Kratom: Giftnotrufe wegen opioidähnlichem Pflanzenstoff stark gestiegen

Hanke Huber  |  19.08.2026 09:30 Uhr

Kratom wird im Internet als pflanzliches Mittel gegen Schmerzen, Ängste und Depressionen beworben. Eine Studie zeigt nun einen starken Anstieg der Meldungen bei Giftnotrufzentralen. Auch schwere Verläufe wurden häufiger registriert. Was über Wirkung und Risiken bekannt ist.

Kratom in Form von Pulver, Kapseln und Getränk auf einem Tisch.
Kratom wird aus den Blättern des Kratombaumes gewonnen und ist in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen.
© Betka82/iStockphoto

Die Zahl der bei US-Giftnotrufzentralen gemeldeten Kratom-Fälle sind in den USA innerhalb von 13 Jahren um mehr als das 65-Fache gestiegen: von 19 Fällen im Jahr 2010 auf 1.242 im Jahr 2023. Das berichtet ein Forschungsteam um Ryan Feldman vom Medical College of Wisconsin.

Was genau ist Kratom? 

Kratom wird aus den Blättern des südostasiatischen Kratombaumes gewonnen und kann insbesondere in höheren Dosierungen opioidähnliche Wirkungen entfalten. Die Blätter werden getrocknet und zu Pulver gemahlen als pflanzliches Mittel gegen Schmerzen, Husten, Entzündungen, Angstzustände, Depressionen und andere Krankheiten im Internet angepriesen. Da keine der Wirkungen wissenschaftlich belegt ist, ist Kratom in Deutschland nicht als Arzneimittel zugelassen. Auch in den USA ist Kratom nicht für medizinische Zwecke zugelassen. Die Vorschriften dazu unterscheiden sich zwischen den Bundesstaaten. 

Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen und Leberschäden

„Es gibt Hinweise darauf, dass Kratom schwerwiegende gesundheitliche Auswirkungen wie Krampfanfälle, Herzrhythmusstörungen, Leberschäden und Atemprobleme verursachen kann“, sagt Feldman. Besonders problematisch könne der gleichzeitige Konsum anderer Substanzen sein: Kratom kann Stoffwechselwege beeinflussen und dadurch möglicherweise die Risiken anderer Wirkstoffe erhöhen.

Auch schwere gesundheitliche Folgen nahmen zu

Wie die Forscher im Fachblatt Addiction berichten, stieg nicht nur die Zahl der Meldungen. 2023 wurden 158 Fälle als schwerwiegend eingestuft; darunter verstanden die Forschenden lebensbedrohliche Auswirkungen, bleibende erhebliche Beeinträchtigungen oder Todesfälle. Bei Fällen, in denen ausschließlich Kratom angegeben wurde, musste fast jeder siebte Betroffene stationär im Krankenhaus behandelt werden, etwa jeder 16. auf einer Intensivstation.

Studie erfasst gemeldete Fälle

Bei den Zahlen handelt es sich um Fälle, die US-Giftnotrufzentralen gemeldet wurden. Sie bilden daher nicht sämtliche Kratom-Anwendungen oder gesundheitlichen Probleme in den USA ab. Aus dem starken Anstieg lässt sich zudem nicht unmittelbar ablesen, wie stark der Konsum im selben Zeitraum zugenommen hat. Die Ergebnisse zeigen jedoch, dass Kratom inzwischen deutlich häufiger mit Anfragen an Giftnotrufzentralen und schweren medizinischen Verläufen in Verbindung steht.

Ist Kratom auch in Deutschland ein Problem?

Kratom-Produkte sind auch in Deutschland über das Internet erhältlich. Wie verbreitet Kratom in Deutschland ist, lässt sich bislang nicht zuverlässig beziffern. Repräsentative Daten zum Konsum in der Gesamtbevölkerung fehlen. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) warnt vor der Anwendung von Kratom zu medizinischen Zwecken.

Quelle: DOI 10.1111/add.70416

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