Warum mehrere chronische Krankheiten im Alter häufiger auftreten
Nach der sogenannten Geroscience-Hypothese haben viele chronische Erkrankungen im Alter gemeinsame Ursachen: Der Körper verliert nach und nach Reserven, Zellfunktionen altern, Entzündungen nehmen zu und die Energieproduktion in den Mitochondrien gerät aus dem Gleichgewicht.
Diese Blutwerte standen mit einem höheren Krankheitsrisiko in Verbindung
Ein Forschungsteam um Alice Margherita Ornago vom Karolinska Institut in Stockholm hat untersucht, ob bestimmte Biomarker im Blut frühzeitig auf die Entwicklung chronischer Krankheiten hinweisen können. Grundlage waren Daten der Langzeitstudie “SNAC-K-Kohorte”, in der Senioren seit 2001 regelmäßig untersucht werden. Bei 2247 Teilnehmern wurden Blutproben genommen und Blutwerte bestimmt. In den folgenden 15 Jahren entwickelten viele mehrere chronische Erkrankungen.
Diese sieben Blutwerte fielen den Forschern besonders auf
Die Forscher fanden sieben Laborwerte, die deutlich mit Multimorbidität zusammenhingen:
- GDF15: ein Stressprotein, das bei Störungen der Mitochondrien ansteigt
- Cystatin C: Marker für die Nierenfunktion und Hinweis auf kardiovaskuläre Risiken
- HbA1c: zeigt Störungen im Zuckerstoffwechsel an
- Leptin und Insulin: wichtige Marker für Fett- und Glukosestoffwechsel
Zusätzlich waren:
- erhöhte GGT-Werte und
- erniedrigtes Albumin
mit einem schnelleren Fortschreiten von Erkrankungen verbunden, möglicherweise durch Leberfunktionsstörungen.
Ein weiterer Wert, Neurofilament light chain (NfL), deutete auf Zelluntergang im Gehirn hin und war mit einer höheren Anfälligkeit für neuropsychiatrische Erkrankungen verbunden.
Einige der Marker wie HbA1c, GGT, Albumin oder Cystatin C gehören bereits zum klinischen Alltag. Andere wie GDF15 oder Neurofilament light chain werden bislang überwiegend in Forschung oder Spezialdiagnostik eingesetzt.
Können diese Blutwerte künftig zur Früherkennung genutzt werden?
Die Studie zeigt lediglich Zusammenhänge. Ob die Blutwerte selbst zur Krankheitsentstehung beitragen, lässt sich daraus nicht ableiten. Noch eignen sich die Blutwerte also nicht als eigenständiger Früherkennungstest. Nach Ansicht der Forscher könnten sie künftig aber helfen, Menschen mit einem besonders hohen Risiko früher zu erkennen und präventive Maßnahmen gezielter einzusetzen. Professor Dr. Davide Liborio Vetrano betonte: „Dies eröffnet die Möglichkeit, mithilfe einfacher Bluttests Personen mit hohem Risiko zu identifizieren, sodass in Zukunft frühzeitiger eingegriffen werden kann."
Quelle: DOI 10.1038/s41591-025-04038-2
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