Gerötete, brennende oder ständig gereizte Augen können viele Ursachen haben. Häufig denken Betroffene zunächst an ein Trockenes Auge oder eine Allergie. Doch auch eine starke Besiedlung der Wimpernwurzeln mit Demodex-Milben kann die Beschwerden auslösen.
Die winzigen Spinnentiere gehören zur natürlichen Hautflora des Menschen. Sie leben unter anderem in Haarfollikeln und Talgdrüsen und verursachen normalerweise keine Probleme. Vermehren sie sich jedoch stark an den Wimpernwurzeln und Liddrüsen, können sie eine Entzündung des Lidrandes hervorrufen – die sogenannte Demodex-Blepharitis.
Diese Beschwerden können auf Demodex-Milben hindeuten
Mögliche Anzeichen einer Demodex-Blepharitis sind:
juckende oder brennende Augen
gerötete Augen und Lidränder
ein Fremdkörpergefühl
verklebte Wimpern oder Lidränder
schwankende Sehschärfe
Beschwerden, die trotz Augentropfen oder üblicher Lidpflege anhalten
Die Symptome ähneln denen eines Trockenen Auges, einer Allergie, einer Rosazea oder einer unspezifischen Lidrandentzündung. Deshalb bleibt ein verstärkter Milbenbefall mitunter längere Zeit unerkannt.
Kragenartige Schuppen sind ein wichtiger Hinweis
Besonders charakteristisch sind sogenannte Kollaretten. Dabei handelt es sich um zylinder- oder kragenförmige Ablagerungen, die fest am Ansatz der Wimpern sitzen.
Nach Angaben der Deutschen Ophthalmologischen Gesellschaft gelten diese Schuppen als hochspezifischer Hinweis auf eine Demodex-Blepharitis. Bei einer Untersuchung mit der Spaltlampe kann der Augenarzt die Wimpernansätze genau betrachten. Besonders gut sind die Ablagerungen am oberen Lidrand zu erkennen, wenn der Patient nach unten blickt. In Zweifelsfällen können einzelne Wimpern zusätzlich unter dem Mikroskop untersucht werden.
Milbenbefall ist in Augenarztpraxen häufig
Die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft verweist auf Untersuchungen, nach denen sich bei rund 55 Prozent der Menschen, die eine Augenarztpraxis aufsuchen, Anzeichen einer krankhaften Demodex-Besiedlung finden. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko.
Die Zahl bezieht sich allerdings auf untersuchte Praxispatienten und nicht auf die Gesamtbevölkerung. Sie bedeutet außerdem nicht, dass Augenbeschwerden grundsätzlich durch Milben verursacht werden. Demodex-Milben sind vielmehr eine mögliche Ursache, die vor allem bei anhaltenden oder wiederkehrenden Beschwerden berücksichtigt werden sollte.
Wie wird eine Demodex-Blepharitis behandelt?
Ob eine Behandlung notwendig ist, sollte augenärztlich geklärt werden. Als Basis nennt die Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft eine konsequente tägliche Lidrandpflege mit dafür vorgesehenen Präparaten, die Teebaumölbestandteile beziehungsweise den Wirkstoff Terpinen-4-ol enthalten. Dadurch sollen die Zahl der Milben verringert und Entzündungen gelindert werden.
Die Behandlung muss meist mindestens vier bis sechs Wochen lang regelmäßig erfolgen, um den Lebenszyklus der Milben abzudecken. Reines Teebaumöl sollte wegen seiner reizenden Wirkung keinesfalls eigenständig am Auge angewendet werden.
Ergänzend kommen je nach Befund weitere Behandlungen infrage, beispielsweise:
eine professionelle Reinigung der Lidkante
bestimmte Lichtimpuls-Behandlungen
ärztlich verordnete Wirkstoffe wie Ivermectin oder Metronidazol
Einige dieser Verfahren und Wirkstoffe werden außerhalb ihrer offiziell zugelassenen Anwendung eingesetzt. Nutzen und mögliche Risiken sollten daher individuell mit einer Augenärztin oder einem Augenarzt besprochen werden.
Wann ist eine augenärztliche Untersuchung sinnvoll?
Wer über längere Zeit unter brennenden, juckenden oder verklebten Augen leidet und trotz Tropfen, Salben oder Lidpflege keine deutliche Besserung bemerkt, sollte die Ursache augenärztlich abklären lassen. Dabei kann gezielt nach Kollaretten und anderen Anzeichen einer Demodex-Blepharitis gesucht werden.
Quelle: DOI 10.1007/s00347-026-02407-x