Schon eine Nacht mit Verkehrslärm wirkt sich messbar auf Schlafqualität und das Herz-Kreislauf-System aus: Das ist das zentrale Ergebnis einer Studie, auf das die Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz hinweist.
Für die Untersuchung spielten Forschende 74 gesunden Erwachsenen in ihren eigenen Schlafzimmern aufgezeichnete Verkehrsgeräusche vor. Jede Lärmeinspielung dauerte 1 Minute und 15 Sekunden und wurde in regelmäßigen Abständen abgespielt.
Drei Kontroll-Bedingungen durchgeführt
Die Teilnehmenden verbrachten drei unterschiedliche Nächte:
- Kontrollnacht ohne zusätzlichen Straßenlärm
Durchschnittlicher Geräuschpegel: 30,70 Dezibel - Nacht mit 30 Verkehrsgeräusch-Ereignissen
Durchschnittlicher Geräuschpegel: 41,36 Dezibel - Nacht mit 60 Verkehrsgeräusch-Ereignissen
Durchschnittlicher Geräuschpegel: 44,13 Dezibel
So konnten die Forschenden gezielt untersuchen, wie sich unterschiedlich starke Lärmbelastung auf den Körper auswirkt. So fand das Team heraus: Die Probanden berichteten – unterschiedlich stark ausgeprägt – von einer verminderten Schlafqualität in den Lärm-Nächten. Zudem stieg der Puls nach einzelnen Lärmereignissen an.
Veränderungen im Blut und an den Blutgefäßen
Neben subjektiven Angaben erfasste das Forschungsteam auch biologische Parameter. Im Blut von Personen nach einer Lärm-Nacht fanden sich Unterschiede bei Proteinen, die mit Entzündungsprozessen in Verbindung stehen. Mithilfe von Ultraschallmessungen entdeckte es auch eine verminderte Elastizität der Blutgefäße, was als Warnzeichen für die Gefäßgesundheit angesehen werde, so die Universität Mainz.
„Unsere Studienerkenntnisse könnten die molekularen Krankheitsmechanismen, die durch Lärm beim Menschen ausgelöst werden, erklären“, betont Professor Daiber, Universitätsmedizin Mainz in der Mitteilung. Dem schloss sich der Studienleiter, Dr. Omar Hahad an: „Die Studie liefert kontrollierte experimentelle Hinweise darauf, dass akuter nächtlicher Straßenverkehrslärm direkt in die Regulation des Gefäßsystems eingreift. Wir sehen sowohl funktionelle Veränderungen als auch begleitende Aktivierung bestimmter biologischer Signalwege.“
Übrigens: Eine Teilgruppe hatte Vitamin C erhalten, um die Auswirkung auf die Gefäßelastizität bei Lärm zu prüfen. In den am stärksten beeinträchtigten Nächten verbesserte Vitamin C die Gefäßelastizität um etwa 1 Prozent.
Quelle: DOI 10.1093/cvr/cvag028