Die Zahl der Anrufe bei US-Giftnotrufzentralen wegen Leberschäden durch Medikamente, Alkohol, Nahrungsergänzungsmittel und andere körperfremde Substanzen ist zwischen 2000 und 2024 deutlich gestiegen. Bevölkerungsbereinigt stieg die Melderate in dieser Zeit von 10,9 auf 52,9 Fälle pro einer Million Menschen. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen musste stationär behandelt werden. Das berichtet ein Forschungsteam um Christopher Holstege von der University of Virginia.
Paracetamol besonders häufig beteiligt
Den größten Anteil machten Arzneimittel aus. Am häufigsten wurde Paracetamol mit Leberschäden in Verbindung gebracht. Bei Paracetamol als Einzelwirkstoff nahmen die gemeldeten Fälle dagegen über den Untersuchungszeitraum zu. Ein vermuteter Suizid war bei beiden Geschlechtern der häufigste Grund für die Exposition, wie die Studie ergab. Es betraf also viel seltener den bestimmungsgemäßen Gebrauch des Wirkstoffs gegen Schmerzen und Fieber.
Auch alkoholbedingte Leberschäden nahmen zu
Alkohol lag als Ursache mit deutlichem Abstand auf Platz zwei. Alkoholbedingte Leberschäden wurden häufiger bei Männern registriert, nahmen während der Corona-Pandemie jedoch bei beiden Geschlechtern zu.
Zunahmen beobachteten die Forschenden außerdem bei Stimulanzien und illegalen Drogen, pflanzlichen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln sowie Umweltgiften. Diese machten allerdings wesentlich weniger Fälle aus als Paracetamol und Alkohol. Holstege rät, Medikamente entsprechend ärztlicher Anweisung und Packungsinformation einzunehmen und bei unregulierten Substanzen besondere Vorsicht walten zu lassen.
Warum sich die Zahlen nicht einfach übertragen lassen
Die Auswertung basiert ausschließlich auf Meldungen an US-Giftinformationszentren. Nicht erkannte oder nicht gemeldete Leberschäden wurden dabei nicht erfasst, sodass die tatsächliche Zahl höher liegen könnte.
Quelle: DOI 10.1016/j.cgh.2026.07.032