US-Giftnotrufzentralen registrieren deutlich mehr Leberschäden als noch vor 25 Jahren: Die Melderate hat sich seit 2000 fast verfünffacht. Besonders häufig war Paracetamol beteiligt.

Die Zahl der bei US-Giftnotrufzentralen gemeldeten Leberschäden durch Medikamente, Alkohol, Nahrungsergänzungsmittel und andere körperfremde Substanzen ist zwischen 2000 und 2024 deutlich gestiegen. Bevölkerungsbereinigt nahm die Melderate von 10,9 auf 52,9 Fälle pro einer Million Menschen zu. Mehr als 80 Prozent der Betroffenen mussten stationär behandelt werden. Das berichtet ein Forschungsteam um Christopher Holstege von der University of Virginia.
Den größten Anteil an den erfassten Fällen machten Arzneimittel aus. Besonders häufig war Paracetamol beteiligt: Bei Männern entfiel ein Drittel der registrierten Leberschäden auf Fälle, in denen ausschließlich Paracetamol eingenommen worden war, bei Frauen waren es 45 Prozent. Die Zahl solcher Fälle nahm im Untersuchungszeitraum deutlich zu.
Dabei ging es häufig nicht um die übliche Einnahme gegen Schmerzen oder Fieber. Bei Männern und Frauen war ein vermuteter Suizid der häufigste Grund für die Einnahme. Die Ergebnisse lassen deshalb keine Rückschlüsse darauf zu, wie hoch das Risiko eines Leberschadens bei bestimmungsgemäßer Einnahme von Paracetamol ist.
Alkohol lag mit deutlichem Abstand hinter Arzneimitteln. Alkoholbedingte Leberschäden wurden häufiger bei Männern registriert. Während der Corona-Pandemie nahmen die gemeldeten Fälle jedoch bei beiden Geschlechtern zu.
Zunahmen beobachteten die Forscher außerdem bei Stimulanzien und illegalen Drogen, pflanzlichen Präparaten und Nahrungsergänzungsmitteln sowie Umweltgiften. Diese machten allerdings wesentlich weniger Fälle aus als Paracetamol und Alkohol.
Holstege rät dazu, Medikamente entsprechend der ärztlichen Anweisung und den Angaben in der Packungsinformation einzunehmen. Bei unregulierten Substanzen sei besondere Vorsicht angebracht.
Die Auswertung basiert ausschließlich auf Meldungen an US-Giftinformationszentren. Leberschäden, die nicht erkannt oder nicht gemeldet wurden, gingen nicht in die Untersuchung ein. Die tatsächliche Zahl könnte deshalb höher liegen.
Zudem lassen sich die Ergebnisse nicht unmittelbar auf Deutschland übertragen. Die Studie beschreibt die Entwicklung der an US-Giftnotrufzentralen gemeldeten Fälle. Daraus lässt sich weder die Häufigkeit sämtlicher Leberschäden in der Bevölkerung noch das individuelle Risiko durch die bestimmungsgemäße Einnahme eines Medikaments ableiten.
Quelle: DOI 10.1016/j.cgh.2026.07.032
Wähle aponet.de als eine bevorzugte Nachrichtenquelle bei Google und entdecke unsere aktuellen Gesundheitsnews häufiger in deinen News-Empfehlungen.
Alle zwei Wochen neu: die aktuelle Liste der zuzahlungsfreien Arzneimittel.
Medikamenten-Name oder Wirkstoff eingeben für mehr Informationen.
Im Fokus diesmal: Lithiumhaltige Nahrungsergänzungsmittel, Luftbelastung durch duftende Putzmittel…
aus Apotheke, Forschung und Gesundheitspolitik.
In diesem Lexikon finden Sie umfassende Beschreibungen von etwa 400 Krankheitsbildern