Brustimplantate: Versteckte Bakterien als Auslöser für Komplikationen?

Rüdiger Freund  |  15.05.2026 11:33 Uhr

Warum gehen Brustimplantate kaputt oder verursachen Beschwerden? Eine aktuelle Studie liefert einen überraschenden Hinweis: Oft spielen unbemerkte bakterielle Verunreinigungen eine Rolle. Das könnte erklären, warum manche Implantate schneller Probleme bereiten als andere.

Arzt berät Frau über Brustimplantate
Vor einer Brustimplantation sollten mögliche Risiken und Komplikationen ausführlich mit einem Arzt besprochen werden.
© YakobchukOlena/iStockphoto

Entzündung als zentraler Risikofaktor

Ein Forschungsteam aus Österreich hat 125 Brustimplantat-Revisionen bei 97 Patientinnen untersucht. Dabei analysierten sie insgesamt 631 Proben aus Implantaten und umliegendem Gewebe.

Das auffälligste Ergebnis: Fast jedes zweite Implantat zeigte Entzündungszeichen (48,7 Prozent). Und genau diese Entzündungen standen in engem Zusammenhang mit Komplikationen. In 65,5 Prozent der Fälle mit Entzündung traten Probleme wie Risse oder Schmerzen auf – ohne Entzündung nur in rund 21 Prozent.

Überraschend: Bakterien oft beteiligt

Besonders interessant: In etwa jedem fünften Implantat (21,6 Prozent) fanden die Forscher Bakterien – meist Hautkeime wie Staphylococcus epidermidis.

Diese sogenannte „subklinische Kontamination“ fiel klinisch oft gar nicht auf. Trotzdem zeigte sich:

  • Verunreinigte Implantate hatten häufiger Entzündungen
  • Entzündungen erhöhten wiederum das Risiko für Komplikationen, vor allem Implantat-Risse

Die Daten sprechen damit für eine Kette: BakterienEntzündung → Schaden am Implantat.

Auch die Tragedauer spielt eine Rolle

Ein zweiter wichtiger Faktor ist die Zeit: Implantate, die länger im Körper waren, zeigten häufiger Entzündungen – selbst ohne nachweisbare Bakterien.

Bei kosmetischen Eingriffen lagen Implantate im Schnitt deutlich länger (14,3 Jahre) als nach Brustkrebs-Operationen (3,8 Jahre). Parallel dazu traten dort auch mehr Entzündungen und Komplikationen auf.

Was bedeutet das für Patientinnen?

Die Studie der Karl Landsteiner Privatuniversität aus Krems legt nahe, dass selbst unbemerkte Keime langfristig Probleme begünstigen können. Gleichzeitig scheint auch die Materialalterung eine Rolle zu spielen.

Für den Alltag heißt das vor allem:

  • Regelmäßige Kontrollen bleiben wichtig
  • Beschwerden wie Schmerzen oder Verformungen sollten abgeklärt werden

Konkrete Therapieempfehlungen lassen sich daraus aber nicht ableiten. Patientinnen sollten ihre Behandlung oder Implantate nicht eigenständig verändern, sondern immer ärztlichen Rat einholen.

Grenzen der Studie

Die Untersuchung ist eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt Zusammenhänge, kann aber keine eindeutige Ursache belegen. Zudem war die Zahl der kosmetischen Fälle vergleichsweise klein. Weitere Studien müssen klären, wie stark einzelne Faktoren tatsächlich wirken.

Quelle: DOI 10.3390/jcm15062115

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