Ausreichend schlafen, gesundes Essen, mehr bewegen: Eigentlich wissen wir, was uns guttut. Was hält Menschen also davon ab, gesünder zu leben? Neurologinnen aus Kiel haben darauf eine mögliche Antwort und geben Tipps, was helfen kann, sein Verhalten zu ändern.

Dass viele Menschen wider besseren Wissens ungesunde Entscheidungen treffen, liegt den Wissenschaftlerinnen zufolge nicht einfach an fehlender Willenskraft. Vielmehr spielen biologische Mechanismen im Gehirn eine wichtige Rolle. Unser Verhalten werde von evolutionär und individuell entwickelten Belohnungssystemen, erlernten Kontrollmechanismen und Umweltfaktoren gesteuert, erklärt Prof. Dr. Daniela Berg Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und Erstautorin der Studie. Diese sogenannte „Intentions-Verhaltens-Lücke“ führt dazu, dass wir Dinge tun, obwohl wir wissen, dass sie uns nicht guttun.
So wirken zum Beispiel bei Ernährung und Bewegung uralte Programme: Der menschliche Körper ist darauf ausgelegt, Energie zu sparen und kalorienreiche Nahrung zu bevorzugen. Deshalb belohnt uns das Gehirn noch heute mit Wohlgefühlen beim Essen und der innere Schweinehund unterstützt uns dabei, Anstrengungen zu vermeiden. „Wer das durchschaut hat, kann diese Erkenntnis nutzen. Wir bewegen uns von Natur aus nicht ohne triftigen Grund. Erfolgreiche Sport-Motivationsprogramme setzen daher auf unmittelbare Incentives, die für die Ausschüttung von Glückshormonen sorgen“, erläutert Berg.
Auch Erziehung prägt unser Verhalten. Wer etwa schon als Kind mit Süßigkeiten belohnt wurde, entwickelt starke Verknüpfungen im Gehirn. Gleichzeitig können Stress und Schlafmangel ungesunde Gewohnheiten verstärken. Wer dauerhaft erschöpft ist, greift eher auf automatische Routinen zurück. Gleichzeitig schwächt Schlafmangel genau die Hirnregionen, die eigentlich für Selbstkontrolle zuständig sind. Dadurch entsteht ein Teufelskreis: Ungesunde Gewohnheiten werden leichter zur Routine und immer schwerer zu durchbrechen.
Wer diese Mechanismen versteht, kann lernen, bewusster mit ihnen umzugehen, so die These der Forscherinnen.
Aus ihren Erkenntnissen leiten sie drei praktische Empfehlungen ab, die helfen können, biologisch angelegte Verhaltensmuster zu durchbrechen und das eigene Handeln bewusst zu gestalten:
Quelle: DOI 10.1111/ene.70606
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