Eine neue Metaanalyse mit Daten aus 21 klinischen Studien kommt zu einem überraschenden Ergebnis: Kalorienfreie Süßstoffe waren mit höheren Nüchterninsulin-Werten und einem erhöhten HbA1c verbunden. Die Autoren sehen darin Hinweise darauf, dass die Stoffe den Zuckerstoffwechsel möglicherweise direkt beeinflussen.
Wie sich Süßstoffe auf den Zuckerstoffwechsel auswirken könnten
Kalorienfreie und kalorienarme Süßstoffe werden seit Jahrzehnten in vielen Lebensmitteln und Getränken als Zuckeralternative verwendet. Forschende von der Tufts University haben nun untersucht, inwieweit diese Süßstoffe auf den Stoffwechsel auswirken. Dazu hatten sie wissenschaftliche Daten gesammelt und in einer Übersichtsarbeit und Metaanalyse ausgewertet.
21 klinische Studien im Vergleich
Das Team hatte 21 randomisierte klinische Studien mit Erwachsenen analysiert. Anders als viele frühere Untersuchungen verglichen die Forschenden Süßstoffe ausschließlich mit ebenfalls kalorienfreien Kontrollsubstanzen wie Wasser oder Placebos. Dadurch sollten die direkten Effekte der Süßstoffe untersucht werden – unabhängig davon, welche Kalorien sie ersetzen.
Höhere HbA1c- und Insulinwerte nachgewiesen
Die Auswertung ergab, dass der Konsum kalorienfreier Süßstoffe mit höheren Werten für Nüchterninsulin sowie einem Anstieg des Langzeitblutzuckerwertes HbA1c verbunden war. Zudem zeigte sich ein Trend zu einer verschlechterten Insulinempfindlichkeit. Nach Einschätzung der Autoren sprechen die Ergebnisse dafür, dass die Süßstoffe selbst den Stoffwechsel beeinflussen könnten.
Als möglicher Erklärungsansatz diskutieren die Autoren Veränderungen im Darmmikrobiom. Einzelne Studien deuten darauf hin, dass bestimmte Süßstoffe Darmbakterien beeinflussen könnten. Ob dadurch tatsächlich Veränderungen des Zuckerstoffwechsels entstehen, ist bislang nicht geklärt.
Zusätzlich beziehen sich die Autoren auf frühere große Beobachtungsstudien, die ebenfalls Zusammenhänge zwischen Süßstoffkonsum und Herz-Kreislauf- sowie Stoffwechselerkrankungen gefunden haben. Einen ursächlichen Zusammenhang können diese Studien allerdings nicht belegen.
Warum die Ergebnisse mit Vorsicht zu bewerten sind
Die Autoren weisen aber auch auf wichtige Einschränkungen ihrer Studie hin. Beobachtungsstudien können keine Ursache-Wirkungs-Beziehung nachweisen. Denkbar ist etwa, dass Menschen mit erhöhtem Krankheitsrisiko häufiger zu Light-Produkten greifen. Zudem wurden verschiedene Süßstoffe gemeinsam ausgewertet, obwohl sie sich möglicherweise unterschiedlich auf den Körper auswirken. Erschwert wird die Forschung außerdem dadurch, dass Hersteller in den USA zwar die verwendeten Süßstoffe angeben müssen, nicht aber deren Menge. Künftig seien daher größere, langfristige und sorgfältig geplante randomisierte Studien nötig, um einzelne Süßstoffe und ihre Wirkmechanismen genauer zu untersuchen.
Quelle: DOI 10.1007/s11883-026-01429-9