Ein kostenloses, ganztägiges Vorschulangebot kann offenbar mehr leisten als frühe Bildung: Es könnte auch dazu beitragen, Kinder vor Vernachlässigung zu schützen. Darauf weist eine große US-Studie hin, die untersucht hat, wie sich der Ausbau einer hochwertigen Vorschule auf Meldungen an den Kinderschutz auswirkt. Die Ergebnisse deuten auf einen positiven Effekt hin – besonders für benachteiligte Familien.
Warum frühe Förderung wichtig ist
Kindesmisshandlung und Vernachlässigung haben weitreichende Folgen für die körperliche und seelische Gesundheit von Kindern. Programme, die Familien früh entlasten und Kinder regelmäßig begleiten, könnten daher auch eine präventive Rolle spielen. Genau das hat ein Forschungsteam anhand eines großen Vorschulprogramms untersucht.
So lief die Studie ab
Die Forschenden analysierten Daten von rund 1,6 Millionen Kindern aus den USA. Grundlage waren Meldungen an den Kinderschutz aus den Jahren 2010 bis 2019. Verglichen wurden Kinder im Alter von vier Jahren, die Zugang zu einem kostenlosen, ganztägigen Vorschulprogramm hatten, mit achtjährigen Kindern, die dieses Angebot altersbedingt nicht nutzten.
Als natürliches Experiment diente das Programm „Pre-K for All“ in New York City, das schrittweise eingeführt wurde. Die Forschenden prüften, ob sich nach Einführung des Programms die Häufigkeit von Kinderschutz-Ermittlungen veränderte – insgesamt sowie getrennt nach Vernachlässigung und körperlicher Misshandlung.
Weniger Ermittlungen wegen Vernachlässigung
Das zentrale Ergebnis: Dort, wo das Vorschulprogramm verfügbar war, gab es im Schnitt vier weniger Kinderschutz-Ermittlungen pro 1.000 vierjährige Kinder. Dieser Rückgang war vor allem auf weniger Ermittlungen wegen Vernachlässigung zurückzuführen. Für körperliche Misshandlung zeigte sich dagegen kein statistisch gesicherter Effekt.
Mit zunehmender Dauer des Programms verstärkte sich der Effekt: Zwei Jahre nach Einführung lagen die Ermittlungen wegen Vernachlässigung sogar um acht Fälle pro 1.000 Kinder niedriger.
Besonders großer Effekt bei benachteiligten Gruppen
Auffällig war, dass die Rückgänge vor allem Kinder aus ethnischen Minderheiten betrafen. Besonders deutlich fiel der Effekt bei nicht-hispanischen Schwarzen Kindern aus. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass kostenlose, hochwertige Vorschulangebote bestehende Ungleichheiten im Kinderschutz zumindest teilweise abmildern könnten.
Was das für Familien und Gesundheit bedeutet
Die Studie legt nahe, dass ein kostenloses, ganztägiges Vorschulangebot Familien entlasten und Kindern einen stabilen, sicheren Alltag bieten kann. Weniger Vernachlässigung in frühen Jahren könnte sich positiv auf die gesundheitliche und psychosoziale Entwicklung auswirken – nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig. Für Politik und Gesellschaft liefern die Ergebnisse Hinweise darauf, dass frühe Bildungsangebote auch ein Baustein der Gesundheitsprävention sein können.
Quelle: DOI 10.1001/jamapediatrics.2025.5822