Diabetes erhöht das Risiko für gefährliche Infektionen

Peter Erik Felzer  |  10.06.2026 12:39 Uhr

Viele Menschen mit Diabetes unterschätzen ihr Infektionsrisiko. Eine große Analyse zeigt nun, wie viel häufiger schwere Verläufe auftreten – und welche Erkrankungen oft dahinterstecken.

Ein Mann liegt auf einem Krankenhausbett und wird von einer Ärztin und einem Pfleger geschoben.
Menschen mit Diabetes bekommen deutlich häufiger schwere Infektionen wie Lungenentzündung oder Sepsis, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.
© Wavebreakmedia/iStockphoto

Die wichtigste Erkenntnis der neuen Untersuchung der City St George’s, University of London: Menschen mit Diabetes – egal ob Typ 1, Typ 2 oder sogar nur mit Vorstufe (Prädiabetes) – erkranken deutlich häufiger an Infektionen als Menschen ohne Diabetes. Das betrifft sowohl harmlose Infekte, die in der Hausarztpraxis behandelt werden, als auch schwere Erkrankungen, die eine Klinikaufnahme erfordern. Besonders relevant: Bei Typ-2-Diabetes war eine Infektion die dritthäufigste Todesursache, direkt nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

Risiko für Krankenhausaufenthalte teilweise vervierfacht

Die Studie wertete anonymisierte Gesundheitsdaten von mehr als 800.000 Menschen in England aus und verglich sie mit über einer Million Personen ohne Diabetes. Beobachtet wurde ein Zeitraum von fünf Jahren. Diese Unterschiede zeigen sich bei den einzelnen Diabetes-Typen:

  • Typ-1-Diabetes: 81 Prozent höheres Risiko für Infektionen in der Hausarztpraxis, 337 Prozent höheres Risiko für Krankenhausaufenthalte

  • Typ-2-Diabetes: 51 Prozent beziehungsweise 91 Prozent höheres Risiko

  • Prädiabetes: 35 Prozent beziehungsweise 33 Prozent höheres Risiko

Diese Zahlen beschreiben Zusammenhänge, keine Ursachen. Dennoch machen sie klar: Infektionen gehören zu den häufigsten und ernstesten Gesundheitsproblemen bei Diabetes.

Welche Infektionen treten besonders häufig auf?

Vor allem Infektionen der unteren Atemwege, etwa Lungenentzündungen, führten bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes am häufigsten zu Klinikaufenthalten. Bei Typ-2-Diabetes waren Sepsis und Atemwegsinfektionen die häufigsten infektionsbedingten Todesursachen.

Blutzucker-Schwankungen im Fokus

Die Analyse zeigt außerdem, dass bei Typ-1-Diabetes ein dauerhaft erhöhter Blutzucker das Infektionsrisiko steigert. Bei Typ-2-Diabetes scheinen starke Schwankungen zwischen den Arztbesuchen besonders problematisch zu sein – selbst wenn der Durchschnittswert gut aussieht. Das deutet darauf hin, dass stabile Werte möglicherweise wichtiger sind, als viele Betroffene annehmen.

Das empfehlen die Experten

Die Autoren betonen, dass Infektionen in Leitlinien zur Diabetesbehandlung stärker berücksichtigt werden sollten. Dazu gehören aus ihrer Sicht eine bessere Aufklärung über Infektionssymptome und eine frühere ärztliche Abklärung. Sie plädieren ebenfalls für eine schnellere Behandlung in der Hausarztpraxis und für mehr Aufmerksamkeit für Blutzuckerschwankungen. 

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