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Nach Impfung: Große Spanne bei den Corona-Antikörpertitern

ar/PZ/NK  |  16.11.2021

Wie hoch ist der Antikörpertiter, den man nach einer Covid-19-Impfung erwarten kann? Und ab welchem Wert sollte man die Impfung auffrischen? Diese Fragen beschäftigen derzeit viele Menschen.

Junge Frau, draußen mit Maske.
Der Schutz der Corona-Impfung lässt Monat für Monat nach, bei manchen Menschen jedoch schneller als bei anderen.
© Patrick Daxenbichler/iStockphoto

Nach einer Impfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 werden Antikörper gegen das Spike-Protein des Virus gebildet. Dabei unterscheidet man zwischen bindenden Antikörpern, die sich zwar an das Virus anheften, es aber nicht unbedingt davon abhalten, Zellen zu infizieren, und neutralisierenden Antikörpern (NAb), die genau diesen – gewünschten – Effekt haben. Wie hoch der Anteil der NAb an der Gesamtmenge der gebildeten Antikörper ist, kann dabei von Mensch zu Mensch stark schwanken.

Von den NAb werden im Labor keine Titer bestimmt, sondern es wird die neutralisierende Wirkung der vorhandenen Antikörper gemessen. Das Ergebnis von Neutralisationstests wird in Prozent angegeben: Werte unter 30 Prozent bedeuten dabei keine Neutralisationskapazität des untersuchten Blutserums, 30 bis 50 Prozent eine niedrige Neutralisationskapazität, 51 bis 74 Prozent eine moderate und Werte ab 75 Prozent eine hohe.

Hoher Antikörpertiter, hoher Schutz

Wie viele NAb man braucht, um gegen das Coronavirus immun zu sein, sei derzeit noch unklar, sagte Professor Dr. Carsten Watzl, Leiter des Forschungsbereichs Immunologie im Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund Anfang August der „Deutschen Welle“. Ein Mensch mit einem hohen Antikörperspiegel sei wahrscheinlich gut gegen das Coronavirus geschützt. Der Umkehrschluss aber, dass wenige Antikörper bedeuten, nicht geschützt zu sein, treffe vermutlich nicht zu, so Watzl.

Was aber ist ein hoher Antikörpertiter, was ein niedriger? Das hängt auch vom verwendeten Testsystem ab. Um eine Vergleichbarkeit zu gewährleisten, hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den Standard BAU (Binding Antibody Units) definiert, an dem sich die Hersteller der verschiedenen Antikörpertests orientieren sollen.

Eventuell braucht nicht jeder eine dritte Impfung

Zwei Wochen nach der vollständigen Grundimmunisierung gegen Covid-19 ist in der Regel der maximale Antikörpertiter erreicht. Danach sinkt er, wie erste Sechs-Monats-Daten für den Biontech/Pfizer-Impfstoff zeigen. Wie schnell und wie stark der Titer fällt und ab welchem Wert eine Auffrischimpfung empfehlenswert sein könnte, ist noch nicht geklärt. Dr. Andreas Bobrowski, der Vorsitzende des Berufsverbands Deutscher Laborärzte (BDL), brachte kürzlich 21,8 beziehungsweise 1000 BAU/ml als Ober- und Untergrenzen ins Gespräch: Unter 21,8 BAU/ml sei wahrscheinlich kein Immunschutz gegen SARS-CoV-2 vorhanden, über 1000 BAU/ml sei eine Drittimpfung unnötig, dazwischen liege ein Graubereich. Diese Werte seien als Diskussionsgrundlage zu verstehen, wobei den unteren Grenzwert die Firma Siemens anhand des WHO-Standards ermittelt habe, erklärte Bobrowski.

In seinem Labor sei mittlerweile schon Tausende Male der SARS-CoV-2-Antikörpertiter bestimmt worden. „Wenn man die Ergebnisse auswertet, sieht man bestimmte Bereiche“, führte Bobrowski aus. „Das sind zum einen die negativen, zum Beispiel Impfversager oder Menschen, bei denen die Impfung missglückt ist. Auf der anderen Seite gibt es diejenigen mit hohen Titern, über 1000 BAU/ml und bei Jüngeren meistens noch höher, nämlich weit über 3000 BAU/ml. Bei denen kann man wohl davon ausgehen, dass sie geschützt sind.“ Ober- und Untergrenzen der Antikörpertiter als Grundlage für die Entscheidung über eine mögliche Auffrischimpfung zu definieren, halte er für sinnvoller, „als jedem Patienten noch eine Drittimpfung zu verpassen“. Das sei Therapie ohne vernünftige Diagnostik.

Antikörperbestimmung ist keine Kassenleistung

Für die Bestimmung des Antikörpertiters ist eine Blutabnahme erforderlich, die beim Hausarzt oder im Labor erfolgen kann. Allerdings ist die Bestimmung des Antikörpertiters momentan keine Kassenleistung, wenn sie der Überprüfung des Impferfolgs dient. Als IGeL- oder Privatleistung kostet die Bestimmung gemäß Gebührenordnung für Ärzte 17,49 Euro. Die Blutentnahme für den Test kann laut Bobrowski im Labor oder beim Hausarzt erfolgen. Die Sensitivität der Tests liege nach Herstellerangaben bei über 94 Prozent und die Spezifität nahezu bei 100 Prozent.

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