Üblicherweise bekommen Menschen nach einer Gelenkersatz-Operation an Hüfte oder Knie Blutverdünner als Spritze oder Tablette. Die aktualisierte Leitlinie zur Prophylaxe der venösen Thromboembolie empfiehlt jetzt stattdessen Acetylsalicylsäure (ASS), sofern die Patienten schnell wieder auf die Beine kommen und keine besonderen Risikofaktoren mitbringen.
Gelenkersatz bei Hüfte oder Knie: Höheres Risiko für Blutgerinnsel
Hintergrund: Nach einer großen OP wie dem Einsetzen eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks ist das Risiko für Blutgerinnsel erhöht, die eine Thrombose und schlimmstenfalls eine lebensgefährliche Lungenembolie verursachen. Erstmals wird dafür nun der Wirkstoff ASS zur Vorbeugung empfohlen.
Leichter zu steuern als bisherige orale Medikamente, günstiger und sicher
Bislang wurden in diesen Fällen häufig Heparinspritzen oder sogenannte direkte orale Antikoagulanzien (NOAKs) verwendet. „Letztere sind jedoch insbesondere bei Begleiterkrankungen oder bei ungeplanten Folgeoperationen schwieriger zu steuern“, erklärte Rüdiger von Eisenhart-Rothe, Klinikum rechts der Isar, einen wichtigen Vorteil von ASS. Prof. Dr. Georgi Wassilew, Universitätsmedizin Greifswald, betont: „Die ASS-Prophylaxe ist deutlich kostengünstiger als die bisherige Standardtherapie – ohne Einbußen bei Wirksamkeit oder Sicherheit.“
Frühe Mobilisation ist Voraussetzung
Eine Voraussetzung für ASS zur Vorbeugung von Thrombosen nach größeren Operationen ist, dass die Patienten schon am OP-Tag wieder aufstehen und regelmäßig Physiotherapie machen. Bei einem hohen Thrombose-Risiko, etwa bei Menschen mit schweren Begleiterkrankungen wie aktivem Krebs, bleibt man dagegen vorsichtshalber bei den bisherigen Blutverdünnern, die individuell angepasst werden.