Die wichtigste Erkenntnis der neuen Untersuchung der City St George’s, University of London: Menschen mit Diabetes – egal ob Typ 1, Typ 2 oder sogar nur mit Vorstufe (Prädiabetes) – erkranken deutlich häufiger an Infektionen als Menschen ohne Diabetes. Das betrifft sowohl harmlose Infekte, die in der Hausarztpraxis behandelt werden, als auch schwere Erkrankungen, die eine Klinikaufnahme erfordern. Besonders relevant: Bei Typ-2-Diabetes war eine Infektion die dritthäufigste Todesursache, direkt nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.
Risiko für Krankenhausaufenthalte teilweise vervierfacht
Die Studie wertete anonymisierte Gesundheitsdaten von mehr als 800.000 Menschen in England aus und verglich sie mit über einer Million Personen ohne Diabetes. Beobachtet wurde ein Zeitraum von fünf Jahren. Diese Unterschiede zeigen sich bei den einzelnen Diabetes-Typen:
Typ-1-Diabetes: 81 Prozent höheres Risiko für Infektionen in der Hausarztpraxis, 337 Prozent höheres Risiko für Krankenhausaufenthalte
Typ-2-Diabetes: 51 Prozent beziehungsweise 91 Prozent höheres Risiko
Prädiabetes: 35 Prozent beziehungsweise 33 Prozent höheres Risiko
Diese Zahlen beschreiben Zusammenhänge, keine Ursachen. Dennoch machen sie klar: Infektionen gehören zu den häufigsten und ernstesten Gesundheitsproblemen bei Diabetes.
Welche Infektionen treten besonders häufig auf?
Vor allem Infektionen der unteren Atemwege, etwa Lungenentzündungen, führten bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes am häufigsten zu Klinikaufenthalten. Bei Typ-2-Diabetes waren Sepsis und Atemwegsinfektionen die häufigsten infektionsbedingten Todesursachen.
Blutzucker-Schwankungen im Fokus
Die Analyse zeigt außerdem, dass bei Typ-1-Diabetes ein dauerhaft erhöhter Blutzucker das Infektionsrisiko steigert. Bei Typ-2-Diabetes scheinen starke Schwankungen zwischen den Arztbesuchen besonders problematisch zu sein – selbst wenn der Durchschnittswert gut aussieht. Das deutet darauf hin, dass stabile Werte möglicherweise wichtiger sind, als viele Betroffene annehmen.
Das empfehlen die Experten
Die Autoren betonen, dass Infektionen in Leitlinien zur Diabetesbehandlung stärker berücksichtigt werden sollten. Dazu gehören aus ihrer Sicht eine bessere Aufklärung über Infektionssymptome und eine frühere ärztliche Abklärung. Sie plädieren ebenfalls für eine schnellere Behandlung in der Hausarztpraxis und für mehr Aufmerksamkeit für Blutzuckerschwankungen.