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Dritte Corona-Impfung: Wie sinnvoll sind Booster-Impfungen?

PZ/NK  |  05.08.2021

Ab September sollen in Deutschland bestimmte Personengruppen Auffrisch-Impfungen gegen Covid-19 erhalten. Das hat das Bundesgesundheitsministerium in dieser Woche entschieden. Ist das nötig und sind hierfür spezielle Impfstoffe, die gegen gefährliche Varianten wie Delta wirken, besser geeignet als die derzeit verfügbaren?

Arzt, klebt Pflaster auf den Oberarm eines jungen Mannes.
Menschen, die beispielsweise wegen einer Organtransplantation immunsupprimierende Medikamente einnehmen, sollen bald Corona-Booster-Impfungen erhalten.
© Prostock-Studio/iStockphoto

Die Gesundheitsministerkonferenz hat am Montag eine Regelung zu Covid-19-Auffrischimpfungen beschlossen. Demnach soll ab September „im Sinne einer gesundheitlichen Vorsorge in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen“ eine Auffrischimpfung angeboten werden. Die dritte Dosis soll ein mRNA-Impfstoff sein. Zudem soll auch allen vollständig mit einem Vektorimpfstoff von AstraZeneca oder Janssen (Johnson & Johnson) geimpften Personen eine mRNA-Impfung als Booster angeboten werden. Über wichtige Fragen zu diesen Auffrischungen sprachen Expertinnen und ein Experte in dieser Woche bei einer Veranstaltung des Science Media Center (SMC) Deutschland.

„Die Titer von Antikörpern, die nach Coronavirus-Infektion oder nach Impfungen gebildet werden, sinken nach einer Weile ab“, erklärte Dr. Christine Dahlke vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das sei ganz normal und schon von anderen Erkrankungen lange bekannt. Die Antikörpertiter lassen sich durch eine weitere Impfung wieder deutlich erhöhen. „Diese Antikörper bleiben dann auch“, so die Expertin. Ein typisches Impfschema seien daher drei Gaben nach 0, 1 und 6 Monaten, sagte Dahlke. Das Gute sei aber, dass neben den Antikörpern auch T-Zellen gebildet werden, die eine wichtige Rolle beim Immunschutz spielen. „Es heißt also nicht, dass Geimpfte mit niedrigen oder fehlenden Antikörpertitern nicht geschützt sind.“

Senioren und Immungeschwächte sind gefährdet

Wie lange welche Personengruppen durch eine Covid-19-Impfung geschützt seien, lasse sich derzeit noch nicht beantworten, stellte Professor Dr. Leif Erik Sander von der Berliner Charité klar. Man habe aber früh gemerkt, dass bestimmte Gruppen wie stark Immunsupprimierte oder Senioren auf die Impfung mit zwei Dosen deutlich schwächer ansprechen als der Durchschnitt. Bei einer Kohorte von Seniorinnen mit einem Durchschnittsalter von 81 Jahren beispielsweise hatte ein erheblicher Anteil vier Wochen nach Zweitimpfung kaum messbare Antikörpertiter, berichtete der Mediziner. Gerade mit Blick auf die sich durchsetzende Delta-Variante, die leichter übertragbar und krankmachender als andere Varianten ist, kann ein Boostern in vulnerablen Gruppen sinnvoll sein, um Impfdurchbrüche zu verhindern.

Erste Daten zeigten, dass es einen Zusammenhang zwischen den Antikörpertitern und dem Schutz vor symptomatischer Infektion gebe, sagte Sander. T-Zellen oder Gedächtniszellen ließen sich für Studienzwecke in Speziallaboren, aber nicht in der klinischen Routine nachweisen, daher könnten sie nicht als Alternative für Antikörpertiter dienen. Bei Personen, bei denen eine schwache Immunantwort vermutet wird, könne es daher durchaus sinnvoll sein, den Antikörpertiter zu bestimmen und ihnen gegebenenfalls eine dritte Dosis anzubieten.

Booster speziell für Virusvarianten?

Die Impfstoffhersteller Biontech/Pfizer, Moderna und AstraZeneca arbeiten bereits an Impfstoffen, die zu den derzeit kursierenden Virusvarianten passen. Die Ergebnisse stehen noch aus, zudem befinden sich jeweils Anpassungen an die Beta-Variante des Virus in der klinischen Prüfung und nicht an die Delta-Variante, die inzwischen in Deutschland die dominante Variante geworden ist.

Durch ein Boostern mit dem regulären Impfstoff ließen sich die Antikörpertiter so weit erhöhen, dass ein Schutz auch gegen Virusvarianten mit gegeben sei, sodass Auffrischungen mit variantenspezifischen Impfstoffen vermutlich nicht nötig seien. Zumal die Antigene des Coronavirus, die von T-Zellen erkannt werden, nicht verändert seien, ergänzte Hofmann.

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