Schwangerschaftsdiabetes, auch als Gestationsdiabetes bezeichnet, wird auf der britischen Insel immer häufiger diagnostiziert. Das zeigt eine Studie von Forschenden, die routinemäßig erhobene Daten des britischen Gesundheitsdienstes NHS ausgewertet hatten. Erfasst wurden mehr als 2,3 Millionen Mütter und rund 2,8 Millionen Geburten in 184 Krankenhäusern in England zwischen 2018 und 2022.
Den Daten zufolge stieg der Anteil der Schwangerschaften mit diagnostiziertem Schwangerschaftsdiabetes zwischen 2018 und 2022 von rund acht auf mehr als zwölf Prozent. Das entspricht einer Zunahme von etwa 60 Prozent innerhalb von fünf Jahren.
Bestimmte Bevölkerungsgruppen besonders häufig betroffen
Die stärksten Anstiege beobachteten die Wissenschaftler bei Frauen asiatischer Herkunft. In dieser Gruppe lag die Diagnosehäufigkeit bei etwa 23 Prozent. Auch Frauen aus sozial benachteiligten Regionen waren häufiger betroffen – hier erreichte die Häufigkeit etwa 14 Prozent.
Darüber hinaus zeigte die Studie Unterschiede bei Schwangerschaftsverläufen und Geburtsergebnissen. Frauen aus sozial benachteiligten Regionen hatten häufiger Frühgeburten, dunkelhäutige Frauen mussten häufiger per Notkaiserschnitt entbinden und asiatische Frauen bekamen häufiger Kinder, die für das Schwangerschaftsalter zu klein waren. Kam zusätzlich ein Schwangerschaftsdiabetes hinzu, stieg insbesondere das Risiko für eine Frühgeburt.
Risiken für Mutter und Kind
Schwangerschaftsdiabetes entsteht, wenn der Körper während der Schwangerschaft nicht genügend Insulin bereitstellen kann, um den Blutzucker ausreichend zu regulieren. Er gilt als die häufigste Komplikation in der Schwangerschaft. Die Erkrankung wird mit verschiedenen Komplikationen in Verbindung gebracht. Dazu zählen Frühgeburten, ungeplante Kaiserschnitte sowie Babys, die für ihr Schwangerschaftsalter entweder größer oder kleiner als erwartet sind.
Darüber hinaus weisen die Forschenden auf mögliche langfristige Folgen hin. Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes besitzen demnach ein erhöhtes Risiko, später an Typ-2-Diabetes oder Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken. Auch für die Kinder können langfristige Gesundheitsrisiken bestehen.
Mögliche Ursachen für den Anstieg
Die Forschenden vermuten mehrere Ursachen für die zunehmende Zahl der Diagnosen. Als mögliche Faktoren nennen sie das steigende Alter werdender Mütter, zunehmende Adipositas, also krankhaftes Übergewicht, sowie eine verbesserte Erfassung der Gesundheitsdaten. Interessant ist auch ein weiteres Ergebnis: Änderungen beim Screening auf Schwangerschaftsdiabetes während der Corona-Pandemie hatten offenbar keinen nennenswerten Einfluss auf den Gesamttrend. Der Anstieg scheint daher nicht allein durch veränderte Testverfahren erklärbar zu sein.
Einordnung der Studie
Bei der Untersuchung handelt es sich um eine Beobachtungstudie. Diese können Zusammenhänge aufzeigen, aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehungen beweisen. Zudem stammen die Daten ausschließlich aus England, sodass sich die Ergebnisse nicht ohne Weiteres auf andere Länder übertragen lassen.
Quelle: DOI 10.1136/bmjmed-2025-002412