Melatonin könnte chronische Schmerzen lindern - das zeigt eine Analyse von 23 Studien

Wolf Löchel  |  04.07.2026 09:37 Uhr

Melatonin könnte gleich doppelt helfen: Eine Analyse von 23 Studien zeigt Hinweise, dass das Schlafhormon chronische Schmerzen lindern und gleichzeitig den Schlaf verbessern kann. Die Daten reichen noch nicht für klare Therapieempfehlungen, gelten aber als vielversprechend.

Junge Frau fasst sich im Bett an unteren Rücken, schmerzverzerrter Gesichtsausdruck
Chronische Schmerzen und schlechter Schlaf hängen oft zusammen. Genau hier könnte Melatonin ansetzen.
© fizkes/iStockphoto

Forschende der Universität Sydney haben zahlreiche Studien zum schmerzlindernden Effekt des Schlafhormons Melatonin analysiert. Die Hoffnung besteht, es als Alternative gegen chronische Schmerzen einsetzen zu können, denn viele Schmerzmittel bergen ein höheres Risiko für Nebenwirkungen.

Wie stark lindert Melatonin chronische Schmerzen?

Im Schnitt linderte Melatonin die Schmerzen in einem messbaren Ausmaß, erfasst auf einer gängigen Schmerzskala. Der Effekt lag rechnerisch in einer Größenordnung, wie sie auch verbreitete Schmerzmittel erreichen. 

Ganz so eindeutig, wie das klingt, ist der Befund allerdings nicht: Die Wirkung fällt eher moderat aus und überschritt nicht immer die Schwelle, ab der Betroffene einen Unterschied tatsächlich spürten. Auch die Aussagekraft der Daten stufen die Forschenden als niedrig bis mäßig ein. Für belastbare Empfehlungen braucht es daher weitere, größere Studien.

Für welche Beschwerden wurde Melatonin untersucht?

Für ihre Auswertung fassten die Forschenden die Daten von 2028 Erwachsenen aus 23 kontrollierten Studien zusammen. Beteiligt waren Menschen mit Beschwerden wie Rückenschmerzen, Arthrose oder Fibromyalgie sowie Personen, die sich von Operationen erholten.

Melatonin beeinflusst gleichzeitig Schmerzen und Schlaf

Ein zweiter Befund macht Melatonin jedoch gerade für Schmerzpatienten interessant: Es verbesserte zugleich die Schlafqualität. Schmerz und schlechter Schlaf hängen eng zusammen, und Melatonin scheint beides anzusprechen. „Für viele Patienten existiert der Schmerz nicht isoliert, sondern ist eng mit schlechtem Schlaf verknüpft", erklärt der Studienleiter Kangchao Wu.

Welche Melatonin-Dosis wurde in den Studien untersucht?

Dosis und Zeitpunkt der Einnahme schwankten je nach Beschwerde. Bei chronischen Schmerzen im Bewegungsapparat lagen die Dosierungen meist zwischen 3 und 10 Milligramm, am häufigsten kamen 3 Milligramm täglich zum Einsatz. Eingenommen wurde Melatonin in der Regel zur Schlafenszeit oder bis zu eine Stunde davor. Einen klaren Zusammenhang zwischen Dosis und Wirkung fanden die Forschenden allerdings nicht, eine einzelne „beste" Dosis lässt sich aus den Daten daher nicht ableiten.

Wie sicher ist Melatonin bei chronischen Schmerzen?

Melatonin gilt als gut verträglich. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit, Schwindel und Kopfschmerzen, insgesamt vergleichbar mit einem Scheinmedikament. Schwere Nebenwirkungen traten nicht auf, Hinweise auf eine Abhängigkeit gibt es nicht. Als sicher gilt vor allem die kurzzeitige Anwendung über weniger als drei Monate.

„Die beobachtete Schmerzlinderung ist mit einigen herkömmlichen Behandlungen vergleichbar, das bedeutet aber nicht, dass Melatonin sie ersetzen sollte", sagt Wu. Vielmehr komme es als zusätzliche, sicherere Option innerhalb eines umfassenderen Behandlungsplans infrage, besonders für Menschen, die zugleich unter Schlafproblemen leiden. Wer Melatonin regelmäßig einnehmen möchte, sollte dies insbesondere bei Vorerkrankungen oder der Einnahme anderer Medikamente ärztlich abklären.

Quelle: DOI 10.1097/j.pain.0000000000004045 

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