Was beim Partner auf dem Teller landet
Ein Forschungsteam um Maegan Dymarski von der Concordia University in Montreal hat untersucht, wie Schlaf und Ernährung bei zusammenlebenden Paaren miteinander in Verbindung stehen. Ihre Untersuchung zeigt: Menschen, die schlechter schliefen, berichteten häufiger von ungünstigeren Ernährungsgewohnheiten. Der Schlaf beeinflusste aber nicht nur die eigene Ernährung. Sie spielte auch für den Partner beziehungsweise die Partnerin eine Rolle: Schlief eine Person schlechter, war auch die Ernährung des oder der anderen im Schnitt ungünstiger, unabhängig davon, wie gut deren Schlaf war.
Eine mögliche Erklärung: Ist ein Partner müde und greift deshalb häufiger zu Fast Food, Snacks oder anderen schnell verfügbaren Lebensmitteln, landen diese möglicherweise auch beim anderen auf dem Teller. Schließlich teilen Paare häufig Mahlzeiten, Einkaufsgewohnheiten und andere Alltagsroutinen. Frühere Untersuchungen zeigen zudem, dass sich die Ernährungsgewohnheiten von Paaren häufig ähneln und im Laufe einer Beziehung weiter angleichen können.
Gemeinsame Routinen könnten eine Rolle spielen
Auch die Forschenden halten solche gemeinsamen Abläufe für eine mögliche Erklärung. Wer schlecht geschlafen hat, könnte weniger Lust haben, Mahlzeiten zu planen oder gesund zu kochen, und stattdessen dazu neigen, häufiger energiereiche, schnell verfügbare Lebensmittel einzukaufen. Damit verändert sich zugleich das Lebensmittelangebot für den Partner. Ob dieser Mechanismus tatsächlich hinter dem beobachteten Zusammenhang steckt, wurde allerdings nicht direkt untersucht.
Daneben fanden die Forschenden Hinweise auf einen Zusammenhang mit der Selbstregulation: Schlechter Schlaf des Partners ging unter anderem mit einer geringeren Zuversicht einher, die eigenen Ernährungsziele einhalten zu können, sowie mit weniger Anstrengung, sich wie beabsichtigt gesund zu ernähren.
204 Paare über drei Monate begleitet
Für die Untersuchung begleiteten die Forschenden 204 zusammenlebende Paare mit insgesamt 408 Personen über drei Monate. Das Durchschnittsalter lag bei gut 42 Jahren. Schlaf und Ernährung wurden zu Beginn sowie nach einem und drei Monaten mit Fragebögen erfasst. Zusätzlich führten die Teilnehmenden zwei Wochen lang täglich Tagebuch über verschiedene Aspekte ihrer Selbstregulation beim Essen.
Beim Schlaf wurden unter anderem Schlafdauer, Einschlafzeit, Schlafstörungen und Beeinträchtigungen während des Tages berücksichtigt. Bei der Ernährung ging es beispielsweise darum, wie häufig Fast Food und Snacks gegessen wurden und wie viel Gemüse auf dem Speiseplan stand.
Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelte, bleibt jedoch offen, welchen Anteil der Schlaf selbst, gemeinsame Essgewohnheiten und andere Faktoren an dem Zusammenhang haben. Wichtig bleibt: Wer regelmäßig schlecht schläft, sollte dies also nicht einfach tatenlos hinnehmen, sondern mit seinem Hausarzt oder Apotheker darüber sprechen.
Quelle: DOI 10.1093/abm/kaag041