Schlafprobleme in der Lebensmitte könnten sich auf Dauer auf das Erwerbslebens auswirken. Eine große finnische Studie zeigt: Menschen mit einem stark gestörten Schlaf oder sehr langen Schlafzeiten scheiden oft früher aus dem Arbeitsmarkt aus.
Schlechter Schlaf, weniger Berufsjahre
Die Forschenden werteten Daten aus zwei großen finnischen Beobachtungsstudien mit insgesamt mehr als 76.000 Teilnehmenden aus. Erfasst wurden Schlafdauer und Schlafqualität nach dem 50. Geburtstag. Anschließend wurde bis zum Alter von 68 Jahren untersucht, wie lange die Personen im Erwerbsleben blieben.
Das Ergebnis: Personen mit moderaten Schlafstörungen konnten statistisch mit knapp fünf Monaten weniger Erwerbszeit rechnen als Menschen ohne Schlafprobleme. Bei schweren Schlafstörungen lag die Differenz bei rund acht Monaten.
Auch lange Schlafdauer zeigt Auswirkungen
Ein überraschender Befund der Untersuchung betrifft die Schlafdauer. Zwischen einer kurzen Schlafdauer von unter sieben Stunden und einer mittleren Schlafdauer von sieben bis achteinhalb Stunden gab es keine großen Unterschiede. Wer regelmäßig neun Stunden oder länger pro Nacht schlief, hatte eine kürzere Lebensarbeitszeit. Sie entsprach im Durchschnitt rund neun Monaten weniger im Vergleich zu Personen mit sieben bis achteinhalb Stunden Schlaf.
Unterschiede bei Bildung und Beruf
Die längste Erwerbstätigkeit wurde bei Frauen in qualifizierten Berufen ohne Schlafstörungen beobachtet. Die kürzeste fanden die Forscher bei Männern in einfachen Routinetätigkeiten mit schweren Schlafproblemen. Generell fielen die Unterschiede zwischen sozial besser und schlechter gestellten Gruppen besonders groß aus. Personen mit höherer Bildung oder qualifizierten Berufen und gleichzeitig günstigem Schlafprofil blieben im Durchschnitt deutlich länger im Erwerbsleben als Menschen mit niedrigerem Bildungsstand oder Routinetätigkeiten und ungünstigem Schlafverhalten.
Studie berücksichtigt nicht alle Faktoren
Wichtig ist allerdings: Es handelt sich um eine Beobachtungsstudie. Solche Untersuchungen können Zusammenhänge aufzeigen, aber nicht beweisen, dass Schlafprobleme direkt zu einem früheren Ausscheiden aus dem Erwerbsleben führen. Außerdem konnten die Forscher nicht alle möglichen Einflussfaktoren berücksichtigen. Dazu zählen unter anderem körperliche und psychische Erkrankungen, Gesundheitsverhalten oder Arbeitsbedingungen wie Schichtarbeit. Trotz dieser Einschränkungen liefern die Daten Hinweise darauf, dass guter Schlaf in der Lebensmitte nicht nur für das Wohlbefinden wichtig sein könnte, sondern auch mit einer längeren Teilnahme am Arbeitsleben verbunden ist.
Quelle: DOI 10.1136/oemed-2025-110766