Apothekenprotest am 23. März: 25.000 auf der Straße

Pharmazeutische Zeitung  |  24.03.2026 11:27 Uhr

Apothekenteams demonstrierten in fünf Städten für die im Koalitionsvertrag angekündigte Honorarerhöhung.

Demonstrationszug in Berlin: Sie tragen ein breites Banner mit der Aufschrift "Apotheken gibt's nicht zum Nulltarif!" und "Apotheken retten jetzt!"
In Berlin zogen die Apothekenteams vom Potsdamer Platz zum Roten Rathaus.
© PZ/Brockfeld

Mehr als 25.000 Menschen, die in Apotheken arbeiten, haben am 23. März 2026 in fünf Städten für eine Anpassung des Honorars protestiert. Damit wollen sie Bundesgesundheitsministerium Nina Warken (CDU) in ihrem Kurs stärken, die Honorarzusage aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen. Dieser kündigt ein festgelegtes Honorar von 9,50 pro Packung verschreibungspflichtiger Medikamente an, das sogenannte „Rx-Packungsfixum“. Hier gab es 13 Jahre lang Stillstand. 

Ende Februar hatte die ABDA den 23. März zum bundesweiten Apotheken-Protesttag erklärt. Dieser Aufruf verfing offenkundig bei den Apothekenteams – 600 Protestierende versammelten sich in Fulda, 3500 München, 5000 in Hannover, 6000 in Berlin und in Düsseldorf 10.000. Es gab Kundgebungen an zentralen Plätzen, die die Forderung, die Erhöhung des Packungsfixums aus dem Koalitionsvertrag umzusetzen, klar formulierten. Bundesweit waren zahlreiche Apotheken geschlossen. „Das zeigt, wie sehr die Apotheken durch den Honorarstillstand belastet sind“, so ABDA-Präsident Thomas Preis. 

Düsseldorf: Apothekenteams aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Rheinland-Pfalz

Die größte Menge kam in der NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf mit rund 10.000 Menschen zusammen. Auf dem Burgplatz zeigte sich Preis, der zudem Vorsitzender des Apothekerverbands Nordrhein (AVNR) ist, überwältigt. Dass aus Nordrhein-Westfalen, aus Hessen und Rheinland-Pfalz so viele Protestierende angereist waren, sei ein „starkes Zeichen unseres Berufsstandes“, so Preis.

An Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) richtete Preis den Appell: »Handeln Sie jetzt!« Die Ministerin möge zu ihrem Wort stehen und die angekündigte Honoraranpassung umgehend umsetzen. Das anhaltende Apothekensterben wirke sich unmittelbar auf die Versorgung aus; mit jeder geschlossenen Apotheke verlängerten sich die Wege zur nächsten heilberuflich geführten Apotheke.

München: „Fixum anpassen – jetzt!“ mit Rückenwind aus der Landespolitik

In Bayerns Landeshauptstadt war der Odeonsplatz in der Innenstadt komplett voll. Hans-Peter Hubmann, Vorsitzender des Bayerischen Apothekerverbands (BAV) sowie des Deutschen Apothekerverbands (DAV), konnte angesichts der Menge aus weißen Kitteln ein „Wow“ nicht unterdrücken. „Klare Forderung: Fixum anpassen – jetzt!“, machte er deutlich.

Die bayerische Landespolitik unterstützte Hubmann, Franziska Scharpf, die bayerische Apothekenkammerpräsidentin und stellvertretende Präsidentin der Bundesapothekerkammer und Silke Laubscher, ABDA-Vorstandsmitglied: Die CSU-Abgeordneten Carolina Trautner und Bernhard Seidenath forderten eine sofortige Umsetzung der Aussagen im Koalitionsvertrag. Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) bekräftigte in einer Videobotschaft, dass Bayern zudem am Credo „Keine Apotheke oder Apothekerin oder Apotheker“ festhalte.

Berlin: Diskussion um Verteilungsprobleme der Finanzen

In Berlin unterstrich Gesundheitssenatorin Ina Czyborra (SPD) die Bedeutung der Apotheken für die Versorgung. Sie wandte betonte aber: Angesichts der angespannten Finanzlage der Kassen gebe es Verteilungsprobleme. Eine Reform sei notwendig, „die nicht zulasten der Menschen geht“. Anke Rüdinger, Vorsitzende des Berliner Apothekervereins und DAV-Vize, mochte dem Argument, dass kein Geld da sei, nicht folgen – für Vorstandsgehälter der Kassenspitzen, Werbekampagnen und Verwaltung sei offenkundig immer wieder welches da. „Liebe Politik, was braucht es denn noch? In Deutschland schließt jeden Tag mindestens eine Apotheke für immer“, mahnte Rüdinger. „Gute Versorgung muss fair vergütet werden. Apotheken gibt es nicht zum Nulltarif!“

Hannover: Die Politik muss endlich handeln

Der Vorstandsvorsitzende des Landesapothekerverbands Niedersachen Berend Groeneveld zeigte sich überwältigt: „Diese Resonanz ist unglaublich“, erklärte er auf dem Opernplatz in Hannover. „Wir sind die Lotsen im System. Dafür kämpfen wir.« Es gelte, die Bundesregierung dabei zu unterstützen, dass sie umsetze, was sie versprochen habe. Auch Armin Hoffmann, Präsident der Bundesapothekerkammer (BAK), verdeutlichte in Hannover, dass die Politik endlich handeln müsse.

Fulda: Frühling ist da – wo ist die Honorarerhöhung?

In Fulda hatten die osthessischen Apothekerinnen und Apotheker eine zusätzliche Kundgebung auf dem Bahnhofsvorplatz organisiert. Hessens Verbandschef Holger Seyfarth forderte vor etwa 600 Protestierenden: „Die Politik muss jetzt wirklich liefern und nicht weiter Versprechungen machen.“ Und an die Bundesgesundheitsministerin gerichtet: „Wir warten!“ Sie habe die Honorarerhöhung auf 9,50 Euro per Verordnung im Frühling versprochen. Dieser habe am 21. März kalendarisch begonnen.

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