Wetterumschwung nach der Hitze: Warum jetzt viele Kopfschmerzen und Schwindel bekommen

Wolf Löchel  |  17.08.2026 10:37 Uhr

Erst Rekordhitze, dann Abkühlung und Gewitter: Der schnelle Wetterwechsel setzt vielen zu. Was hinter Kopfschmerzen, Müdigkeit und Schwindel steckt und was wirklich hilft.

Frau stützt den Kopf in die Hände und hält sich die Schläfen.
Migräne bringen viele Menschen mit einem Wetterumschwung in Verbindung.
© Kateryna Onyshchuk/iStockphoto

Nach Tagen mit über 30 Grad sinken die Temperaturen, Gewitter ziehen auf. Für viele eine Erleichterung, doch manche fühlen sich nun erst recht schlapp, bekommen Kopfschmerzen oder Schwindel. Der Grund: Ein rascher Wetterwechsel fordert den Körper, und nicht jeder steckt das gleich gut weg.

Was bei einem Wetterwechsel im Körper passiert

Wechselt das Wetter, muss sich der Körper anpassen. Dafür sorgt das vegetative Nervensystem, die Steuerzentrale für viele unbewusste Abläufe wie Puls, Blutdruck und Temperaturregulation. Bei manchen Menschen gelingt dieses Nachjustieren bei einem schnellen Umschwung weniger gut, Beschwerden sind die Folge. Wer ohnehin durch die Hitze schlecht geschlafen hat, ist zusätzlich anfällig, denn Schlafmangel und Stress verstärken den Effekt. 

Rund die Hälfte der Deutschen bezeichnet sich als wetterfühlig. Bemerkenswert ist aber: Während viele den Zusammenhang deutlich spüren, lässt er sich wissenschaftlich erstaunlich schwer belegen. Ein eindeutiger wissenschaftlicher Nachweis für Wetterfühligkeit als allgemeines Phänomen fehlt bislang. Für einzelne Beschwerden gibt es jedoch durchaus Hinweise.

Welche Beschwerden sind typisch?

Bei Wetterumschwüngen berichten Menschen von den unterschiedlichsten Beschwerden. Allerdings sollte man wetterbedingte Beschwerden, in der Fachsprache Meteoropathie, nicht als eigene Krankheit missverstehen. Es handelt sich um ein Anpassungssyndrom. Besonders anfällig sind ältere oder geschwächte Menschen sowie Personen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, Rheuma oder Bluthochdruck.

Am häufigsten treten Kopfschmerzen und Migräne auf, gefolgt von Abgeschlagenheit, Müdigkeit, Gelenkschmerzen und Schlafstörungen. Dazu kommen Kreislaufprobleme wie Schwindel oder Herzrasen sowie seelische Auswirkungen wie Unruhe, Reizbarkeit und Stimmungstiefs.

Welche Wetterfaktoren mit Migräne zusammenhängen

Am besten untersucht ist der Zusammenhang bei Migräne. Eine Auswertung von 31 Studien brachte hier Licht ins Dunkel und räumte zugleich mit einer naheliegenden Annahme auf. Das überraschende Ergebnis: Nicht die oft verdächtigte Luftfeuchtigkeit hängt mit Migräneattacken zusammen, sondern vor allem Temperatur und Luftdruck. Für die Feuchtigkeit ließ sich kein eindeutiger Zusammenhang nachweisen.

Noch ein Befund überrascht: Auch eine höhere Belastung mit Luftschadstoffen erhöht das Migräne-Risiko – von Feinstaub über Stickstoffdioxid bis zu Ozon. Letzteres erreicht an heißen, sonnigen Tagen häufig besonders hohe Konzentrationen und könnte damit erklären, warum Migräne während oder nach Hitzewellen häufiger auftritt.

Gutes Wetter, schlechtes Wetter?

Gibt es auch günstige Wetterlagen? Ein stabiles Hoch tut vielen gut, solange es keine Hitzewelle ist, erklärt der Umweltmeteorologe Professor Andreas Matzarakis. Zieht dagegen ein Tief heran, drohen Beschwerden. Eine Warmfront kann Migräne und bei niedrigem Blutdruck Kreislaufprobleme auslösen, eine Kaltfront belastet Menschen mit hohem Blutdruck oder Asthma. Besonders ungünstig wirken schnelle, starke Wechsel wie Föhn oder Gewitter.

Was gegen wetterbedingte Beschwerden hilft

Ein Mittel, das Wetterfühligkeit heilt, gibt es nicht. Gegen einzelne Beschwerden helfen je nach Ausprägung passende Medikamente, am besten in Absprache mit dem Arzt oder der Apotheke. Der wichtigste Hebel liegt aber darin, die eigene Anpassungsfähigkeit zu stärken. Das gelingt mit regelmäßiger Bewegung an der frischen Luft, ausreichend Schlaf, einer guten Trinkroutine und Methoden, die den Kreislauf trainieren, etwa Wechselduschen. Auch Yoga und Entspannungsübungen tun gut.

Wer früh weiß, dass ein Umschwung bevorsteht, kann sich darauf einstellen. Der Deutsche Wetterdienst bietet dafür eine Gesundheitswetter-Vorhersage und eine App für Wetterfühlige an. Bei Kopfschmerzen oder Migräne lohnt zudem ein Beschwerdetagebuch, um die eigenen Auslöser zu erkennen, statt sie nur zu vermuten.

Quelle: DOI 10.1007/s00415-025-13078-0

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