Baby & FamilieGesundheit

Warum Kinder seltener schwer an Covid-19 erkranken

Natascha Koch  |  19.08.2021

Kinder stecken sich genau mit dem neuen Coronavirus an wie Erwachsene, haben aber vergleichsweise ein sehr niedriges Risiko für einen schweren Verlauf. Ein deutsches Forscherteam hat nun die Ursache dafür herausgefunden: Offenbar ist das kindliche Immunsystem in den oberen Atemwegen wesentlich stärker aktiv und damit besser gewappnet, um das Virus zu bekämpfen.

Mutter, hilft kleinem Mädchen dabei, die Nase zu putzen.
Kinder erkranken meist nur leicht an Covid-19, die Symptome verschwinden oft bereits nach wenigen Tagen.

Warum Kinder besser mit einer Covid-19-Infektion zurechtkommen, war bisher nicht bekannt. „Wir wollten verstehen, warum die Virusabwehr bei Kindern offenbar so viel besser funktioniert als bei Erwachsenen“, sagt Professorin Irina Lehmann vom Berlin Institute of Health (BIH) der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Dazu analysierte das Forscherteam Proben aus der Nasenschleimhaut von gesunden und infizierten Kindern und Erwachsenen sowie deren Krankheitsverläufe. „Die meisten der infizierten Kinder hatten nur leichte Symptome wie Schnupfen oder leicht erhöhte Temperatur, und die Beschwerden klangen nach wenigen Tagen wieder ab“, erklärt Professor Marcus Mall Direktor der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie, Immunologie und Intensivmedizin an der Charité.  

Kindliche Virusabwehr funktioniert schneller

Der Vergleich der von den Kindern und Erwachsenen gewonnen Zellen zeigte dann: Die Immun- und Epithelzellen der Nasenschleimhaut von gesunden Kindern waren bereits in erhöhter Alarmbereitschaft und vorbereitet für den Kampf gegen SARS-CoV-2. Für eine schnelle Immunantwort gegen das Virus müssen sogenannte Mustererkennungsrezeptoren aktiviert werden, die das Erbgut des Virus, die Virus-RNA, erkennen und eine Antwort des Immunsystems einleiten. Infiziert SARS-CoV-2 eine Zelle, überrumpelt es normalerweise dieses Frühwarnsystem, wodurch sich das Virus massiv in der Zelle vermehren kann. In den untersuchten kindlichen Zellen war dieses Mustererkennungssystem jedoch deutlich stärker ausgeprägt als bei Erwachsenen, so dass das Virus, sobald es in der Zelle ankommt, schnell erkannt und bekämpft werden kann. Die Ergebnisse, die im Fachjournal Nature Biotechnology veröffentlicht sind, passen den Forschern zufolge zu anderen bereits veröffentlichten Studien, die darauf hinweisen, dass Kinder eine geringere Viruslast haben und das Virus schneller eliminieren als Erwachsene.

Im nächsten Schritt wollen die Forscher daran arbeiten, wie eine solche effektive Anti-Virus-Antwort bereits vor einer Infektion gezielt auch bei Erwachsenen hergestellt werden könnte, um so   Risikopatienten vor einer schweren Erkrankung zu schützen.

Quelle: DOI 10.1038/s41587-021-01037-9

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