Innerer Schweinehund: Warum gesunde Vorsätze oft scheitern

Hanke Huber  |  28.05.2026 12:20 Uhr

Ausreichend schlafen, gesundes Essen, mehr bewegen: Eigentlich wissen wir, was uns guttut. Was hält Menschen also davon ab, gesünder zu leben? Neurologinnen aus Kiel haben darauf eine mögliche Antwort und geben Tipps, was helfen kann, sein Verhalten zu ändern.

Älterer Herr geplagt von der Wahl zwischen gesunden und ungesundne Snacks
Wir können wissen, was die gesunde Entscheidung wäre – und dennoch hadern.
© Inside Creative House/iStockphoto

Dass viele Menschen wider besseren Wissens ungesunde Entscheidungen treffen, liegt den Wissenschaftlerinnen zufolge nicht einfach an fehlender Willenskraft. Vielmehr spielen biologische Mechanismen im Gehirn eine wichtige Rolle. Unser Verhalten werde von evolutionär und individuell entwickelten Belohnungssystemen, erlernten Kontrollmechanismen und Umweltfaktoren gesteuert, erklärt Prof. Dr. Daniela Berg Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und Erstautorin der Studie. Diese sogenannte „Intentions-Verhaltens-Lücke“ führt dazu, dass wir Dinge tun, obwohl wir wissen, dass sie uns nicht guttun. 

Ferngesteuert durch alte Programme

So wirken zum Beispiel bei Ernährung und Bewegung uralte Programme: Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, Energie zu sparen und kalorienreiche Nahrung zu bevorzugen. Deshalb belohnt uns das Gehirn noch heute mit Wohlgefühlen beim Essen und der innere Schweinehund unterstützt uns dabei, Anstrengungen zu vermeiden. „Wer das durchschaut hat, kann diese Erkenntnis nutzen. Wir bewegen uns von Natur aus nicht ohne triftigen Grund. Erfolgreiche Sport-Motivationsprogramme setzen daher auf unmittelbare Incentives, die für die Ausschüttung von Glückshormonen sorgen“, erläutert Berg

Wie Gewohnheiten entstehen

Auch Erziehung prägt unser Verhalten. Wer etwa schon als Kind mit Süßigkeiten belohnt wurde, entwickelt starke Verknüpfungen im Gehirn. Gleichzeitig können Stress und Schlafmangel ungesunde Gewohnheiten verstärken. Wer dauerhaft erschöpft ist, greift eher auf automatische Routinen zurück. Gleichzeitig schwächt Schlafmangel genau die Hirnregionen, die eigentlich für Selbstkontrolle zuständig sind. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Ungesunde Gewohnheiten werden leichter zur Routine und immer schwerer zu durchbrechen.

Wer diese Mechanismen versteht, kann lernen, bewusster mit ihnen umzugehen, so die These der Forscherinnen. 

3 Tipps für dauerhafte Änderungen

Aus ihren Erkenntnissen leiten sie drei praktische Empfehlungen ab, die helfen können, biologisch angelegte Verhaltensmuster zu durchbrechen und das eigene Handeln bewusst zu gestalten: 

  • Geduld haben: Neue Gewohnheiten entstehen nicht von heute auf morgen. Unser Gehirn braucht viele Wiederholungen, um alte Muster zu verändern. Verhaltensweisen, die sich über Jahre entwickelt und verfestigt haben, ändern sich nur langsam. Veränderung ist möglich, sie erfordert aber viel Geduld.
  • Nachsichtig mit sich sein: In stressigen Situationen oder wenn wir müde sind, fallen wir oft automatisch in alte Routinen zurück. Man muss sich deshalb keine Vorwürfe machen. Ein vorübergehender Rückfall in alte Routinen bedeutet nicht, dass man nicht in der Lage ist, sein Verhalten dauerhaft zu ändern. Rückschläge gehören zum Prozess dazu. Das Verständnis der zugrunde liegenden Mechanismen kann helfen, realistische Erwartungen an sich zu stellen.
  • Im Voraus planen: Wenn wir entspannt und ausgeruht sind, fällt es uns leichter, gute Entscheidungen zu treffen. Deshalb hilft es, wichtige Dinge in ruhigen Phasen festzulegen, zum Beispiel Einkaufslisten zu schreiben, Sporttermine einzuplanen oder feste Schlafroutinen festzulegen. So lassen sich schwierige Momente besser überwinden.

Quelle: DOI 10.1111/ene.70606 

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