Insekten gelten als nachhaltige Alternative zu herkömmlichen tierischen Proteinquellen. In der Europäischen Union sind mehrere Insektenarten bereits als neuartige Lebensmittel zugelassen, darunter Mehlwürmer, Wanderheuschrecken und Hausgrillen. Doch bei den Verbrauchern überwiegt oft die Skepsis.
Überraschende Ergebnisse beim Geschmackstest
An der Studie der Universität Beira Interior (Portugal) nahmen 38 Erwachsene zwischen 18 und 55 Jahren teil, die zuvor noch nie Lebensmittel auf Insektenbasis probiert hatten. Die Teilnehmenden verkosteten einen Insekten-Proteinriegel sowie einen ähnlich aussehenden Müsliriegel. Dabei wussten sie zum Teil, was sie aßen, zum Teil nicht. Die Forschenden erfassten neben Befragungen auch Gehirnaktivität und Herzfrequenz.
Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hatten erwartet, dass die Teilnehmenden den Müsliriegel bevorzugen würden. Stattdessen zeigte sich ein anderes Bild: Viele reagierten neugierig und aufgeschlossen auf das neue Produkt.
Neugier statt Ablehnung
Die Messungen zeigten, dass die Teilnehmenden während des Verzehrs der Insektenriegel besonders aufmerksam und engagiert waren. Auch die Herzaktivität nahm zu – ein Hinweis auf gesteigerte Aufmerksamkeit. Bemerkenswert: Diese Reaktionen traten selbst dann auf, wenn die Personen nicht wussten, dass sie gerade ein Produkt auf Insektenbasis aßen.
Nach der Verkostung gaben die Teilnehmenden zudem häufiger an, den Insekten-Proteinriegel gegenüber dem Müsliriegel zu bevorzugen.
Direkte Erfahrung kann Vorbehalte abbauen
Die Forschenden sehen in solchen Verkostungen eine wichtige Möglichkeit, Berührungsängste abzubauen. Wer ein unbekanntes Lebensmittel selbst ausprobiert, bewertet es möglicherweise anders als zuvor erwartet.
Studienleiterin Andreia C. B. Ferreira betont: „Aus praktischer Sicht zeigen die Ergebnisse, dass die Kommunikation über Lebensmittel auf Insektenbasis als Alternativen und Neuheiten auf dem europäischen Markt verstärkt werden muss. Die Kommunikation sollte Lebensmittel auf Insektenbasis nicht nur als ‚neu‘ positionieren, sondern auch ihre potenziellen ernährungsbezogenen und nachhaltigkeitsbezogenen Vorteile gegenüber anderen Proteinalternativen klar benennen.“
Die Autorinnen und Autoren weisen allerdings darauf hin, dass die Studie mit einer relativ kleinen Teilnehmerzahl durchgeführt wurde. Größere Untersuchungen sollen künftig zeigen, wie Menschen in verschiedenen Kulturen auf Lebensmittel auf Insektenbasis reagieren.
Quelle: DOI: doi.org/10.1037/npe0000215