studie zeigt: Dahinter steckt kein bloßer Kräfteverlust. Der Körper verändert den Gang gezielt, um das Gleichgewicht besser zu sichern.

Älteres Paar geht händchenhaltend durch den Park.
Im Alter verändert sich der Gang. Das sorgt für mehr Stabilität, hat aber auch andere Auswirkungen.
© didesign021/iStockphoto

Im Alter verändert sich die Art, wie wir gehen. Das kann Gangunsicherheit und Sturzrisiko beeinflussen. Der Körper priorisiert Stabilität gegenüber Schnelligkeit und Energieeffizienz. Das hilft, das Gleichgewicht zu halten – macht das Gehen aber anstrengender.

Warum der Körper im Alter auf langsamere Schritte setzt

Die Ergebnisse stammen aus einer Beobachtungsstudie der Flinders University und der University of Canberra mit 107 gesunden Erwachsenen im Alter von 26 bis 86 Jahren. Analysiert wurden Bewegungsabläufe beim Gehen sowie die Muskelaktivität im Bereich des Sprunggelenks. 

Die Studie ergab, dass ältere Erwachsene zunehmend gegensätzlich wirkende Muskeln rund um das Sprunggelenk gleichzeitig aktivieren – ein Muster, das als Ko-Kontraktion bezeichnet wird. Dadurch wird das Gelenk versteift und die Balance verbessert, wenn der Fuß auf dem Boden aufsetzt. „Dieses Versteifen des Gelenks macht das Gehen sicherer, bedeutet aber auch, dass die Muskeln härter arbeiten, ohne dabei so viel Vorwärtsbewegung zu erzeugen“, erklärt Studienleiter Dr. Cody Lindsay.

Warum der Schutzmechanismus auch Nachteile hat

Die Umstellung auf einen stabileren Gang bringt aber auch Nachteile mit sich. Dazu gehören:

  • Die Schrittdynamik nimmt ab: Ältere Menschen entwickeln mit jedem Schritt weniger Abstoßkraft, was zu kürzeren Schritten und einer geringeren Gehgeschwindigkeit führt. 

  • Die Anpassungen können die körperliche Belastbarkeit verringern: Das Gehen wird anstrengender, längere Strecken fallen schwerer und Ermüdung tritt schneller ein. 

  • Die Fähigkeit, Stolperer oder Ausrutscher auszugleichen, nimmt ab: Dadurch steigt das Sturzrisiko, da schnelle Korrekturbewegungen erschwert werden. 

  • Auch schleichende Veränderungen haben Auswirkungen auf den Alltag: Betroffene fühlen sich möglicherweise unsicherer, ermüden schneller und verlieren etwas an Selbstständigkeit, insbesondere auf unebenem Untergrund.

Mit diesen Übungen bleibt der Gang länger sicher

Die Erkenntnisse helfen zu verstehen, warum Gehen im Alter anstrengender wird – und was dagegen helfen könnte. Wichtig ist laut Forschenden, nicht nur auf Kraft zu setzen, sondern auch auf Gleichgewicht, Koordination und das Zusammenspiel der Muskeln. Regelmäßige Bewegung bleibt entscheidend. Genannt werden unter anderem Balanceübungen wie Tai Chi, gezieltes Training der Unterschenkel und koordinative Übungen.

Wichtig: Wer unsicher beim Gehen wird oder häufig stolpert, sollte das ärztlich abklären lassen. Trainings- oder Therapieprogramme, aber auch die Medikation sollten nicht eigenständig geändert werden.

Quelle: DOI 10.1016/j.gaitpost.2026.110202

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